Brand in Weil der Stadt Flüchtlingsunterkunft: Kein Brandanschlag

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Eine Dreiviertelstunden lang müssen die Weil der Städter Feuerwehrleute den Brand im Blannentalhof bekämpfen. Foto: SDMG

Weil der Stadt - Schon als er in Weil der Stadt losfährt, sieht der Feuerwehrkommandant Jürgen Widmann, wie die Flammen in den Himmel lodern. Um 1.46 Uhr geht der Alarm bei der Einsatzzentrale ein. Auch in Merklingen sind Kameraden auf dem Weg zum Gerätehaus, das nur 250 Meter vom Einsatzort entfernt liegt. Einer der Feuerwehrmänner in Merklingen setzt sofort die Alarmstufe nach oben, als er die Ausmaße des Brands sieht: Großalarm in der Flüchtlingsunterkunft Blannentalhof.

„Ein großer Teil der Bewohner hatte schon das Haus verlassen, als wir eingetroffen sind“, berichtet Widmann. Die Feuerwehrkameraden retten noch sechs Menschen und geleiten sie nach draußen. Lediglich ein 45-Jähriger verletzt sich am Fuß, als er aus dem Fenster springt. Ein 66-Jähriger erleidet einen Schock und muss ins Krankenhaus, das er aber schon wenige Stunden später wieder verlassen kann.

100 Einsatzkräfte der Feuerwehr Weil der Stadt und aller Teilorte eilen mit 15 Fahrzeugen zum Einsatzort, dazu kommen 38 Retter des Roten Kreuzes und sieben Polizisten. Die Feuerwehr beginnt sofort mit dem Löschen, parallel durchsuchen die Kameraden das Gebäude nach weiteren Menschen. „Zum Glück war die Versorgung mit Wasser kein Problem“, sagt Widmann. Im benachbarten Merklinger Industriegebiet sei der Wasserdruck ausreichend, dazu legen die Einsatzkräfte zur Sicherheit einen Schlauch zur Würm.

Alle 26 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft sind obdachlos

Noch während des Großeinsatzes eilen auch Weil der Stadts Bürgermeister Thilo Schreiber und der fürs Ordnungswesen zuständige Beigeordnete Jürgen Katz zum Blannentalhof, denn alle 26 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft sind obdachlos. Ein erstes Dach über dem Kopf finden sie im nahegelegenen Feuerwehrhaus, das leer ist, weil alle Fahrzeuge beim Einsatz sind.

„Zusammen mit dem Roten Kreuz haben wir Feldbetten aufgetrieben“, berichtet Katz. Diese stellen die Rettungskräfte in der Merklinger Festhalle auf, die sich ebenfalls in direkter Nachbarschaft befindet. Gegen 4.30 Uhr haben die Bewohner wieder ein Bett zur Verfügung.

Für den Beigeordneten war es nach dem Brand in Schafhausen Mitte Dezember schon der zweite Großeinsatz mitten in der Nacht. „Die Rettungskräfte sind wunderbar eingespielt“, hat Jürgen Katz beobachtet. Die Zusammenarbeit der Feuerwehr mit dem Roten Kreuz, aber auch der Polizei funktioniere gut. „Für mich sind das natürlich gemischte Gefühle“, sagt er. Auf der einen Seite ist er froh, dass niemand schwerer verletzt worden ist. Andererseits müssen 26 Menschen versorgt werden.

Die Feuerwehr ist nach einer Dreiviertelstunde mit dem Löschen fertig. „Alles hat problemlos funktioniert“, berichtet Widmann zufrieden. Um 5.30 Uhr können er und seine Kameraden abrücken, um 6.10 Uhr ist der Einsatz beendet.

Hinweise auf Brandstiftung gibt es nicht

Die Brandermittler der Kriminalpolizei Böblingen sind am Tag darauf dran. Ängste nach einem rechtsextremen Anschlag sind da, wenn eine Flüchtlingsunterkunft in Flammen steht. Hinweise auf Brandstiftung von außen seien aber nicht gefunden worden, gibt eine Polizeisprecherin am Nachmittag Entwarnung. Wie und warum das Feuer im Inneren der Unterkunft entstanden ist, werde weiter untersucht.

Seinen ersten Großeinsatz hat am Donnerstag Daniel Grömminger zu bestehen, der Weil der Städter Ordnungsamtsleiter, der erst seit Jahresbeginn im Amt ist. Denn eine Rückkehr der 26 Bewohner ist vorerst ausgeschlossen. Unter Hochdruck fahndet er nach Unterkunftsmöglichkeiten, was bis zum frühen Nachmittag gelingt. „Die Bewohner sind in unseren Unterkünften in der Josef-Beyerle-Straße und in der Benzstraße untergekommen“, gibt Grömmingers Chef Jürgen Katz bekannt.

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