Ausstellung in Leonberg Gefangene drücken ihre Gefühle in Bildern aus

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Krankenhausseelsorger Peter Bühler und die Malgruppen-Leiterin Christel Luckscheiter-Raub bewundern ein Porträt von Mario Adorf. Foto: Henning Maak

Leonberg - Vielleicht ist dem ein oder anderen Besucher des Leonberger Krankenhauses schon aufgefallen, dass seit Anfang der Woche im Eingangsbereich neue Bilder hängen. Es sind Werke ganz besonderer Künstler, die man im Allgemeinen überhaupt nicht mit Malerei in Verbindung bringen würde: Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Heimsheim. Entstanden sind sie in der sogenannten Malgruppe, die die Heimsheimerin Christel Luckscheiter-Raub ehrenamtlich einmal die Woche anleitet. Bei einer Vernissage am Mittwochabend hat sie die Hintergründe erläutert.

Willkommene Abwechslung

Für die Gefangenen sei die Malgruppe eine sehr willkommene Abwechslung zur Gefängnisroutine, erklärte die Sonderpädagogin, die lange Jahre die Schule für Körperbehinderte in Markgröningen geleitet hat und im Ruhestand auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung mit ihrer Mal-AG beim früheren Anstaltsleiter Hubert Fluhr auf offene Ohren stieß. Drei Gefangene, die alle zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, treffen sich mittwochabends zwischen 18 und 20 Uhr regelmäßig mit Christel Luckscheiter-Raub, die auch ein Kunststudium abgeschlossen hat.

Ihr geht es aber nicht darum, den Gefangenen bestimmte Maltechniken beizubringen. „Die Männer suchen sich selbst ein Thema aus, das zu ihnen passt, und sollen sich dann zwei Stunden lang in entspannter Atmosphäre kreativ beschäftigen“, erzählte sie den rund 40 Besuchern der Vernissage am Mittwochabend. An einem der Gefangenen, der schon seit mehreren Jahren in der Mal-AG sei, und von dem die meisten der ausgestellten Bilder stammen, könne man die künstlerische Entwicklung nachvollziehen.

Entwicklung in Bildern

„Zu Beginn hat er viele Landschaften mit Bäumen und Wasser gemalt, was man gemeinhin mit Freizeit und Entspannung assoziiert“, erläuterte Christel Luckscheiter-Raub. Danach seien viele Tierporträts entstanden, unter anderem eine Lemurenfamilie und eine Giraffenmutter mit ihrem Jungtier. „Die Titel ,Trauliches Beisammensein‘ und ,Familienliebe‘ spiegeln die Gefühle der Gefangenen wider und zeigen, wonach sie sich sehnen“, sagte Christel Luckscheiter-Raub.

Zeichen einer sehr späten Entwicklung sei das Bild eines Leonbergers, dessen Blicke den Betrachter zu begleiten scheinen – egal, von wo aus man auf das Bild blickt. Auch Porträts der großen Schauspieler Sophia Loren und Mario Adorf würden fortgeschrittene Kunstfertigkeiten zeigen.

Gefühle von Heimat, Familie, Glück und Liebe

Der katholische Krankenhausseelsorger Peter Bühler, der die vom Balalaika-Ensemble Tschakir musikalisch umrahmte Vernissage leitete, lud die Besucher ein, die Gefühle von Familie, Heimat, Glück und Liebe in den Bildern der Gefangenen zu entdecken. Und er spannte mit einem Zitat des Aktionskünstlers Joseph Beuys den Bogen zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Welten: „Künstler und Verbrecher sind Weggefährten. Beide verfügen über eine verrückte Kreativität, beide sind ohne Moral, nur getrieben von der Kraft der Freiheit.“

Ausstellung:
Die Bilder der Heimsheimer Gefangenen sind noch bis zum 15. August im Krankenhaus Leonberg zu sehen.

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