Berühmter Weil der Städter hat Todestag Dank Johannes Brenz gibt es die Schulpflicht

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Aus Acrystal besteht der Johannes Brenz, den die Warmbronner Künstlerin Birgit Feil 2017 geschaffen hat. Er steht neben der Brenzkirche. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Ein junger Mann von 18 Jahren war Johannes Brenz, als er von dem Streitgespräch in Heidelberg hört, bei dem der 34-jährige Martin Luther mit fünf Doktoren über seine Thesen diskutiert. Diese Heidelberger Disputation am 26. April 1518 gilt als Anfang der Reformation in Südwestdeutschland. Und Johannes Brenz, seit vier Jahren schon Theologiestudent in Heidelberg, ist mittendrin. Mit Freunden sucht Brenz Luther am nächsten Tag zu weiteren Gesprächen auf – der Beginn einer lebenslangen Zusammenarbeit.

Bis Johannes Brenz zu „Luthers Mann in Süddeutschland“ (so der Münsteraner Luther-Forscher Martin Brecht) wurde, dauerte es aber noch. In Weil der Stadt ist Brenz am 24. Juni 1499 zur Welt gekommen. Das ist noch heute auf Brenz’s Grabdenkmal in der Stuttgarter Stiftskirche nachzulesen: „Gott dem Besten, Höchsten geweiht: Johannes Brenz von schwäbischem Stamme, beheimatet in Weil (der Stadt), hochberühmter Theologe, Propst in Stuttgart.“

Herkunft aus freier Reichsstadt

Seine Herkunft aus einer angesehenen Familie aus der freien Reichsstadt Weil der Stadt hat ihn spürbar geprägt. Es war eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, als Johannes Brenz als 15-Jähriger sein Studium in Heidelberg aufnahm. Wie viele seiner Kommilitonen hoffte auch er auf eine Reform der Kirche.

Nach seiner Magister-Prüfung hielt Brenz Vorlesungen über biblische Bücher und machte als Vikar mit seinen Bibelauslegungen und seinen Predigten auf sich aufmerksam, wegen der Verbreitung lutherischer Lehren zugleich auch verdächtig. Im Mai 1523 feierte er in der Weil der Städter Kirche St. Peter seine erste Abendmahlsfeier als junger, katholischer Priester. Daran hat auch ein Vertreter aus Schwäbisch Hall teilgenommen, denn diese Stadt hatte ihn bereits zum Prediger an die dortige Kirche berufen. Der Stadtrat dieser Freien Reichsstadt wusste also sehr wohl, wen man mit Johannes Brenz gewonnen hatte. Durch ihn wurde Schwäbisch Hall ein Modell einer reichsstädtischen Reformation. Wie wichtig Johannes Brenz in den Anfängen der Reformation für die Theologie und für die Neuordnung der evangelischen Kirche damit wird, ist in der Forschung zwar unbestritten, obwohl das Gewicht seiner Beiträge – so scheint mir – heute oftmals unterschätzt wird.

Behutsam leitete Brenz seine Reformbemühungen in Schwäbisch Hall ein. Als Weil der Städter Schultheißensohn wusste er, dass er nur mit dem Rat der Stadt zusammen die Bürgerschaft gewinnen konnte. Durch Überzeugung, nicht mit Gewalt, wollte er Veränderungen erreichen. Seine reformatorischen Predigten trugen erheblich dazu bei.

Auch Mädchen sollen in die Schule

Der Schul- und Bildungsauftrag hatte für Brenz höchste Priorität. Den Eltern und dem Rat von Schwäbisch Hall hielt er ihre hohe Verantwortung dafür vor: Die Jugend sei der höchste Schatz einer Bürgerschaft. Man lasse sich die Stadtbefestigung viel Mühe und Geld kosten, aber das reiche nicht. Die Jungen seien die besten zukünftigen Mauern einer Stadt. Seiner Zeit weit voraus, forderte er vom Rat Schulunterricht auch für Mädchen. „Die Heilige Schrift gehört ja nit den Mannen zu allein, sie gehört auch den Weibern, da auf sie mit den Mannen der gleiche Himmel und ewig Leben wartet.“

Der Grundsatz, dass die Kirche immer wieder erneuert werden muss, stand stets im Zentrum des Denkens von Johannes Brenz. Wenn die Kirche ihren Auftrag ernst nehmen wolle, müsse sie neue Wege wagen. Das galt für ihn erst recht, als Kaiser Karl V. alles daran setzte, die Einheit der abendländischen Christenheit unter dem Papst zu erhalten. Ein Höhepunkt in diesem Kampf war für ihn der Augsburger Reichstag 1530, auf dem die Protestanten das Augsburger Bekenntnis vorlegten, das noch heute zu den Glaubensgrundlagen der evangelischen Kirche gehört. Philipp Melanchthon, der anstelle von Luther die protestantische Seite vertrat, wurde dabei maßgeblich von Johannes Brenz unterstützt. Bei Brenz wären „Verständlichkeit, Rat und Tat beieinander“, lobte dieser.

Wichtigster Theologe in Württemberg

Der württembergische Herzog Christoph erfuhr von dieser theologischen Kompetenz und ernannte Johannes Benz 1553 zum Stiftspropst an der Stuttgarter Stiftskirche und damit zum wichtigsten Theologen des Landes. Brenz wird zum Architekten der evangelischen Kirche in Württemberg. 1556 verfasst er die „Württembergische Klosterordnung“, die die obsolet gewordenen Klöster – etwa in Alpirsbach, Bebenhausen, Blaubeuren oder Maulbronn – auflöst und durch Schulen ersetzt, die es zum Beispiel in Blaubeuren heute noch gibt. 1559 schreibt er die „Große Kirchenordnung“. Die wohl wichtigste ­Innovation sind die Partikularschulen, die darin vorgeschrieben werden. Vorher konnten allenfalls Kinder reicher Eltern die Schule besuchen, jetzt gibt es die „Schule für alle“ – auch für Mädchen. Damit hatte Württemberg die Schulpflicht 200 Jahre früher als zum Beispiel Bayern.

Nach einem intensiven, reich gesegneten Leben starb Johannes Brenz am 11. September 1570, heute vor 450 Jahren.

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