Bildung in Leonberg 600 neue Tablets für Schüler

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Die Corona-bedingten Schulschließungen haben gezeigt: Beim digitalen Unterricht gibt es großen Nachholbedarf. Leonberg will nun weitere Tablets anschaffen. Foto: dpa/Martin Schutt

Leonberg - Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen haben es gezeigt: Die Bildung im Ländle hängt in Sachen Digitalisierung teilweise stark hinterher. Während einige Schulen im Altkreis Leonberg wie etwa das Gymnasium Rutesheim schon seit vielen Jahren mit Tablet-Klassensätzen und digitalen Tafeln arbeiten, ist digitaler Unterricht in Leonberg dagegen eher Ausnahme als Regel.

Zwar wurde der Digitalpakt Schule bereits im vergangenen Jahr aufgelegt. Doch der Abruf der Mittel lief bundesweit nur schleppend an. Die Corona-Krise hat nun unerwartet Bewegung reingebracht. Und dafür gesorgt, dass noch mehr Gelder bereitgestellt werden. Davon profitiert nun auch Leonberg, das für knapp 350 000 Euro noch in den Sommerferien 600 Tablets für die hiesigen Schulen anschaffen will. Dafür hat der Sozialausschuss des Gemeinderats am Mittwochabend einstimmig den Weg frei gemacht. Am Dienstag, 28. Juni, muss dann noch der Gemeinderat zustimmen. Sitzungsbeginn im Rathaus ist um 19 Uhr.

Die Zahl ergibt sich dabei aus der Förderhöhe. 65 Millionen Euro stellt der Bund für Baden-Württemberg im Digitalpakt Schule zur Verfügung, das Land selbst legt die gleiche Summe drauf. Diese Gelder werden nun über einen festgelegten Schlüssel über die Landkreise an die Kommunen verteilt. Die Höhe des Budgets hängt dabei von der Zahl der Schüler ab. In Leonberg sind dies derzeit etwas mehr als 4000. Daraus ergibt sich die Fördersumme von 350 000 Euro.

Davon sollen jetzt bis zu 600 Apple-Tablets samt Zubehör und Software angeschafft werden. „Das ist schon hochwertig“, kommentierte Jutta Metz (Freie Wähler) in der Ausschusssitzung. Bereits im vergangenen Jahr habe man 130 solcher Geräte für vier Schulen und eine entsprechende Software erworben: zehn für das Albert-Schweitzer-Gymnasium, 45 für das Johannes-Kepler-Gymnasium, 30 für die Mörikeschule und 45 Tablets für die Gerhart-Hauptmann-Realschule. Letztere erhielt zudem zehn Apple-TV-Geräte. Man wolle beim gleichen System bleiben, erklärte Birgit Schurr. Sie bearbeitet seit knapp zwei Jahren in der Leonberger Stadtverwaltung des Thema Digitalisierung der Schulen, das vom schnellen Internetanschluss bis zur Schulung der Lehrkräfte reicht.

Verfügbarkeit könnte zum Problem werden

„Stehen überhaupt genug Geräte zur Verfügung, wenn jetzt alle Schulen auf einmal bestellen?“, fragte Sebastian Werbke (Grüne). Das sei in der Tat ein Problem. „Über die Verfügbarkeit am Markt mache ich mir auch Sorgen. Aber wir sind noch relativ früh dran, wenn wir die Tablets jetzt bestellen“, sagte Schurr. Falls der Preis steige, könne man entsprechend nur weniger Geräte anschaffen.

Die Schulen drängten darauf, die Tablets schon zum Schuljahresbeginn einsetzen zu können. Doch nicht nur bei der Bestellung spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Denn die 600 Geräte müssen noch eingerichtet und die Lehrkräfte in der Handhabung geschult werden. In beiden Fällen sei man noch in der Abstimmung. „Man könnte das Konfigurieren der Geräte an einen externen Dienstleister vergeben. Die Aufgabe würde sich aber auch wunderbar eignen, um studentische Aushilfen für einen oder zwei Monate zu beschäftigen“, erklärte Birgit Schurr.

Beim Anbieter der Management-Software habe man zudem schon Schulungen angemeldet. Ein bis zwei Lehrkräfte je Schule sollen daran teilnehmen und dann das Wissen an ihre Kollegen weitergeben. Auch den Grundschulen sollen die Geräte zur Verfügung stehen. Die Kosten dafür, aber auch für den weiteren Betrieb und die Wartung, setzt die Stadt mit rund 50 000 Euro in diesem und dem kommenden Jahr an. Gefördert wird lediglich der Tablet-Kauf.

W-Lan ist ein Thema

Wer letztlich die Geräte nutzen darf, das solle jede Schule selbst bestimmen. „Wir werden dazu aber noch intern erarbeiten, welche Kriterien dabei anzusetzen sind“, versicherte Schurr. Das Thema soziale Gerechtigkeit spiele dabei aber eine besondere Rolle, betonte die städtische Mitarbeiterin. An dieser Stelle hakte Elviera Schüller-Tietze (SPD) ein. „Wir gehen davon aus, dass alle daheim W-Lan haben. Aber ist das so? Und was ist, wenn dem nicht so ist?“, fragte die frühere Schulsozialarbeiterin.

„W-Lan ist ein Thema“, sagte Birgit Schurr dazu. Ein W-Lan-Angebot in den Schulen werde über das Programm nicht gefördert. Der Bund führe da anscheinend Verhandlungen mit den großen Telekommunikationsanbietern. Aber bis da etwas spruchreif sei, müssen man sich was einfallen lassen. „Wir haben zum Beispiel überlegt, auf den Schulhöfen W-Lan-Inseln einzurichten.“ Auch im Fall erneuter Corona-bedingter Schulschließungen könnten Schüler das Internet so zumindest kurzzeitig nutzen.

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