Bauprojekt in Rutesheim Ein Wohngebiet mit Leben füllen

Von Nathalie Mainka
In Rutesheim sollen zwischen der Robert-Bosch-Straße und der Römerstraße bis zu 235 Wohnungen entstehen. Foto: Simon Granville

Wenn alles nach Plan läuft, könnte in Rutesheim auf dem ehemaligen etwa 2,7 Hektar großen Bosch-Areals zwischen der Robert-Bosch-Straße und der Römerstraße etwa in einem Jahr so langsam Bewegung ins Spiel kommen. „Wir hoffen, dass wir dann mit der Erschließung des Neubaugebiets starten können“, sagt die parteilose Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier.

2019 hatte der Automobilzulieferer den Standort geschlossen und die Gebäude abgerissen. Auf der Brachfläche, wo einst etwa 750 Mitarbeiter tätig waren, will nun die Stadt, die das Gelände erworben hat, im nördlichen Teil der Robert-Bosch-Straße sowie die Bosch Wohnungsgesellschaft im südlichen Teil ein nachhaltiges Quartier und auch geförderten Wohnraum schaffen.

Platz für Kindergartengruppen

Aktuell geht man von rund 235 Wohneinheiten aus, die in dieser Lage entstehen sollen. Auch auf dem ehemaligen Parkplatz geht ein Teil des Geländes in städtische Hand. An der Ecke Bahnhofstraße/ Stauffenbergstraße ist irgendwann in der Zukunft ein Haus für fünf Kindergartengruppen und bis zu zehn weitere Wohnungen geplant.

In der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause stellte Manfred Mezger, der Geschäftsführer des beauftragten Planungsbüros „mquadrat“ aus Bad Boll, den Vorentwurf des Bebauungsplans vor, den die Gemeinderäte einstimmig bewilligten. Grundlage für diesen war der Siegerentwurf einer Mehrfachbeauftragung, der in den vergangenen Monaten weiter ausgearbeitet wurde. Demnach sollen auf dem ehemaligen Bosch-Areal künftig vorwiegend Wohnungen in mehrstöckiger Bauweise entstehen. Das höchste und massivste Gebäude über fünf Stockwerke soll an der Ecke Bahnhofsstraße/ Robert-Bosch-Straße errichtet werden. Richtung Westen zur bereits bestehenden Bebauung werden die Gebäude flacher sein. Dort könnten auch einige Reihenhäuser für künftige Immobilienbesitzer interessant sein. „Angesichts der Wohnungsknappheit wollen wir keine frei stehenden Einfamilienhäuser, das kann man sich heutzutage fast nicht mehr leisten“, sagt die Rathauschefin. Die Baufenster sind definiert, doch sollen später unterschiedliche Investoren mit ihren eigenen Ideen zum Zuge kommen. „Der Wunsch der Planer war es, dieses Quartier nicht einheitlich aussehen zu lassen.“

Parkmöglichkeiten in Tiefgaragen

Damit das Wohngebiet nicht durch abgestellte Autos dominiert wird, sind Garagen oder Stellplätze nur in eingeschränktem Umfang zulässig. Parkmöglichkeiten werden in Tiefgaragen der jeweiligen Quartiere geschaffen.

Ein komplett autofreies Wohngebiet hätte sich die Grün-Alternative Bürgerliste gewünscht. „Davon ist schon bei den Bürgerbeteiligungen die Rede gewesen, diese Meinung unterstützen wir ausdrücklich“, sagt der Fraktionsvorsitzende Fritz Schlicher im Namen seiner Partei und zeigt sich in diesem Punkt nicht ganz einverstanden mit den Planungen. „Da sind schon deutliche Abstriche zu sehen.“ Zudem befürchtet er zu viel Verkehr bei entsprechend vielen Zufahrten in die Tiefgaragen. Die Rathauschefin verweist darauf, dass der Bebauungsplan-Vorentwurf noch viele Möglichkeiten und Ideen offen lasse und Stand jetzt noch nichts in Stein gemeißelt sei. Fakt ist, dass alle künftigen Verkehrswege zu einem zentralen Quartiersplatz mit Hof-Charakter führen sollen. „Wir wollen Leben im neuen Wohngebiet haben“, sagt der Stadtplaner Manfred Mezger. Gewünscht seien Läden, Gaststätten, Cafés oder auch ein Ärztehaus.

Durchgangsverkehr sei allerdings nicht erwünscht. Dementsprechend werden auch die Zufahrtswege geplant. Sind alle Entwürfe von den Behörden genehmigt und haben auch die Rutesheimer Bürger die Möglichkeit bekommen, diese einzusehen, wird der Gemeinderat den Bebauungsplan endgültig beschließen. Parallel dazu kümmert sich das Stuttgarter Ingenieurbüro Klinger und Partner um die Erschließungsplanung. Dann schließlich erfolgt die Ausschreibung für mögliche Investoren. Wenn alles nach Plan läuft, könnten in einem Jahr die ersten Baumaschinen anrücken.

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