Bowling Das Schlusslicht darf drinbleiben

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Der nächste Strike ist fällig: Die Leonbergerin Natascha Block spielt für Cosmos Stuttgart in der Bundesliga. Foto: Guenter E. Bergmann

Bowling - Konzentriert fixiert Natascha Block die zehn Pins auf Bahn 17 in der Bowling-Arena in Stuttgart-Feuerbach. Drei Schritte nimmt sie Anlauf, dann gleitet der linke Fuß bis dicht an die so genannte Foullinie vor der Bahn, der rechte kreuzt nach hinten. Gleichzeitig ist der rechte Arm mit dem Ball in der Hand von hinter dem Körper nach vorne geschwungen. Wenn der Ball auf der Bahn aufsetzt, schwingt der Arm weiter nach oben durch, sein linker Gegenpart ist nach hinten gestreckt. Der Ball macht auf der Bahn eine Rotation nach rechts, um dann alle zehn Pins abzuräumen – Strike!

Dass mal ein oder zwei Pins stehen bleiben, ist bei der Leonbergerin Natascha Block und Monika Adlung aus Gerlingen eher die Ausnahme. Kein Wunder, die beiden sind Teil der Damenmannschaft von Cosmos Stuttgart, die seit dieser Saison wieder in der ersten Bundesliga spielt. Schon rein äußerlich unterscheiden sie sich vom normalen Hobby-Bowler: An ihren Daumen und Fingern kleben silberne Tapes. „Damit kommt man leichter wieder aus den Löchern raus“, erklärt Natascha Block. Zudem sind die Tapes ein Schutz. „Kapselverletzungen und Blasen an den Fingern gehören zu den häufigsten Verletzungen bei Bowlingsportlern“, erläutert Monika Adlung.

Eine steile Karriere

Die 41-Jährige weiß, wovon sie spricht: Mit elf Jahren hatte sie zum ersten Mal einen Bowling-Ball (nur Laien sagen Kugel dazu) in der Hand. Mit 15 Jahren gehörte sie zum Kader der deutschen Jugendnationalmannschaft, als Gerth Bettinger sie zum BSO (Bowlingverein Strike-Olympia) Stuttgart lotste, den er einst aufgebaut hatte. Bereits als Teenager spielte sie in der zweiten Bundesliga und machte erst eine Pause, als sie im Jahr 2000 zum ersten Mal Mutter wurde.

Acht Jahre später nahm sei den Ball wieder in die Hand, zunächst in der zweiten Mannschaft in der Württembergliga. Seit 2010 spielt sie wieder im Bundesligateam. „Bei meinem zweiten Kind habe ich keine Pause mehr gemacht, das habe ich mit sechs Wochen schon zum Auswärtsspiel nach Hamburg mitgenommen“, erzählt sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Eltern betreiben Bowling-Center

Auch die 36-jährige Natascha Block blickt auf einen reichen Erfahrungsschatz im Bowling zurück: Mit 16 Jahren begann sie, seit ihrem 20. Lebensjahr spielt sie in der Bundesliga. „Ich hatte bei meiner Familie gar keine andere Chance“, meint sie augenzwinkernd – ihre Eltern betrieben bis 2011 das Bowlingcenter in Gerlingen. Auch die Geburt ihres Kindes unterbrach ihre Bowling-Karriere nicht. „Ich habe mein Kind auch im Sommer bekommen, da war keine Pause nötig“, erzählt die Frau mit den dunklen Haaren verschmitzt. Der Ligabetrieb geht von September bis März, in den folgenden drei Monaten sind Meisterschaften, von Juli bis September macht der Bowlingsport Pause.

Ihren Sport betreiben beide und das gesamte Team mit viel Idealismus. Zu Auswärtsspielen müssen sie sich freitagnachmittags häufig durch den Berufsverkehr quälen, manchmal kommen sie erst um ein Uhr nachts in ihrem Hotel an. Am Samstag stehen sie in der Regel um 8 Uhr auf der Bahn, der Spieltag mit allen zehn Teams dauert von 9 bis 17 Uhr, am Sonntag dann von 9 bis 13 Uhr. Immerhin werden die Kosten für Fahrten und Übernachtungen von Sponsoren gedeckt. „Um Sponsoren müssen wir uns aber kümmern, von allein kommt keiner auf uns zu“, sagt Monika Adlung.

Bälle sind nicht günstig

Jede Spielerin hat zudem sechs verschiedene Bälle, die zwischen 200 und 250 Euro kosten. Sie unterscheiden sich in der Oberflächenstruktur, der Bohrung oder der Struktur des Kerns, um auf dem so genannten Ölmuster der Bahn gut zu rollen. Zwei Trainingseinheiten stehen bei den Cosmos-Frauen pro Woche auf dem Plan. Da der Großteil des Teams aus dem Großraum Leonberg kommt, stößt das Vorhaben der Traumpalast-Betreiber, im neu geplanten IMAX-Komplex eine Bowling-Anlage einzubauen, auf offene Ohren. „Wenn wir eine Trainingsgelegenheit in Leonberg hätten, wäre das Spitze“, meinen Natascha Block und Monika Adlung unisono.

Im vergangenen Jahr gelang Cosmos Stuttgart – so heißt das Frauenteam im BSO – der Aufstieg in die erste Bundesliga, wo die Mannschaft schon von 2015 bis 2017 gespielt hatte. „Zwischen der ersten und zweiten Bundesliga liegen Welten, eigentlich gehört da noch eine Liga dazwischen“, meint Monika Adlung. Nach drei von sechs Spieltagen in Ludwigshafen, Recklinghausen und Berlin lagen die Stuttgarterinnen auf dem letzten Tabellenplatz. Der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz betrug bereits 14 Punkte. Pro Spieltag sind theoretisch 28 Punkte möglich. Auch nach dem fünften Spieltag hatte dieser Rückstand noch Bestand. Dann war Schluss. Der letzte Spieltag und das Finale wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Die Deutsche Bowling Union erklärte das zu diesem Zeitpunkt führende Team zum deutschen Meister (BSC Kraftwerk Berlin) und entschied, dass es im Sportjahr 2019/2020 keine Absteiger gibt. Das Schlusslicht aus Stuttgart bleibt damit eine weitere Saison erstklassig. In der Saison 2020/2021 wird mit zwölf Mannschaften gespielt, in der darauffolgenden Saison 2021/2022 werden die Bundesligen wieder auf zehn Mannschaften reduziert.

Bowlingsport

Zu den führenden Nationen gehören die USA, Japan und die skandinavischen Länder, wo Bowling Schulsport ist. In Deutschland hat es immer noch den Charakter einer Randsportart. Einen Bundesligabetrieb gibt es seit Beginn der 1970er-Jahre. Die drei führenden Frauenteams der Vergangenheit sind BSC Kraftwerk Berlin, Radschläger Düsseldorf und BV 77 Frankfurt.

Anforderungen

Ähnlich wie beim Bogenschießen und Darts ist die Konzentrationsfähigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen beim Bowling. Erforderlich sind aber auch Kraft und Kondition: Ein Ball wiegt sieben Kilogramm, ein Bundesliga-Spieltag dauert acht Stunden. „Die Spielerinnen in der Bundesliga sind jünger geworden“, sagt Natascha Block.

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