Buch über Naturschätze im Strohgäu Ein Hemminger Ehepaar auf Vogelpirsch

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Erna und Fritz Plachetta schmökern in den „Naturschätzen“. Das Ehepaar aus Hemmingen will dem Leser des Büchleins „die Augen für die Naturkostbarkeiten unserer Heimat öffnen“. Fotos aus dem Buch finden Sie in unserer Bildergalerie. Klicken Sie sich durch. Foto: factum/Bach

Hemmingen/Schwieberdingen - Zur vollen Stunde zwitschert die Vogeluhr im Esszimmer. Allerdings zwitschere nicht der Vogel, der neben der jeweiligen Ziffer abgebildet ist, stellte Fritz Plachetta fest. Der studierte Biologe und Vogelfreund, wie er sich selbst nennt, nimmt das gelassen. Er erfreut sich schlicht am Gezwitscher.

Ein Stückchen Vogelwelt in den vier Wänden

Der 66-Jährige hat sich ein Stückchen Vogelwelt in seine Hemminger Wohnung geholt: An den Wänden hängen Bilder von Vögeln, er hat welche aus Filz – als früherer Biologielehrer habe man „Anschauungsmaterial“ – und selbst Servietten zieren sie. Zwei Eistaucher sind abgebildet. „Wir haben bloß einen Balkon. Auf dem beobachten wir aber regelmäßig Mauersegler oder Rot- und Schwarzmilane.“ Die Leidenschaft verdanke er seinem Vater. Schon als Kind sei er ständig durch den Wald gestreift und am See gewesen.

„Vögel sind die letzten wild lebenden Tiere, die man beobachten kann“, sagt Plachetta. Sie sähen schön aus, einige sängen schön. Seine Frau schätzt auch den sozialen Aspekt. „Beim Beobachten von Vögeln sind wir viel unterwegs. Da lernen wir nette Menschen kennen“, sagt Erna Plachetta. Sie findet Naturschutz so wichtig wie ihr Mann. Das Ehepaar engagiert sich seit Jahrzehnten im Naturschutzbund (Nabu) – mittlerweile in der Ortsgruppe Schwieberdingen-Hemmingen – sowie im Naturkundeverein (DNV) Ludwigsburg. Diesem sitzt Fritz Plachetta seit zehn Jahren vor. „Meine Frau und ich haben uns bei einem naturkundlichen Spaziergang kennengelernt“, verrät der 66-Jährige, der 39 Jahre lang an der Sachsenheimer Realschule unterrichtete und auch Mitglied der Grünen ist. Wie seine Frau.

Seltene und besondere Tier- und Pflanzenarten gesichtet

Mit einem Buch will das Ehepaar nun bei anderen Menschen das Interesse für die Natur wecken. Genauer: für die vor der eigenen Haustür. „Naturschätze bei uns in Schwieberdingen und Hemmingen“ heißt das Werk des örtlichen Nabu und des DNV. „Wir zeigen interessante Tier- und Pflanzenarten, die man nicht so oft sieht“, sagt Fritz Plachetta, in Bild und Wort. „Der Leser soll ein Gespür für die Natur in seiner Heimat bekommen“, meint er und verweist auf das Motto des Nabu: „Nur was man kennt, schätzt man, nur was man schätzt, schützt man.“ Etliche Tier- und Pflanzenarten gingen „massiv“ zurück. „Die Natur wird stummer. Früher, als Junge, habe ich öfter Lerchen und Nachtigallen gesehen. Heute ist das seltener der Fall“, bedauert Fritz Plachetta. Dass Korntal-Münchingen schon ein solches Buch hat, sei ein weiterer Ansporn gewesen. Seit dem Frühjahr arbeiteten die Naturschützer daran. Alle Fotos seien in den zwei Gemeinden entstanden. Das Buch ist auch ein Wanderführer.

Und Hemmingen bietet doch Natur

Nie hätten die Plachettas gedacht, dass Hemmingen so viel Natur bietet. Geradezu enttäuscht waren sie zunächst angesichts der „hässlichen Hochhäuser“. „Im Frühjahr bin ich dann mal losgelaufen“, erinnert sich Erna Plachetta, sie zog 1974 her. Und wurde eines Besseren belehrt. Wie viele Vögel doch zwischen den Häusern fliegen! „Wir haben viel Wald, das ist besonders.“

Was das Ehepaar antreibt? „Die nächsten Generationen sollen die Natur kennenlernen“, sagt die 74-Jährige. Und Einsatz lohne sich: „Mit wenig Aufwand erreicht man viel. Tiere nutzen den Lebensraum, den man ihnen schafft.“ Fritz Plachetta ist es wichtig, sich einzumischen. Nur so könne man die Belange der Naturschützer vertreten. Als Mitglied im Landesnaturschutzverband beteiligt er sich an Stellungnahmen für Kommunen bei Bauvorhaben.

Unvergessliches Erlebnis in Kanada

Eistaucher wie auf seinen Servietten haben in den „Naturschätzen“ keine eigene Seite erhalten. Gleichwohl fasziniert der Nationalvogel Kanadas Fritz Plachetta besonders: Als er und seine Frau dort Freunde besuchten, rutschte ihnen ein Eistaucher mühsam auf dem Bauch entgegen. „Eistaucher können nicht laufen, weil ihre Beine zu weit hinten sind“, sagt Plachetta. Er rätsle bis heute, wie das Tier sich so weit vom Wasser habe entfernen können. Hätte er eine Decke dabei gehabt, er hätte es zurückgetragen. Mit bloßen Händen sei das schwierig. „Die Tiere sind sehr scheu und geben beeindruckende Rufe von sich“, sagt Fritz Plachetta. Als Andenken kaufte er sich hinterher Servietten. 50 Stück an der Zahl.

Termin Die „Naturschätze“ kosten 10 Euro und werden am Montag, 10. Dezember 2018, um 19 Uhr im Mehrzweckraum im Rathaus Schwieberdingen vorgestellt. Tags darauf ist die Präsentation in der Hemminger Bibliothek, auch um 19 Uhr.

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