Barbara Schäfer Kinder lagen ihr stets am Herzen

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In Zukunft verbringt Barbara Schäfer mehr Zeit in der Natur Foto: /Simon Granville

Renningen - „Ja, die Renninger sind mir schon ans Herz gewachsen.“ Barbara Schäfer, den Renninger Bücherfreunden schon lange wohl bekannt, hat die Rankbachstadt mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. 20 Jahre lang hat sie die Geschicke der Renninger Bücher- und Medienausleihe gelenkt, das Mausern von der liebevoll geführten, aber in die Jahre gekommenen Stadtbücherei zur imposanten Mediathek mitgestaltet und diese genauso engagiert geleitet, wie vormals die kleinere Bücherstube.

Doch obwohl die Bibliothekarin schon von klein auf alles gelesen hat, was ihr in die Hände fiel, entschied sie sich nach dem Abitur zunächst für eine Ausbildung in der Gastronomie. „Ich habe schon immer gerne angepackt und mit den Händen gearbeitet“ plaudert sie aus dem Nähkästchen, „auch eine Schreinerlehre hätte ich mir vorstellen können.“ Obwohl ihr schnell klar war, dass die Ausbildung nicht ihrem Traumberuf entsprach, hat sie sie durchgezogen. Den Abschluss in der Tasche zu haben, das war ihr wichtig.

„Das ist es, hier bin ich richtig“

Dann erinnerte sie sich an den Bücherbus in ihrem Heimatort und mit welcher Freude sie jede Woche mit einem neuen Bücherpaket nach Hause kam. Sie bewarb sich an der Fachhochschule für Bibliothekswesen – die heute in der Hochschule für Medien aufgegangen ist – und stellte sofort fest: „Das ist es, hier bin ich richtig.“

Zehn Jahre lang arbeitete die Wahl-Stuttgarterin in der Marbacher Stadtbücherei, schnell als stellvertretende Leitung. Dann wollte sie mehr Verantwortung und bewarb sich in Renningen für die Leitung der Stadtbücherei. Diese war zuvor zwar gut von Verwaltungsangestellten geleitet worden, doch ohne eine Bibliothekarsfachkraft wäre der Weg in die Moderne nicht möglich gewesen.

„Ich war sehr froh und auch dankbar für die Chance, die ich in Renningen bekommen habe“, erinnert sich Barbara Schäfer, und sie machte sich gleich mit Feuereifer an ihre erste große Aufgabe: Die Umstellung der bis dahin auf althergebrachte Weise händisch geführten Bücherei zum EDV-gestützten Lesetempel. Das damals schon sechsköpfige Team hat die junge Führungskraft dabei tatkräftig unterstützt.

Noch heute ist die Begeisterung spürbar

Zwar hatte die Zukunft jetzt Einzug gehalten, doch die Büchereiräume wurden mehr und mehr sanierungsbedürftig. Noch dazu brauchte die Schule mehr Platz, und die Stadt tat einen weiteren Schritt in die Zukunft: „Ich konnte es kaum fassen, als der Gemeinderat beschloss, ein neues Gebäude zu bauen.“ Noch heute schwingt die Begeisterung darüber in ihrer Stimme mit. „Ich hatte mit neuen Teppichen und mehr Regalen gerechnet, aber nicht mit einer neuen Mediathek“, sagt sie und lacht.

Wieder hat sie sich mit Feuereifer an die Arbeit gemacht, seit 2012 alle Schritte begleitet, Ideen einfließen lassen und Nutzerumfragen gestartet, damit bedarfsgerecht gebaut werden konnte. 2016 ist das Schmuckstück eröffnet worden, und die sprunghaft gestiegenen Nutzerzahlen haben die städtische Entscheidung für die neue Mediathek klar bestätigt.

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Trotz der Leitungsaufgaben hat Barbara Schäfer immer Zeit für ihre Herzensanliegen gefunden. Kinder bei den ersten Leseversuchen zu begleiten, sah sie schon immer als wichtige Aufgabe. Sie hat Kooperationen mit den Grundschulen, um vor allem auch Kinder aus bildungsfernen Familien früh die Freude am Lesen entdecken lassen, Vorlesestunden, auch zweisprachig, und kindgerechte Führungen durch die „heiligen Hallen“ organisiert.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr die Lesung mit dem Schriftsteller Boris Pfeiffer, einem der Autoren der Kinderbuchreihe „Die drei ???“. Er hat es durch seine offene und den Kindern gegenüber wertschätzende Art spielend geschafft, Drittklässler geschlagene 90 Minuten lang zu fesseln.

An ihrem Beruf liebt sie die Vielseitigkeit

„Und noch eine einmalige Veranstaltungsreihe werde ich nicht vergessen“, sagt die Mittfünfzigerin, nämlich die der „Living Library“. „Die Idee stammt aus Skandinavien, wie viele innovative Ideen im Bibliothekswesen“, erzählt Barbara Schäfer. Dabei ging es um besondere Geschichten über das nicht alltägliche Leben von Menschen mitten unter uns.

Interessierte Bibliotheksgänger konnten Termine mit beispielsweise einem VfB-Torhüter, einer Tierschützerin, einem Verkäufer der Obdachlosenzeitung Trott-war oder einer Muslima buchen und sich eine halbe Stunde mit diesen unterhalten. Ein voller Erfolg – vor allem junge Menschen haben dieses Angebot begeistert genutzt. An ihrem Beruf liebt Barbara Schäfer genau das: die Vielseitigkeit und den Kontakt sowohl mit jungen als auch älteren Menschen. Trotzdem war für sie die Zeit reif, etwas anderes zu machen.

Doch bevor sie sich neuen Aufgaben widmet, genießt sie ihre freie Zeit. „Ich habe jetzt die Muße, viel nach draußen zu gehen, lange Spaziergänge zu machen, mich mit Freunden zu treffen. Oder auch nur auf den Markt einkaufen zu gehen und leckere Sachen zu kochen.“ Einfache Dinge, die sie jetzt ganz bewusst genießen kann, bevor sie die nächste Etappe im Berufsleben startet.

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