Menschen mit Behinderung Schwer-in-Ordnung-Ausweis startet

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Die neuen Ausweise sind vor allem für Kinder bestimmt, die auf Grund einer Behinderung Lernprobleme haben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Böblingen - Utz Mörbe macht einen zufriedenen Eindruck. „Ich freue mich, dass der Landkreis Böblingen an einer Verbesserung für die Menschen mit Behinderung arbeitet“, sagt der Vorsitzende des Teilhabe-Beirats des Landkreises Böblingen. Für ihn und die Mitwirkenden in dem Gremium fängt das schon damit an, dass das Versorgungsamt Böblingen nun ein Signal setzen möchte und die Idee mit der „Schwer-in-Ordnung“- Ausweishülle aufgegriffen hat. Das erste Exemplar konnte jüngst Utz Mörbe über seinen Schwerbehindertenausweis streifen. Die Bezeichnung „schwer in Ordnung“ helfe dabei, das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu steigern, erklärte Mörbe.

Kinder und Jugendliche sind die Zielgruppe

Nachdem der Rems-Murr-Kreis den Ausweis bereits im vergangenen Jahr eingeführt hatte, war der Leiter des Böblinger Versorgungsamts, Michael Rak, auf die dortige Behörde zugegangen und hat sich über die Neuerung informiert. Daraufhin schlug er dem Teilhabe-Beirat vor, die Hülle auch im Landkreis Böblingen bereitzuhalten. Laut Reinhard Hackl, dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen im Kreis Böblingen, hat der Teilhabe-Beirat das Angebot einstimmig für gutgeheißen. Von dieser Woche an nimmt das Böblinger Versorgungsamt, das seinen Sitz in Stuttgart hat und auch für die Landeshauptstadt zuständig ist, die Anfragen für den Schwer-in-Ordnung-Ausweis entgegen. 1500 Exemplare seien gedruckt worden, sagt Hackl. Im Landkreis Böblingen gebe es zwar 23 600 behinderte Menschen, doch seien in erster Linie junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder die Zielgruppe, die auf Grund einer Behinderung Lernprobleme hätten. „Ihnen kommt es wohl am meisten auf das ,Schwer in Ordnung’ an“, sagt Reinhard Hackl.

Deshalb geht der Behindertenbeauftragte davon aus, dass besonders die derzeit 666 Kinder und Jugendlichen in den sonderpädagogischen Einrichtungen Interesse an einer solchen Ausweishülle haben. Selbstverständlich kann sich aber auch jeder andere mit einem Schwerbehindertenausweis dieses Utensil besorgen. Das gelte im übrigen demnächst auch für behinderte Menschen aus der Landeshauptstadt, die sich an das Böblinger Versorgungsamt in Stuttgart wenden. Wenn die 1500 Exemplare nicht ausreichen, sollen weitere gedruckt werden. Der Kostenaufwand ist gering. 1110 Euro kostete die erste Marge.

„Behindert“ – ein Schimpfwort

Die erste „Schwer-in-Ordnung“-Ausweishülle im Kreis Böblingen überreichte der Landrat Roland Bernhard. „Damit erfüllt sich ein häufig geäußerter Wunsch. Denn viele Betroffene fühlen sich mit dem Schwerbehindertenausweis ausgegrenzt“, sagt der Landrat. Laut Hackl sind der Kreis Böblingen und der Rems-Murr-Kreis bisher die einzigen in der Region Stuttgart, möglicherweise sogar im ganzen Land, die sich an der Aktion beteiligten. Bisher machen Versorgungsämter in anderen Bundesländern wie in Rheinland-Pfalz mit.

„Behindert“ sei ein Schimpfwort, hatten die Schüler einer Klasse aus Stetten (Rems-Murr-Kreis) Rems erklärt, die in der Theodor-Dierlamm-Schule unterrichtet werden. Sie gehört zu einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten geistige, körperliche sowie motorische Entwicklung unter dem Dach der Diakonie Stetten. Der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Richard Sigel, zeigte sich beeindruckt: „Ich finde es bemerkenswert, dass junge Menschen, auch wenn sie Einschränkungen haben, auf sich aufmerksam machen.“ Im Rems-Murr-Kreis wird die Aktion ebenfalls besonders für Kinder und Jugendliche angeboten. Dort sind 2500 Hüllen gedruckt und binnen eines knappen Jahres 600 verteilt worden.

Idee in KIDS Aktuell publiziert

Die Idee für die Hülle hatte eine 14 Jahre alte Schülerin im holsteinischen Pinneberg im Jahr 2017. In einer Ausgabe des Hamburger Magazins „KIDS Aktuell“ schlug sie vor, den Schwerbehindertenausweis in „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ umzubenennen. Sie präsentierte zudem ein Foto einer entsprechend beschrifteten Ausweishülle, die sie mit einer Lehrerin angefertigt hatte. Die Sache wurde durch die sozialen Medien bekannt und ging anschließend durch die bundesdeutsche Presse.

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