Aufklärungsaktion in Leonberg Die Bäckertüte warnt vor Maschen der Trickbetrüger

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Polizeibeamte klären auf, wie Betrüger als falsche Polizisten agieren. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Es kann nicht oft genug vor skrupellosen Trickbetrügern gewarnt werden, die meist ältere Menschen um ihr Erspartes bringen wollen. Deshalb geht die „Bäckertütenaktion“, eine Präventionskampagne zum Thema „falsche Polizeibeamte“, mit neuem Layout in die zweite Runde.

Wie bereits im März wird eine Vielzahl von Bäckereien in der Region nach den Auftaktveranstaltungen am Samstag, unter anderem auf dem Leonberger Wochenmarkt an der Steinstraße, ihre Backwaren verpackt in der speziellen „Präventionstüte“ an ihre Kundschaft reichen.

Täter haben immer wieder Erfolg

Die Phänomene „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“ haben zwischenzeitlich zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Mit den Backwarentüten will das Ludwigsburger Polizeipräsidium auf diese Straftaten aufmerksam machen, denn die Telefonbetrüger überziehen nicht selten Kommunen oder ganze Regionen mit ihren Anrufen. Der Großteil der zumeist älteren Angerufenen erkennt die Betrugsmaschen, legt auf und wendet sich an die Polizei. Dennoch gelingt es den Täter, immer wieder große Geldbeträge zu ergaunern.

Die beim Ludwigsburger Polizeipräsidium registrierten Enkeltrick-Delikte sind 2020 im Vergleich zum Vorjahr von 153 auf 363 Fälle angestiegen. Die Anzahl der Anrufstraftaten durch falsche Polizeibeamte hat im selben Zeitraum von 596 auf 1094 Fälle zugenommen. Für das Jahr 2021 dürften sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau einpendeln.

Jüngst wurde dem Polizeipräsidium ein besonders schwerer Fall aus Gerlingen bekannt. Eine Seniorin war über mehrere Wochen hinweg von Anrufbetrügern kontaktiert und letztendlich um einen sechsstelligen Geldbetrag gebracht worden. „Es ist erschreckend, wie viele Menschen von den Betrügern angerufen werden. Manche werden sogar über einen längeren Zeitraum regelrecht terrorisiert“, sagt der Polizeikommissar Carmelo Gibella. Der Präventionsbeauftragte im Leonberger Revier und Moritz Schuster vom Referat Prävention im Polizeipräsidium wurden von vielen Menschen auf dem Leonberger Wochenmarkt angesprochen, um Rat und Tipps gefragt.

Viele Bäckereien beteiligen sich

„Eine solche Kampagne lässt sich nur mit verlässlichen Partnern realisieren“, sagt der Polizeipräsident Burkhard Metzger. Das sind die Kreisseniorenräte, die Volks- und Raiffeisenbanken, die Innungsbäckereien in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg und der Fachgroßhandel Bäko Stuttgart. Sie haben weitere 300 000 (März: 450 000) Tüten drucken lassen. „Die Bäckerinnung unterstützt die Präventionskampagne gerne“, sagt der Geschäftsführer Frank Sautter. „Durch die Tüten wird eine breite Bevölkerungsschicht beim täglichen Einkauf auf diese Betrugsmaschen aufmerksam gemacht.“

„Wir als Vertreter der älteren Generation und damit der Zielgruppe für diese Verbrecher begrüßen es, dass das Polizeipräsidium Ludwigsburg solche Warn- und Aufklärungsaktionen durchführt, damit niemand mehr auf solche bösen Tricks reinfällt“, sagt Manfred Koebler, der Vorsitzende des Kreisseniorenrats Böblingen.

Die Aktionen finden in mehreren Städten in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg statt. Im Altkreis Leonberg beteiligen sich die Bäckerei Clement (Weissach), die Bäckerei Diefenbach und die Backmanufaktur (beide Weil der Stadt), die Bäckerei Marquardt und die Bäckerei Zachert (beide Leonberg) sowie die Bäckerei Montagnese (Ditzingen).

Unter dem Motto „Durchschaut“ wurde für das Phänomen „falscher Polizeibeamter“ ein Kurzfilm erstellt. Das Layout der neuen Tüten wurde ans Filmdesign angepasst. Der Film ist im Internet über den auf den Tüten aufgedruckten QR-Code abrufbar oder auf www.polizei-bw.de.

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