Bürgermeisterin von Erdmannhausen Birgit Hannemann hört auf - ihrer Familie zuliebe

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Birgit Hannemann, Bürgermeisterin von Erdmannhausen, steht vor dem Rathaus. Sie kandidiert nicht mehr für eine zweite Amtszeit. Foto: dpa/Marijan Murat

Erdmannhausen - Eigentlich macht ihr der Beruf „sehr viel“ Spaß. Dennoch tritt die Bürgermeisterin von Erdmannhausen, Birgit Hannemann, nicht wieder an. Sie will ihre Kinder schützen. Ihre Familie werde ständig in Themen hineingezogen, in denen sie nichts verloren habe, erklärt die 40-Jährige. Sie ist CDU-Mitglied, trat aber 2012 als Parteilose für das Amt der Bürgermeisterin der 5000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Ludwigsburg an - und gewann.

Im Ort gibt es die „Bürgermeisterkinder“

Ihre drei Söhne - ein Fünfjähriger und ein Jahr alte Zwillinge - seien im Ort die „Bürgermeisterkinder“. An ihre Kinder würden andere Maßstäbe angelegt. Immer wieder seien sie damit konfrontiert, Vorbild sein zu müssen. „Jedes andere einjährige Kind, das während des Gottesdienstes schreit, ist ein kleines Kind, das schreit“, erzählt sie. „Wenn es mein Kind ist, heißt es: Wie geht denn das? Wie kann denn das sein?“ Sie habe ihrem Ältesten Sätze sagen müssen wie: „Jeder andere dürfte es. Aber lass du es bitte sein.“

Bürgermeisterin zu sein, das kann auch eine Last sein: Erst vor eineinhalb Wochen hatte die Bürgermeisterin im sächsischen Arnsdorf nach monatelanger Hetze ihre vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beantragt. Der Präsident des Verbandes Baden-Württembergischer Bürgermeister, Michael Makurath (parteilos), beklagt einen zunehmend rüden Umgangston der Menschen mit ihren Bürgermeistern - vor allem in den sozialen Netzwerken. Da frage sich der ein oder andere schon, ob man sich das antun wolle, berichtet Makurath. Er ist seit 20 Jahren Oberbürgermeister von Ditzingen (Kreis Ludwigsburg).

„Ich finde schon, dass der Ton rauer wird“

Hannemann erzählt, sie habe zwar E-Mails bekommen, die „hart an der Grenze“ gewesen seien. Sie sei aber nie in irgendeiner Form bedroht worden - anders als rund 20 Prozent der mehr als 1000 Bürgermeister, die in einer Umfrage des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) angegeben hatten, Hass-Mails bekommen zu haben oder bedroht worden zu sein. Hannemann findet es „erschreckend, wenn man sich überlegt, dass Sonderstellen eingerichtet werden müssen, die Kommunalpolitikern ein Sorgentelefon bieten, wenn sie bedroht werden“.

„Ich finde schon, dass der Ton rauer wird. In den sozialen Medien, aber auch sonst“, sagt sie. Das Politische und das Private würden nicht mehr getrennt. Anfang Oktober hat sie ihre Entscheidung offiziell gemacht, bei der Kommunalwahl im März 2020 nicht mehr anzutreten - obwohl sie an dem Amt hängt. „Ich bin gern Bürgermeisterin. Mir macht der Beruf sehr, sehr viel Spaß.“

Es fehle an Akzeptanz

Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes wird nur jedes zehnte Rathaus in Deutschland von einer Frau geführt. Um das zu ändern, soll laut dem kommunalen Spitzenverband die Arbeitszeit der Bürgermeister - laut Hannemann sind 60 Stunden pro Woche realistisch - reduziert oder flexibler gestaltet werden können. Ein Verbandssprecher sagt: „Homeoffice-Regelungen, Job-Sharing-Modelle und die Aufwertung von Stellvertreterinnen können ein geeigneter Weg sein.“ Das bedeutet, zuhause arbeiten zu können oder sich den Job zu teilen.

Hannemann findet: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert genauso gut wie bei anderen Berufen auch.“ Nach den Geburten sei sie in Elternzeit gegangen und währenddessen mit ihren Stellvertretern in Kontakt geblieben. Das habe gut funktioniert. Die Gesellschaft sei aber in Teilen noch nicht so weit. Es fehle an Akzeptanz. Sie habe von Lästereien mitbekommen: „Der Sohn der Bürgermeisterin hat etwas angestellt. Aber es ist ja kein Wunder, dass der das macht. Die Mutter hat ja keine Zeit!“ Es müsse ein Umdenken in der Gesellschaft her, sagt Hannemann.

Kürzlich, erzählt sie, habe ein Mädchen zu ihr gesagt: „Gell, du bist doch die Bürgermeisterin.“ Ihr Sohn habe erwidert: „Ja, aber meine Mama sucht sich ‚nen neuen Job.“ Hannemann habe gedacht, bei ihrem Sohn sei eine gewisse Erleichterung zu hören gewesen. „Nach dem Motto: Jetzt hört dieses Theater endlich auf.“

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