Auszeichnung für Rutesheimer Familie Ein gutes Zuhause für Schwalben

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Die neunjährige Maria Matiks (Mitte) ist von Inge Bernt (Nabu Rutesheim) und Rudi Apel (Nabu) für ihr schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet worden. Foto: Jürgen Bach

Rutesheim - Schwalben gelten als Glücksboten und können das Wetter anzeigen, denn‚ „fliegt die Schwalbe nieder, kommt grobes Wetter wieder,“ sagt der Volksmund. Und Schwalben lieben die für die Menschen lästigen Mücken auf ihrem Speiseplan. Im Schnitt 1200 Insekten frisst eine Schwalbe pro Tag während der Jung-Aufzucht. „Das sind alles gute Gründe, Schwalbennester am Eigenheim zu dulden“, sagt der für Baden-Württemberg zuständige ehrenamtliche Schwalbenbetreuer des Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Rudi Apel.

Ein großes Lob geht daher vom Schwalbenschützer an die Rutesheimer Familie Matiks, die drei von den Mehlschwalben aus Lehm selbst gebaute Schwalbennester an ihrer Hausfassade hängen hat. Julia Matiks und ihre neunjährige Tochter Maria haben für ihr Engagement vom Nabu die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ erhalten. Das Projekt hat Rudi Apel 2017 ins Leben gerufen. Seither konnte er 1450 Auszeichnungsplaketten in Baden-Württemberg vergeben. In diesem Jahr hat er knapp 160 Häuser gewürdigt.

Derzeit sind allerdings nur noch zwei der drei Nester bewohnt, was Tochter Maria sehr bedauert. „Eine Elster hat vor zwei Wochen ein Nest geräubert und die drei Eier herausgeworfen“, erzählt sie. Mit einem Schwalbennest am Haus ist auch immer ein wenig Arbeit verbunden, um die Hinterlassenschaften der Tiere unter den Nestern wegzufegen. Kein Problem im Hause Matiks, denn dafür ist Tochter Maria zuständig. „Schließlich sind das meine Haustiere“, sagt sie stolz. Aber auch ihre Mutter Julia ist froh über die Gäste. „Morgens, wenn wir am Frühstückstisch sitzen und die Sonne richtig steht, dann sehen wir die Schatten der Schwalben auf unserem Frühstückstisch und wir hören sie natürlich.“

Vom Aussterben bedroht

Allerdings sind Schwalbennester heutzutage bei vielen Hausbesitzern nicht sehr beliebt, weil der Kot der Mehlschwalben direkt aus dem Nest fällt – bei der Rutesheimer Familie beispielsweise auf den darunterliegenden Bürgersteig. Möglich ist es aber, unter den Nestern sogenannte Kotbretter anzubringen, die die Hinterlassenschaften auffangen. Die Gartenbesitzer werden sich über den „Guano“ der Schwalben freuen, denn das ist ein hochwertiger Dünger, der in Fachhandlungen teuer bezahlt werden muss.

Die Zeit, in der die Nester bewohnt sind, ist kurz. Die Altschwalben legen hier im Frühjahr ihre Eier und ziehen ihre Jungen auf. Gegen Herbst verabschiedet sich die Schwalbenfamilie in den Süden. Mehr als 10.000 Kilometer legen die Zugvögel dabei zurück, um in wärmeren Regionen zu überwintern. Bevor sie aufbrechen, merken sich die Schwalben genau, wo ihr Nest ist, damit sie im Folgejahr zwischen März und Mai wieder dorthin zurückfinden können. Die kleinen Vögel können bis zu zwölf Jahre alt werden.

Schwalben sind bedroht, daher stehen sie mitsamt ihren Nestern ganzjährig unter Naturschutz. An den modernen, glatten Hausfassaden haben sie es aber immer schwerer, geeignete Nistplätze zu finden. Ihre Anzahl geht daher immer stärker zurück, auch weil es oft nicht genug Insekten gibt.

Perouse erhält ein „Fertig-Schwalbenhaus“

Wenn die Schwalben nicht von alleine kommen, können Vogelfreunde ihnen aber ein künstliches Schwalbennest anbieten. Ein solches „Fertig-Schwalbenhaus“ wird jetzt am Perouser Alten Rathaus angebracht. Dort nisten die Schwalben bereits, allerdings an einer ungünstigen Stelle, an einem Stahlträger hinter dem Gebäude. Daher wollen die Nabu-Fachleute ihnen für das kommende Jahr eine Alternative anbieten. Schwalben nehmen die Fertignester gerne an, vor allem, wenn es in der Gegend wenig Lehm für ein Nest gibt. Kunstnester kann man unter dem Dachgiebel, an Garagen oder Stallungen in mindestens 2,5 Meter Höhe anbringen.

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