Autobauer plant hohe Investitionen Porsche bleibt trotz Corona zuversichtlich

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Für die nächsten zwei Wochen müssen rund 10 000 Porsche-Mitarbeiter aus der Produktion zuhause bleiben. Die Arbeit in Zuffenhausen und Leipzig ruht. Das Bild aus dem Februar zeigt Mitarbeiter in Zuffenhausen, die einen 911er montieren. Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart - Der Autobauer Porsche demons­triert trotz Corona-Krise Zuversicht, dämpft jedoch angesichts der Herausforderungen, die auf das Unternehmen noch zukommen könnten, zugleich die Erwartungen. „Wir sind sehr gut aufgestellt für eine Krise“, sagte Finanzvorstand und Vizechef Lutz Meschke in einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Bilanz für das vergangene Jahr. Meschke wies darauf hin, dass der Sportwagenhersteller im vergangenen Jahr die Fahrt von Rekord zu Rekord fortgesetzt habe und über ein gutes Liquiditätspolster verfüge.

Porsche hat den Absatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf die Bestmarke von 280 800 Autos gesteigert, der Umsatz stieg um elf Prozent auf den Spitzenwert von 28,5 Milliarden Euro, und auch die operative Umsatzrendite war mit 15,4 Prozent so gut wie noch nie – allerdings nur, wenn man die Belastung durch Altlasten des Abgasskandals als „Sondereinfluss“ ausklammert. Porsche akzeptierte 2019 einen Bußgeldbescheid der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro. Die Staatsanwälte rügten, dass Dieselmotoren nicht den Abgasvorschriften entsprachen, weil die Aufsichtspflicht verletzt worden sei. Berücksichtigt man das Bußgeld, sinkt die Umsatzrendite auf 13,5 Prozent. Damit war der Stuttgarter Sportwagenhersteller allerdings immer noch einer der profitabelsten Autobauer der Welt.

Im ersten Quartal rechnet Porsche mit einem Absatzrückgang von zehn Prozent

Mit Hinweis auf die Unwägbarkeiten der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie wollte der Finanzvorstand keine Voraussage wagen, ob die Rendite in diesem Jahr die strategische Zielmarke von 15 Prozent erreichen könnte. „Vor Corona waren wir zuversichtlich, dass es ein sehr erfolgreiches Jahr wird“, sagte Meschke. Auch Porsche-Chef Oliver Blume hielt sich bedeckt. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass eine „hohe Nachfrage“ erreicht werden könne. „Wir sind sehr optimistisch in das Jahr 2020 gestartet, aber die Corona-Krise bedeutet eine erhebliche Herausforderung“, so Blume. Im ersten Quartal rechnet der Porsche-Chef aus heutiger Sicht mit einem Absatzrückgang von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hoffnung gibt Blume dabei die Entwicklung des chinesischen Markts, wo eine rigorose Abschottung dazu geführt hat, dass die Corona-Epidemie zumindest zunächst einmal überwunden scheint. Das Autogeschäft sei in diesem Monat wieder deutlich lebhafter, so der Porsche-Chef. Mittlerweile haben dort wieder 60 Prozent der Porsche-Händler geöffnet. China ist der wichtigste Markt des Unternehmens.

In den nächsten zwei Wochen gibt es Kurzarbeit

Trotz der ungewissen Aussichten sind keine Abstriche bei den Investitionen geplant. „Wir halten an unserem Investitionsprogramm fest“, sagte Blume. Bis 2024 sollen rund zehn Milliarden Euro in die Elektromobilität und die Digitalisierung der Fahrzeuge investiert werden. Als erstes reines Serien-Elektroauto der Marke hat im vergangenen September der Taycan Weltpremiere gefeiert. „Zwischenzeitlich haben mehr als 15 000 Kunden ihren Kaufvertrag unterschrieben“, berichtete der Porsche-Chef.

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Für den Taycan sind rund 2000 neue Arbeitsplätze entstanden; insgesamt hat die Belegschaft um zehn Prozent auf 35 429 Mitarbeiter zugenommen. Für die nächsten zwei Wochen müssen jedoch rund 10 000 Mitarbeiter aus der Produktion zuhause bleiben, weil die Arbeit in den Werken Zuffenhausen und Leipzig, wie berichtet, wegen der Corona-Krise ruht. Das Unternehmen hat laut Blume Kurzarbeit beantragt. Blume wollte nicht ausschließen, dass die Zwangspause noch etwas länger dauern könnte. In den anderen Bereichen arbeiten die Mitarbeiter nach Angaben des Porsche-Chefs, wo immer möglich, im Homeoffice. Dienstreisen habe man schon vor Wochen auf nahezu null heruntergefahren. Stattdessen gebe es Telefonkonferenzen oder die Kommunikation über den Messengerdienst Skype. Wo weiter gearbeitet werden müsse, wie etwa in der Ersatzteilversorgung, habe man den Gesundheitsschutz verstärkt.

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