Ausgrabungen in Renningen Mehr als 2500 Jahre alte Gräber entdeckt

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Die archäologischen Ausgrabungen in Schnallenäcker III sind in vollem Gange. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Die Entwicklung des neuen Baugebiets Schnallenäcker III in Renningen geht mit großen Schritten voran. Im Herbst schon, so das Ziel der Verwaltung, sollen die Ausschreibungen für die Erschließungsarbeiten rausgehen. Was dort im Moment vonstattengeht, sind also keine Bauarbeiten der Stadt, sondern die archäologischen Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege.

Und was das angeht, ist die Gegend um Renningen immer für eine Überraschung gut. Erst 2017 wurden im heutigen Gewerbegebiet Raite IV Überreste einer Siedlung aus dem 1. und 2. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Die Funde, die sich auf dem Feld von Schnallenäcker III verbergen, sind nach ersten Erkenntnissen sogar noch um einiges älter.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass direkt neben dem neuen Gelände das große Wohngebiet Schnallenäcker II entstanden ist. Erst im Sommer 2017 war der Großteil der Häuser fertiggestellt und bezogen. Da die Nachfrage nach Wohnungen in Renningen seither ungebrochen ist und die Mieten und Grundstückspreise sehr hoch sind, wurde bereits kurz darauf ein neues Baugebiet im Gemeinderat genehmigt: Schnallenäcker III, ein Streifen von rund acht Hektar Fläche, nördlich der Nelkenstraße. Ausgehend von der Nelkenstraße nimmt das Baugebiet eine Tiefe über zwei Querstraßen ein.

Die Namen aller Straßen des Wohngebiets sind inzwischen ebenfalls beschlossene Sache: Schlüsselblumenweg, Küchenschellenweg, Maikäferweg, Wildbienenweg, Zwiebeläckerstraße, Korngäustraße, Schönbuchstraße und Oberbrunnenstraße. Das Gebiet wird sowohl Mehrfamilienhäuser als auch Einfamilien- und Doppelhäuser enthalten sowie Reihenhäuser.

Das Renninger Becken ist eine Altsiedellandschaft

Spannend werden nun die Ergebnisse der Ausgrabungen. Grundsätzlich wird immer, sobald irgendwo freies Land bebaut wird, eine archäologische Untersuchung angeordnet. Dabei wird nach Überresten vergangener Zivilisationen gesucht, die einmal dort gelebt haben. So soll verhindert werden, dass durch die Bebauung bedeutende historische Funde für immer verloren gehen. „Das Renninger Becken ist eine Altsiedellandschaft, in der Funde und Befunde von der Jungsteinzeit bis in das Mittelalter bekannt sind“, erklärt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. Deshalb finden sich in der Gegend überall entsprechende „Zeitzeugen“, vor allem Tonscherben gibt es unter der Erde wie Sand am Meer.

Nicht alle historischen Funde sind automatisch eine kleine Sensation. Immer wieder aber finden sich auf den Renninger Feldern historische Goldgruben. Wie im Fall des Gewerbegebiets Raite IV: Unter anderem haben die Archäologen dort eine spätkeltische Siedlung gefunden, die Überreste von mindestens 17 Gebäuden aus der Zeit um das 1. und 2. Jahrhundert vor Christus zusammen mit zwei Brunnen von mehr als fünf Metern Tiefe. Ein archäologischer Glücksgriff, der umfassende Erkenntnisse über das Leben in der damaligen Zeit gewährte.

Überreste noch älter als in Raite IV

Auch in Schnallenäcker III sind die Archäologen bereits fündig geworden. Die Überreste dort sind wohl noch deutlich älter als die in Raite IV. „Die Funde der laufenden Grabungen sind noch nicht ausgewertet. Eine vorläufige Datierung weist aber auf eine frühkeltische Siedlung des 8. oder 7. Jahrhunderts vor Christus hin“, berichtet das RP. Schon in den ersten Wochen konnten diverse Siedlungsbefunde einer frühkeltischen Siedlung dokumentiert werden, vor allem Gruben, in denen Vorräte gelagert wurden. „Darüber hinaus wurden zwei Brandgräber geborgen, die in die gleiche Zeit datieren.“ In den Gräbern dieser Zeitstellung findet man meistens den Leichenbrand, also die verbrannten Knochen und Keramik. „Untersuchungen an den verbrannten Knochen können Rückschlüsse auf das Alter, das Geschlecht und auch auf Krankheiten der Person liefern.“

Die Befunde werden nun sämtlich dokumentiert, also fotografiert, beschrieben und vermessen, dann ausgegraben und geborgen. „Nur durch eine gute und vollständige Erfassung der Befunde können wir die Organisation und die Funktion einer Siedlung oder eines Friedhofs verstehen, und nur so können wir das Leben der Menschen in der Vergangenheit rekonstruieren“, so das RP.

Das Denkmalamt geht davon aus, dass die Arbeiten im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden. Zu Verzögerungen für die Erschließung des Baugebiets sollte es durch die Ausgrabungen also nicht kommen. „Baubeginn wäre nicht vor März oder April, der Puffer ist also groß“, sagt der Bürgermeister Wolfgang Faißt.

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