Astronomie Die geheime Sternwarte in Weissach

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Die Astronomie fasziniert Günter Hoffarth schon lange. Mit zwölf Jahren bekam er sein erstes Teleskop. Foto: factum/Simon Granville

Astronomie - Wer hat nicht schon einmal in einer sternenklaren Nacht in den Himmel geschaut und sich Gedanken gemacht über das Leben, das Universum und den ganzen Rest? Was für die meisten Menschen nur ein grandioser Hintergrund für Gedankenspiele ist, hat für Günter Hoffarth aus Weissach eine ganz andere Dimension: Denn wenn der Amateurastronom in den Himmel blickt, dann geht er auf die Suche nach besonderen Sternen und Objekten in der Milchstraße und auch weit darüber hinaus. Und weil auch er mit bloßem Auge nicht weiter schauen kann als andere, nutzt er dafür die geheime, verborgene Sternwarte in Weissach.

„Na ja, geheim“, schmunzelt er, denn seine Fachkollegen kennen die Blockhütte im Garten des engagierten Sternguckers. Ein Linsenfernrohr, im Fachjargon Refraktor genannt, und ein Spiegelteleskop oder Reflektor hat der begeisterte Hobbyastronom dort montiert. Etliche Kameras und ein Laptop für die Astrofotografie können angeschlossen werden. Das Dach der Hütte ist beweglich, lässt sich mit ein wenig Muskelkraft öffnen und schließen und gibt in den klaren Nächten den Blick in den Himmel frei. Hier hat der 66-Jährige etliche seiner beeindruckenden Bilder von fernen Himmelsobjekten gemacht, doch die imposantesten Aufnahmen stammen aus Namibia.

Dorthin zieht es Günter Hoffarth etwa einmal im Jahr: „Die südliche Halbkugel eignet sich für die Astrofotografie besser als die nördliche, weil von dort aus betrachtet die Milchstraße höher steht und man spektakuläre Fotos machen kann“, erklärt er. Auf der Astro-Farm gut zwei Stunden von Namibias Hauptstadt Windhoek entfernt unterhält der gemeinnützige Verein „Internationale Amateursternwarte“ (IAS), in dem Günter Hoffarth schon seit vielen Jahren Mitglied und im Vorstand ist, zwei Observatorien mit mehreren großen Teleskopen. Das größte ist ein Newton-Teleskop mit einem Durchmesser von 32 Zoll, das entspricht rund 80 Zentimeter. „Wir unterhalten Afrikas größtes frei zugängliches Teleskop, alle anderen haben Teleskope mit kleineren Öffnungen“, erzählt er stolz.

Sternenhimmel über Afrika

Oft, wenn er in Afrika ist, wandert er nachts alleine auf den nahe gelegenen Berg und fotografiert Bäume und Felsen mit der Milchstraße im Hintergrund. „Hier gibt es kein Streulicht, keine Lichtverschmutzung“, erklärt er, und dann gerät der Maschinenbauingenieur im Ruhestand ins Schwärmen. Er erklärt, dass die fantastischen Bilder von Sternen und Spiralgalaxien, die mehrere Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt sind, Deep-Sky-Fotografie genannt werden und dass solche Bilder erst möglich geworden sind, seit Computertechnik und Sensorik in die Astronomie Einzug gehalten haben. Dabei ist die Astrofotografie ein sehr zeitintensiver Vorgang, stundenlang sammeln spezielle Sensoren die Lichtstrahlen eines Objektes ein. Die Belichtungszeit beträgt oft Stunden. Dabei halten Teleskope viele Details fest, die wir gar nicht wahrnehmen können, auch Farben, die das menschliche Auge aufgrund der Lichtunempfindlichkeit seiner Farbrezeptoren nicht sehen kann. Die gesammelten Daten werden in das sichtbare Spektrum übersetzt, und so entstehen die bekannten bunten Bilder. Damit das fotografierte Objekt überhaupt erkennbar wird, legt der Astrofotograf mehrere Bilder übereinander.

„Wenn ich aus Namibia heimkomme, habe ich in der Regel so viele Bilder, dass ich monatelang mit der Bearbeitung beschäftigt bin“, sagt Günter Hoffarth und schmunzelt. Und wenn er die Sterne nicht mehr sehen mag, legt er sich im Garten auf die Lauer und macht Aufnahmen von den heimischen Tieren, die seine grüne Oase besuchen.

Mit 12 Jahren gab’s das erste Teleskop

Die Astronomie fasziniert Günter Hoffarth schon seit seiner Kindheit. Mit zwölf Jahren bekam er sein erstes Teleskop: „Das war unglaublich. Ich konnte damit von meinem Heimatort Ettlingen-Oberweiler die Zeit auf der Karlsruher Rathausuhr ablesen, und die war rund zwölf Kilometer entfernt“, erzählt er. „Mich fasziniert das Universum mit all seinen Strukturen, Farben und Objekten, seiner Vielfalt und seinen Geheimnissen. Die Himmelskörper mit eigenen Augen zu sehen und mit der Astrofotografie sichtbar zu machen, das macht mich zufrieden.“

Günter Hoffarth ist auch Mitglied im Höfinger „Arbeitskreis Sternwarte“, der dem Höfinger Heimat- und Kulturverein angegliedert ist. Der Verein ist auch Veranstalter der jährlichen Vorträge, die der Hobbyastronom hält. Seine Vorträge sind nicht nur informativ, sondern auch sehr unterhaltsam. Vielleicht wächst die Zuhörerschaft deshalb von Jahr zu Jahr, und Günter Hoffarth lässt sie gerne an seinem Wissen und seinen Bildern teilhaben.

Bildervortrag
„Eine Reise durch unser Sonnensystem und ferne Planetenwelten“ von Günter Hoffarth: Freitag, 22. November, um 20 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Höfingen, Birkenweg 6, Eintritt: acht Euro an der Abendkasse.

Arbeitskreis Sternwarte Höfingen
Der Arbeitskreis unterhält die Sternwarte und bietet öffentliche Sternführungen an. Diese finden jeden Freitag nach Einbruch der Dunkelheit statt, Sonnenbeobachtungen jeden ersten Sonntag ab 14 Uhr bei klarem Himmel. Gruppen sollten sich anmelden, einzelne Besucher benötigen keine Voranmeldung.

//www.sternwarte-hoefingen.de

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