Autobauer in Weissach Porsche baut einen neuen Lichtkanal

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In dem Tunnel stellen die Ingenieure unterschiedliche Szenarien und Verkehrssituation mit Gegenlicht nach. Foto: Porsche

Weissach - Seit 2009 gilt bei Porsche das Vier-Augen-Prinzip. So nennen die Designer im Weissacher Entwicklungszentrum die vier LED-Spots, die sie in jedem der Scheinwerfer anordnen – und die mittlerweile zu den Erkennungsmerkmalen der Porsche-Sportwagen gehören. Auch beim neuen elektrischen Taycan wurde das Vierpunkt-Tagfahrlicht integriert.

Um das Thema Scheinwerfer zu vertiefen, bekommen die Weissacher Tüftler ein völlig neues Prüfstandsgebäude. Das bestätigt eine Porsche-Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Herbst ist Baubeginn, Ende 2022 soll dann der Lichtkanal seine Arbeit aufnehmen – ein über hundert Meter langer, asphaltierter unterirdischer Tunnel sowie Analyse- und Prüfflächen und ein Lichtmesslabor.

Porsche-Sportwagen müssten schon von Weitem erkennbar sein, findet Michael Steiner, der Entwicklungschef des Autobauers – und dabei spiele die Scheinwerfer-Optik eine wichtige Rolle. „Die Technologie im Bereich der automobilen Lichttechnik entwickelt sich rasant“, berichtet er. „Der Bau eines modernen Lichtkanals im Entwicklungszentrum Weissach ist daher ein konsequenter Schritt, um unseren Fahrzeugen weiterhin Identität und hervorragende Nachtsicht geben zu können.“

Bislang müssen die Ingenieure nach draußen

Das bisherige Lichtlabor im Weissacher Werk ist mit einer Länge von 30 Metern viel kleiner als das künftige Projekt. Für die Nachtmessungen und die Beurteilung der Scheinwerferverteilung müssen die Ingenieure auf eine Messstrecke nach draußen. Das ist nicht optimal. Denn je nach Wetter oder Tageszeit sind die Bedingungen unterschiedlich und nicht vergleichbar.

Das neue Licht-Prüfstandgebäude entsteht neben dem im Jahr 2014 eröffneten Designstudio auf der Gemarkung Mönsheim – Funktions- und Designentwicklung werden künftig also an einem Ort zusammengeführt. Von außen wird der 130 Meter lange Tunnel nicht zu erkennen sein, weil er unter die Erde kommt. Auf diese Lösung habe man sich in den Verhandlungen mit der Gemeinde Mönsheim geeinigt, sagt die Porsche-Sprecherin.

„Für den Bau des Lichtkanals ist es notwendig, entsprechende Erdmassen zu bewegen“, sagt Jürgen King, der Leiter der zentralen Bau-Abteilung von Porsche. „Diese werden auf bestehenden Werksflächen zwischengelagert, aufbereitet und in Teilen in anderen Baustellen am Standort wie beispielsweise dem neuen Klimawindkanal wiederverwendet.“ Dadurch werde der Zu- und Abtransport von Erdmassen auf ein Minimum reduziert. Alle Erdbau-Maßnahmen folgen einem vorab entwickelten ökologischen Gesamtkonzept, verspricht King.

Wie viel Geld Porsche in den Lichtkanal investiert, will die Pressesprecherin des Weissacher Entwicklungszentrums nicht verraten. „Seit 2010 haben wir einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Bau neuer Gebäude und Anlagen investiert.“ Dazu gehören auch die neue Südzufahrt, ein Klimawindkanal und mehrere Prüfgebäude. Und eben das Prüfstandgebäude für die Lichttechnologie.

Licht wird hochauflösend

Dieses Thema wird in der Branche immer wichtiger. Die bloße Dreiteilung aus Stand-, Abblend- und Fernlicht ist zumindest in der höherpreisigen Sparte lange vorbei. Zu der „rasanten Entwicklung“, die Michael Steiner in diesem Bereich beschreibt, gehörten zum Beispiel hochauflösende Scheinwerfer. Aktuell schon erzeugen Scheinwerfer bei Porsche ihr Licht aus 84 einzelnen LED-Lichtpunkten – und sind dadurch in der Entwicklung noch relativ einfach. Künftig werde sich das auf tausende LED-Lichtpunkte erhöhen, kündigt Michael Steiner an. „So kann die Helligkeit der Lichtpunkte an die Fahrsituation angepasst werden“, erklärt der Entwicklungschef.

Auf der Lichtbewertungsstrecke können die Ingenieure künftig an der Lichtentwicklung und der Lichttechnik tüfteln. Der Asphaltboden bildet dabei die realen Bedingungen auf der Straße ab. Im Lichtkanal lassen sich dadurch unterschiedliche Szenarien sowie Verkehrssituation mit Gegenlicht nachstellen.

Dass der neue Kanal so lang sein muss, liegt am Abblendlicht – dieses können die Entwickler in voller Güte erkennen und testen. Insgesamt ist der Lichtkanal 130 Meter lang und rund 20 Meter breit. Das in dem Gebäude ebenfalls integrierte Lichtmesslabor dient zur Analyse gesetzlicher Lichtwerte.

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