Breitbandausbau Leonberg Wie viele wollen das schnelle Internet wirklich?

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Leonberg - Leonbergs Stadtteil Ramtel und der Teilort Warmbronn sind, wie es der Warmbronner Ortsvorsteher Jens Schneider formuliert, „in der Pole-Position“. Beim Informationsabend der Telekom im Vereinssaal des SpVgg Warmbronn ging es zwar nicht um Autorennen, um Hochgeschwindigkeit aber sehr wohl. Das Telekommunikationsunternehmen plant, die privaten Haushalte in diesen Gebieten im Laufe des Jahres mit Hochgeschwindigkeitsglasfaseranschlüssen auszustatten. Der avisierte Breitbandausbau ist Teil des umfangreichen Digitalisierungsprojekts der Region Stuttgart, dem nach einigem Zögern auch Leonberg beigetreten war.

Doch bevor auch nur ein Bit durch die Glasfaserkabel die Wohnhäuser erreicht, muss geklärt werden, ob daran überhaupt ausreichend Interesse besteht. Beim Informationsabend im Ramtel einen Tag vorher, so berichtet der Regio-Manager der Telekom, Stefan Winkler, war der Ansturm noch überschaubar. Am Mittwoch in Warmbronn platzte der Saal des Sportvereins aus allen Nähten.

1500 Vorverträge

Winkler, der die Bürger seitens der Telekom an zunächst vier Abenden über das Projekt informiert, machte unmissverständlich klar: Das Glasfaserkabel werde nur verlegt, wenn von den etwa 5700 Haushalten im Ramtel und in Warmbronn mindestens 1500 einen Vorvertrag abschließen – eine Art Garantie, dass der Haushalt nach Abschluss der Ausbauarbeiten einen der angebotenen Telekom-Internettarife bucht. „Das müssen wir so machen, damit es kein wirtschaftliches Desaster wird“, erklärt der Regio-Manager. Vermarktungsstart ist der 4. Februar.

Im Umkehrschluss heißt das jedoch: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht eben gering, dass das Projekt ausgeht wie das Hornberger Schießen. Denn wenn sich trotz der Werbeoffensive nicht genug Interessenten finden, ist das Vorhaben gestorben. Selbst Winkler räumt ein, dass schnelles Internet nicht jeder braucht. Wer nur E-Mails versendet, sei mit den herkömmlichen Übertragungsraten via Kupferkabel gut bedient.

Die Angst vor eingefleischten Internet-Muffeln, die aus Desinteresse den Ausbau behindern könnten, ist offensichtlich groß: Kein Wunder also, dass sich bereits eine Bürgerinitiative in Leonberg gebildet hat, die sich auf privater Ebene ebenfalls für den Breitbandausbau starkmacht. Daneben engagiert sich die Arbeitsgruppe „Glasfaser“ der Lokalen Agenda 21 an der Aufklärungskampagne und bietet kostenlose Beratungsgespräche im Bürgerzentrum Stadtmitte an.

„Großer Datenhunger“

In der Tat gibt es gute Argumente, den Breitbandausbau nicht auf die lange Bank zu schieben: „Der Datenhunger wird immer größer“, sagt Winkler. Wer künftig auf Homeoffice setze, braucht früher oder später eine hohe Datenfrequenz. Von Streaming in Ultra-HD-Qualität ganz zu schweigen. Auch Hausbesitzer profitierten ganz direkt von einem Glasfaseranschluss, weil der Wert der Immobilie steige. Und für die Kommunen selbst sei ein Breitbandkabel ohnehin ein handfester Standortvorteil.

Rund 1800 Euro lässt sich die Telekom jeden Haushaltsanschluss kosten. Für die Anwohner selbst seien die Anschlussarbeiten gratis. Damit die Investitionen wieder eingespielt werden, müsse sich der Unterzeichner eines Vertrags zwei Jahre an die Telekom binden. Erst danach kann der Kunde den Telekommunikationsanbieter wechseln. Schwierigkeiten drohen in Mehrfamilienhäusern: Für die Entscheidung, Anschluss Ja oder Nein in Mietshäusern oder Immobilien mit Eigentumswohnungen, müssen sich zuerst die Hausparteien einigen oder der Hauseigentümer überzeugt werden, dass die bauliche Veränderung vorgenommen werden darf.

Den Zählerstand abgeschlossener Vorverträge kann jeder nach dem 4. Februar unter www.telekom.de/jetzt-glasfaser überprüfen. Dort ist heute schon zu sehen, dass beispielsweise in Fellbach die Latte nicht übersprungen wurde. Werden im Ramtel und in Warmbronn die geforderten 1500 Verträge abgeschlossen, sollen, so die Telekom, bereits Anfang 2021 die Glasfaseranschlüsse in den Häusern installiert sein.

Weitere Termine

Weitere Infoabende der Telekom finden im Ramtel am Mittwoch, 29. Januar, ab 19 Uhr in der August-Lämmle-Schule (Gerlinger Straße 43-47) und am 30. Januar um 19 Uhr im Vereinssaal der SpVgg Warmbronn (Büsnauer Straße 87) statt.

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