Bosch-Campus Leonberg Am Möbelhaus kreist bald die Abrissbirne

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Der Abriss-Bagger steht bereit. Das ehemalige Möbelhaus Hofmeister wird bald abgerissen. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Der Bagger mit dem gewaltigen Arm ist nicht zu übersehen. Das schwere Gerät steht auf dem Parkplatz des ehemaligen Möbelhauses Hofmeister in der Poststraße und wartet auf seinen Einsatz. Er soll Platz machen für einen neuen Campus des Technologiekonzerns Bosch. Das jetzige Firmengelände schräg gegenüber ist viel zu eng, um die autonome Elektromobilität weiterzuentwickeln.

Die 40 000 Quadratmeter, auf denen bis vor drei Jahren noch Sofas, Betten oder Küchen verkauft wurden, reicht allerdings nicht aus, um die Zukunft der selbstfahrenden Autos zu entwickeln. Da traf es sich gut, dass ein unmittelbarer Bosch-Nachbar, der Felgen-Veredler Fuchs, Ende des vergangenen Jahres die Produktion von Leonberg an den Stammsitz im Sauerland verlegte.

Der Grundstückseigentümer Peter Hörning, er war Chef des Vorgänger-Unternehmens Bothner und hatte sein Gelände vor zehn Jahren an Fuchs vermietet, bot seine Fläche den großen Nachbarn an. Und die griffen sofort zu.

„Idealer Standort“

„Diese 18 000 Quadratmeter große Fläche liegt ideal direkt neben unserem Hauptstandort“, sagt der für den Standort Leonberg zuständige Bosch-Sprecher Holger Scharf. „Dort werden wir einen neuen Empfangsbereich, eine Kantine, verschiedene Messflächen und ein Auditorium bauen.“ Dieser Saal ist für interne Treffen mit großer Beteiligung gedacht. „Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir die Stadthalle nicht mehr buchen.“ Bisher macht dort Bosch etliche Fortbildungen und andere Veranstaltungen.

Auf dem Gelände des Möbelhauses sind Büros, ein Kindergarten, und eine Tiefgarage geplant. Auch die eigene Bosch-Betriebskrankenkasse wird von der Brennerstraße in die Poststraße umziehen. „Es gibt keinen abgeschlossenen Bau“, verspricht Holger Scharf. „Das Untergeschoss wird als Foyer mit wechselnden Ausstellungen gestaltet. So ähnlich wie auch im Renninger Forschungszentrum.“ Das Unternehmen will damit Offenheit demonstrieren: „Hier können die Leonberger Bosch-Luft schnuppern.“

Kurze Wege zu den Öffis

Das Parkhaus bleibt bestehen und wird über einen Steg mit dem Gebäude verbunden, so wie es heute schon der Fall ist. „Wir werden das Parkhaus sanieren, wo es nötig ist“, sagt der Firmensprecher. Darüber hinaus will Bosch gemeinsam mit der Stadt ein Mobilitätskonzept entwickeln. „Hier sind wir allerdings noch in einem sehr frühen Diskussionsstadium“, sagt Scharf. „Ein wichtiges Ziel werden kurze Wege zur S-Bahn sein.“

Die Wohnhäuser in diesem Bereich der Poststraße und die Tankstelle sind von den Neubauten nicht berührt. Die Anwohner erhalten dieser Tage Post, in dem sie vom Unternehmen über den Abriss und die weiteren Pläne unterrichtet werden. Außerdem ist ein Infoabend vorgesehen.

Der Abriss ist bereits genehmigt. Um mit dem Neubau zu beginnen, muss Bosch noch eine Behördenrunde drehen. Am 5. Dezember befassen sich die Mitglieder des städtischen Planungsausschusses mit dem Bebauungsplan, zwölf Tage später steht er im Gemeinderat zur endgültigen Genehmigung an. Danach muss er noch 30 Tage öffentlich ausliegen. „Wir gehen davon aus, dass wir mit den Arbeiten im Februar beginnen können“, sagt Holger Scharf.

Platz für viele neue Mitarbeiter

Läuft alles nach Plan ist der Gesamtkomplex Mitte des Jahres 2023 bezugsfertig. Dann gibt es Platz für zusätzliche 1800 Mitarbeiter neben den 1750 Menschen, die jetzt schon in Leonberg arbeiten.

Der Unternehmenssprecher betont jedoch, dass die hinzukommenden Stellen nicht alle neu geschaffen werden. „Wir haben schon jetzt viele Kollegen, die eigentlich in Leonberg arbeiten sollten, aus Platzmangel nach Feuerbach, Schwieberdingen oder Weil im Dorf verlegt sind“, so Scharf. „Die kommen dann alle nach Leonberg“. Es werde aber auch Neueinstellungen geben. „Die Entwicklung der autonomen Mobilität ist ein dynamischer Prozess. Es gibt immer mehr Projekte.“

Leonberg ist für Bosch der weltweit wichtigste Standort, wenn es um selbstfahrende Systeme geht. Das Unternehmen klagt schon lange über die beengten Verhältnisse im Gelände zwischen Poststraße und Dieselstraße. Das frei werdende Möbelhaus-Gelände kam dem Management daher wie gerufen. Im Sommer des vergangenen Jahres kaufte Bosch das Hofmeister- Gelände, kurz danach die Fuchs-Flächen. Bosch verspricht eine luftige Architektur, die das Stadtbild bereichert.

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