Bosch Sinfonieorchester Virtuos und überaus festlich

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Tosender Schlussapplaus: Das Orchester begeistert die Besucher. Foto: factum/Simon Granville

Weissach - Das Bosch Sinfonieorchester besteht überwiegend aus Mitarbeitern der Bosch-Standorte im Großraum Stuttgart und ist international als Konzertorchester tätig. Unter der impulsiven Leitung von Hannes Reich erklang dieses verdienstvolle Benefizkonzert zugunsten der Laurentiuskirche mit dem renommierten Klangkörper.

Gleich zu Beginn überzeugte der versierte Hornist Raphael Manno beim Hornkonzert Nr. 1 von Richard Strauss, das dieser seinem Vater widmete. Anklänge an Weber waren nicht zu überhören, wobei der festlich-temperamentvolle Charakter immer wieder leuchtkräftig hervorstach. Zuweilen klangen hier schon spätere Kompositionen wie „Heldenleben“ und „Ariadne“ an. Schwelgerisch flossen die Melodien dahin, rissen die Zuhörer unmittelbar mit. Romantisch, farbig und virtuos erklang diese erfrischende Komposition des neunzehnjährigen Strauss. Die Kraft der Selbstbestimmung bereicherte hier das kontrapunktische Gerüst. Mit leidenschaftlicher Emphase interpretierte dann die Geigerin Stella Manno-Fumey das Poeme op. 25 für Violine und Orchester von Ernest Chausson, dessen thematischer Verbindungsreichtum sehr schön herausgearbeitet wurde.

Eine Eifersuchtstragödie

Auch die lyrischen Sequenzen beeindruckten das Publikum ungemein. Hier wird eine Erzählung von Iwan Turgenjew in eindrucksvollen dynamischen Steigerungen erzählt: „Das Lied der triumphierenden Liebe“. Es ist eine Eifersuchtstragödie mit vielen harmonischen Kontrasten, die den Kampf zweier Männer um dieselbe Frau beschreiben. Es sind Anspielungen auf Turgenjews unglückliche Liebe zur Sängerin Pauline Viardot. Einflüsse von Cesar Franck und Jules Massenet waren bei dieser einfühlsamen Wiedergabe auch bei den Crescendo-Effekten nicht zu überhören. Der dezente Formsinn des Werkes leuchtete in geheimnisvoller Weise hervor. Zum Abschluss folgte eine mitreissende Wiedergabe von Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64, wo das fulminante Bosch Sinfonieorchester unter der Leitung von Hannes Reich seine beste Leistung bot. Das Schicksalsmotiv spielt hier in allen vier Sätzen eine bedeutende Rolle, die geheimnisvoll miteinander verzahnt sind.

Die Skala von Gefühlen, Stimmungen und Gedanken wurden wirkungsvoll ausgekostet. Am Anfang verdeutlichten die Klarinetten bei der Andante-Einleitung des ersten Satzes das „Leit-Thema“, dessen Intensität voll betont wurde. Hannes Reich machte aber auch deutlich, wie dieses Thema allen symbolischen Komplikationen aus dem Weg ging. Das Hauptthema des Allegro con anima war in nicht ganz strengem Sonatenschema gehalten. Das erste Thema wirkte ängstlich und drängend zugleich.

Entfesselte Lebensfreude

Weicher klang dann das zweite Thema, das die Streicher gefühlvoll auskosteten. Die verzehrende Glut sehnenden Begehrens steigerte sich bis zur wild entfesselten Durchführung im unerbittlichen Schicksals-Rhythmus. Der Dirigent Hannes Reich identifizierte sich vollkommen mit der Musik. Schwärmerisch herausgearbeitete Melodien beherrschten das Andante cantabile, wo das Horn nach kurzer Streicher-Einleitung das Lied der Sehnsucht fast schmerzlich anstimmte. Unruhig stieg das Klarinettenthema des Seitenthemas auf. Im höchsten Rausch der Erfüllung steigerten sich die sehnsüchtigen Liebesmelodien. Der dritte Satz überzeugte daraufhin als tanzseliger Walzer bis hin zu leidenschaftlichem Aufrauschen. Nach Dur hellte sich plötzlich das Finale auf. Mit heftiger Brutalität stürmte das Allegro vivace los, wobei die Blechbläser mit kompakter Wucht triumphierten. Entfesselt behauptete sich die Lebensfreude mit majestätischer Fanfare. Der Schluss türmte die Hauptthemen des Finale und des ersten Satzes in grandioser Weise übereinander. Begeisterter Schlussapplaus.

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