Baustelle Flugfeldklinik Arbeitsplatz mit sagenhaftem Ausblick

Von Gerlinde Wicke-Naber
Der Blick aus dem Cockpit des Kranführers: Unten wuseln die Kollegen unter der sengenden Sonne. Foto: Eibner-Pressefoto/Oliver Schmidt

Birot Bektas arbeitet an höchster Stelle. 74 Meter hoch liegt sein Arbeitsplatz. Weit über allem Gewusel unter ihm thront der 35-Jährige im Führerhaus des höchsten Krans auf dem Flugfeld. Dort befindet sich die weit und breit größte Baustelle im Umkreis: 50 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, die Baustelle 230 Meter lang, 140 Meter breit. Gebaut wird ein neues Krankenhaus für die beiden Städte mit 700 Betten auf 22 Stationen und 13 OP-Sälen.

Der Ausblick aus dem Führerhaus des Krans ist sagenhaft, reicht weit über Sindelfingen auf der einen und Böblingen auf der anderen Seite. Aber recht einsam ist es. „Ich klettere morgens hoch und abends runter“, sagt Birot Bektas. Die Kommunikation mit den Kollegen läuft dann nur über Funk, Handy und optische Zeichen. Und wenn er mal muss, muss eine Flasche genügen.

Der höchste Kran misst 74 Meter

Sieben Kräne stehen aktuell auf der Großbaustelle, zwischen 34 und 74 Meter sind sie hoch. „Fünf Oberdreher und zwei Unterdreher“, sagt Peter Beddies. Er ist einer von zwei Bauleitern. Oberdreher sind die Kräne, wo der Kranführer oben sitzt. Unterdreher werden von unten aus gesteuert, zumeist per Funk von außerhalb.

Aktuell trägt Peter Beddies die Verantwortung für 200 Bauarbeiter, im Endstadium werden bis zu 500 Leute dort werkeln. Noch sind die Rohbauarbeiten voll im Gang. Stockwerk für Stockwerk der Klinik werden hochgezogen: zunächst mit Stahlgittern, die dann mit Beton aufgefüllt werden. Für den Transport der Stahlträger, der Decken und Platten sind Birot Bektas und seine Kranführerkollegen der anderen Kräne zuständig.

Alles ist perfekt organisiert. Der Beton wird auf der Baustelle gemischt. „So sparen wir die An- und Abfahrt von vielen Lastwagen“, sagt Beddies. Das bedeutet weniger Störungen für die Nachbarn und kein langes Warten auf Material, wenn es mal wieder Stau auf der Autobahn gibt. 76 000 Kubikmeter Stahlbeton und 13 000 Tonnen Betonstahl werden für den Rohbau gebraucht.

Der Beton wird erst auf der Baustelle gemischt

Peter Beddies ist ein erfahrener Bauleiter, angestellt beim Unternehmen Leonhard Weiss. Anderthalb Jahre lang hat Beddies mit seiner Truppe den Rohbau der neuen Klinik am Eichert in Göppingen hochgezogen. Dann zog der gesamte Tross weiter nach Böblingen. „Das ist ein Glücksfall für uns“, sagt Harald Schäfer, der Projektleiter des Klinikverbunds Südwest für den Klinikbau. „Die Arbeiten hier sind sehr ähnlich.“ Mit dabei in Göppingen war als Subunternehmer auch bereits die türkische Firma Emre, bei der Birot Bektas angestellt ist. „Mit denen arbeiten wir sehr gut zusammen“, sagt Beddies.

Acht Monate Arbeiten und Leben auf der Baustelle

„Acht Monate Arbeiten, dann habe ich drei Monate frei und fahre nach Hause zu meiner Familie in die Türkei. Ich habe zwei Söhne, sechs und neun Jahre alt“, erzählt der Kranführer in gebrochenem Deutsch. Zeit und Gelegenheit, die Sprache zu erlernen, hat er nicht. Tagsüber sitzt er einsam in seiner Führerkanzel, abends geht er ein paar Meter zu seiner Unterkunft im Baucontainer. Dort wohnen vor allem die Arbeiter des türkischen Subunternehmers und ein paar polnische Kollegen. Keine Gelegenheit zum Deutsch sprechen. Hocherfreut ist der türkische Kranführer über die Abwechslung durch den Besuch der Reporter. Über ihre Anstrengungen beim Aufstieg der 212 Kransprossen kann er nur müde lächeln. Für ihn ist das tägliche Routine. Dafür kann er es sich bei der momentanen Hitze gemütlich machen, tauscht in seinem Cockpit die schweren Arbeitsschuhe gegen Badeschlappen aus. Luftig ist es hier oben, viel besser als unten, wo seine Kollegen unter der sengenden Sonne schwitzen müssen.

Gearbeitet wird auch bei starkem Wind und Regen

Doch der Bauleiter Beddies sorgt für Abkühlung. Wasser und andere Getränke stehen zur Verfügung. „Und ich sage den Firmen, dass sie zwischendurch die Leute mal nach innen schicken sollen“, sagt Beddies. In den Innenräumen ist es angenehm kühl. Gearbeitet wird auch bei Regen und Kälte. Von starkem Wind lassen sich die Arbeiter ebenfalls nicht beeindrucken. „Nur bei richtigem Sturm oder sehr starkem Regen machen wir mal eine Pause“, sagt Beddies. Auch Projektleiter Harald Schäfer fühlt sich auf der Baustelle zu Hause. „Hier sind wir in der Umkleide für die Pfleger“, sagt er beim Rundgang durch den Rohbau. „Dort entsteht der Tunnel, der unterirdisch zum Verwaltungsgebäude führt“,zeigt er von oben. Schäfer wird auch da sein, wenn Beddies und Bektas längst weitergezogen sind.

Dann geht es auf dem Flugfeld an den Innenausbau, für den andere Firmen zuständig sind. Vier Jahre sind für den Bau geplant. 2025 soll die Klinik in Betrieb gehen. Wo der Kranführer Birot Bektas dann arbeitet, weiß er noch nicht. Im Moment ist er zufrieden mit seinem Job: „Gute Arbeit hier und gute Bezahlung.“

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