Baustelle Grabenstraße Nach Insolvenzverfahren geht’s weiter

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Lange ist beim Wohnprojekt Grabenstraße nichts passiert. Jetzt hat ein Generalunternehmen alles in die Hand genommen Foto: /Jürgen Bach

Leonberg - Es tut sich endlich wieder etwas auf der Baustelle in der Leonberger Grabenstraße, nahe der Kreuzung zur Stuttgarter Straße. Dort, wo einst das ehemalige Kino stand. Vor dem Gebäude stapelt sich Baumaterial, die Fassade auf der Rückseite in der schmalen Gasse „Im Zwinger“ ist mit einem Gerüst umhüllt. Ein Möglinger Unternehmen kümmert sich an dieser Stelle um die Dämmung des Gebäudes, bevor es dann auch hier verputzt wird.

Aus dem Einzug 2017 wird nichts

Insgesamt zehn Eigentumswohnungen, die die Postanschrift „Im Zwinger 11“ haben werden, warteten eine gefühlte Ewigkeit darauf, fertiggestellt zu werden. Seit dem Jahr 2019 herrschte auf dem Areal Stillstand. Um die künftige Einheit, die aus zwei durch Stege verbundenen Mehrfamilienhäusern mit einem gemeinsamen Innenhof besteht, standen Bauzäune und es türmte sich überall der Müll. Das Dämmmaterial an der Fassade war bereits beschädigt. An der vorderen Front in der Grabenstraße hing an einer an die Wand gelehnten Absperrung kopfüber und lustlos das Werbebanner des ehemaligen Bauträgers WMC Objektbau aus Korb. Dessen ursprünglicher Plan war es gewesen, dass die Eigentümer, die diese Wohnungen bereits gekauft oder finanziert hatten, im dritten Quartal 2017 einziehen. Doch bis heute wohnt niemand dort.

Der letzte Eintrag von WMC Objektbau im Handelsregister ist auf das Jahr 2019 datiert: Durch einen Beschluss des Amtsgerichts Stuttgart vom 31. Oktober 2019 wurde über das Vermögen der Gesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet. Einige WMC-Projekte, wie beispielsweise in Korb, wurden an die MIM Planen und Bauen GmbH in Stuttgart abgegeben. Das allerdings erst nach einem Rechtsstreit der Gesellschafter von MIM und WMC. „Mit dem Gebäude in der Leonberger Grabenstraße hat die MIM aber gar nichts zu tun“, sagt deren Pressebeauftragter, Hubert Grosser.

„Es haben noch vier Wochen gefehlt“

Heinz-Jürgen Winkelhock war Geschäftsführer der WMC und sollte das Projekt ursprünglich umsetzen. Doch dann konnte er die fälligen liquiden Mittel nicht mehr aufbringen. Heute sagt er: „Es hätte noch vier Wochen gedauert, dann wären alle Wohnungen fertig gewesen.“ In manchen seien die Maler schon drin gewesen, gefehlt hätten noch die Bodenbeläge, die Bäder, die Heizung sowie die Treppen im Treppenhaus. Winkelhock selbst wurde im Oktober 2018 als Geschäftsführer abgesetzt. Das hatte Bruno Kurath, der Geschäftsführer der Imofin UB GmbH mit Sitz in der Schweiz – zum damaligen Zeitpunkt die WMC-Muttergesellschaft – per Gesellschafterbeschluss veranlasst.

Probleme von Beginn an

So richtig nach dem Zeitplan lief das Projekt an der Grabenstraße von Beginn an nicht. Im Sommer 2016 hatte die Baufirma Acar Bau das ehemalige Kino bis auf den Gewölbekeller abgerissen. Sie hatte Platz geschaffen für zwei Mehrfamilienhäuser bis zur Gasse „Im Zwinger“. Zehn Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern und einer Wohnfläche von 68 bis 134 Quadratmetern hatte Ilzhöfer Immobilien in der folgenden Zeit verkauft. Anfang Februar 2016 wollte der Bauherr WMC loslegen, wurde dann zunächst vom Leonberger Pferdemarkt ausgebremst, da der traditionelle Umzug durch die Grabenstraße führt. Die notwendige Aufstellfläche für die Baustelle – insgesamt sechs Meter breit und 16 Meter lang – wäre hinderlich gewesen und wurde später errichtet.

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Hierfür wurde der Gehweg, der Fahrstreifen für die Radfahrer und ein Teil der Fahrbahn mit einbezogen, was lange Zeit für nervige Staus sorgte. Der Abriss hatte sich dann verzögert, weil wegen der sensiblen Lage kein schweres Gerät eingesetzt werden konnte. Da der denkmalgeschützte Keller unter dem ehemaligen Kino erhalten werden sollte, musste alles von Hand abgetragen. Die Verbindung des Kellers mit dem Neubau stellte sich als eine neue Herausforderung dar, die eine neue Planung mit zeitintensiven Genehmigungen seitens des Denkmalschutzes nach sich zog. Die Verkehrsbeeinträchtigungen in der Grabenstraße dauerten an. Schließlich wurde der Kran im Juni 2017 abgebaut, die Materialzulieferung erfolgte über die Straße „Im Zwinger“. Zu dem Zeitpunkt war die WMC noch davon ausgegangen, dass die Eigentümer im dritten Quartal 2017 in ihre Wohnungen einziehen können.

Wie geht es jetzt weiter?

Das WMC-Insolvenzverfahren wurde Anfang 2021 abgeschlossen. Bis dahin waren den Eigentümern, die bereits eine mehrjährige Odyssee hinter sich haben, die Hände gebunden. Jetzt konnten sie endlich den nächsten Schritt gehen. Sie beauftragten das Generalunternehmen B&B Systembau aus Fellbach, das wiederum die noch notwendigen Arbeiten an der Fassade und rund um das Gebäude vergibt. Sind diese Aufgaben erledigt, werden die Wohnungen fertiggestellt.

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