Auszeichnung für Renningen und Rutesheim Zwei Schulen ohne Rassismus

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Zufriedene Gesichter (v.l.n.r.): Laura Gairing (stellv. Schülersprecherin), Martin Killinger (Erster Beigeordneter der Stadt Rutesheim), Projektpate Erwin Staudt (ehemaliger Präsident des VfB), Andreas Haiß (Landeskoordinator des Aktion Courage Netzwerks), Jürgen Schwarz (Schulleiter) und Tobias Maisenbacher (Schülersprecher). Foto: privat

Renningen/Rutesheim - Ein 72-stündiger Bewerbungsmarathon trägt jetzt Früchte. Vor dem Hintergrund der drohenden Ausgangssperre und dem damit verbundenen Herunterfahren des Unterrichts wegen Corona ist es der Schülermitverantwortung (SMV) trotzdem gelungen, dem Gymnasium die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ zu sichern. In 72 Stunden im März schafften sie es noch vor der Schulschließung, die Unterschriften und damit die Zustimmung von mehr als 1000 Menschen der Schulgemeinschaft einzuholen. Sie alle verpflichten sich, aktiv gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung vorzugehen. Das Gymnasium Renningen hat sich den Titel bereits im Dezember 2019 gesichert.

Der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist dem Gymnasium in einer kleinen Feier der Landeskoordination der Aktion Courage verliehen worden. „In meinem Elternhaus war es selbstverständlich, Gastfreundschaft und Offenheit zu leben, und antisemitisches Verhalten ist in meiner Jugend von niemandem geduldet worden“, sagte der Rutesheimer Schulleiter Jürgen Schwarz.

Umso mehr sei er bestürzt, wenn im Schulalltag heute nationalsozialistische Schmierereien oder Whatsapp-Chats mit menschenverachtenden Inhalten auftauchen. Und wenn in Gesprächen mit den Verursachern so wenig Unrechtsbewusstsein zu verspüren ist. „Es kommen nur verharmlosende Erklärungen, wie „Sticker töten doch niemanden.“

Er dankte den Initiatoren um Schülersprecher Tobias Maisenbacher dafür, dass die Idee aufkam, die Verpflichtung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ eingehen zu wollen und damit Verantwortung für das Klima an ihrer Schule zu übernehmen.

Die Rutesheimr haben sich somit verpflichtet, regelmäßig Projekte zum Thema Diskriminierung zu veranstalten. Das erste, eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Schule, musste im Mai jedoch wegen den Corona-Einschränkungen abgesagt werden.

Für ihre Beharrlichkeit in diesem Projekt, aber auch für ihr Engagement für ihre Mitschüler sind Tobias Maisenbacher und seine Stellvertreterin Laura Gairing von der Stadt mit dem diesjährigen Schulsozialpreis gewürdigt worden.

Mit ihrem Engagement sind die Rutesheimer Schüler nicht allein. Das Gymnasium Renningen hat die Auszeichnung am 14. Dezember 2019 bekommen. Projektpate ist Matthias Klopfer, OB von Schorndorf. Und auch ihnen machte die Corona-Pandemie bei Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung. „Eine Aktion mit der Seebrücke war geplant“, berichtet die Sprecherin der Schule, Kerstin Janser. Friedhold Ulonska, Kapitän vieler Seenotrettungsmissionen, sollte dabei sein. „Leider konnte dies nicht mehr stattfinden.“

Trotzdem wollten die für das Projekt engagierten Jugendlichen während der Schulschließung nicht untätig sein. Sie entwarfen Aufgaben für den Online-Unterricht: Jüngere Schüler konnten unter Themen wählen wie „Ungerechtigkeit in der Krise. Welche Missstände gibt es?“ und „Soziale Vereinsamung von Kindern in der Krise“. Ältere Schüler beschäftigten sich auch mit der humanitären Kata­strophe auf den griechischen Inseln oder mit der Einschränkung der Grundrechte durch die Pandemie.

„Darüber hinaus haben die Schüler Gesprächspartner für Webinare oder Onlineinterviews gesucht.“ Interessierte konnten sich etwa mit Friedhold Ulonska sowie mit Aminata Touré, Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig-Holstein, austauschen. Das sei sehr gut angenommen worden, „und die Teilnehmer haben eine gute Rückmeldung gegeben. Ich denke, dass sich alle Schüler durch die Aktionen mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt haben.“

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