ASG Leonberg Kaffee, Klimawandel und Kontroverse

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Lebhaft diskutieren die Schüler mit den Politikern. „Wenn Sie nicht über Ihre Zukunft entscheiden, tun es andere“, sagt zum Beispiel Ute Vogt. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Darf ich Du sagen oder wollt ihr lieber gesiezt werden?“, fragt Judith Skudelny die zehn Schüler, die wie sie an zusammengeschobenen Tischen im   Physikzimmer des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Leonberg sitzen. Der Tisch ist gedeckt, es gibt Brötchen und Brezeln, Kaffee und Orangensaft. Es ist kurz nach acht Uhr. Die FDP-Bundestagsabgeordnete greift nach der Kaffeekanne. „Es gibt einen Grund, warum ich Politikerin bin und keine Lehrerin. Ich sag’ nur so viel: Die Schüler sind es nicht.“ Die Zwölftklässler lachen. Der Damm ist gebrochen.

Einmal im Jahr lädt das ASG zum politischen Frühstück ein, organisiert vom Gemeinschaftskunde-Neigungskurs, der diesmal ein Kooperationskurs mit dem benachbarten Johannes-Kepler-Gymnasium ist. In kleinen Gruppen, bei Kaffee und Marmeladenbrötchen, diskutieren Schüler und Politiker über die große und die kleine Politik. In diesem Jahr, in dem keine Wahl ansteht, ist es eher die große Politik. Und das mit hochkarätigen Teilnehmern. Zu Gast sind mit Marc Biadacz (CDU), Ute Vogt (SPD), Volker Münz (AfD), Matthias Gastel (Grüne), Judith Skudelny (FDP) gleich fünf Abgeordnete des aktuellen Bundestags sowie mit dem Linken-Politiker Richard Pitterle ein ehemaliger. Nach zwei Gesprächsrunden mit zwei verschiedenen Politikern, die zwischen 20 und 25 Minuten dauern, steht noch eine Podiumsdiskussion mit allen im Atrium auf dem Programm.

Viele kleine Seitenhiebe

Auch wenn die Sprache ein klein wenig dem Ort des Geschehens angepasst war, so erlebten die Schüler der Oberstufe eine zwar lebhafte Diskussion über die drei Themen Jugend und Politik, Wirtschaftsstandort Deutschland und Umweltschutz – die aber auch geprägt war von jeder Menge Seitenhieben auf den politischen Kontrahenten.

Etwa wenn der Linke Pitterle der AfD vorwirft, sie sei die Nachfolgerin einer ­Organisation, gegen die er sich schon seit 40 Jahren engagiere, und sich AFD-Mann Münz dabei verhaspelt, die Linke sei ja die Nachfolgerin der SPD – er meinte die SED. Oder wenn der Grüne Gastel und CDU-Vertreter Biadacz darüber streiten, ob die baden-württembergischen Grünen beim Thema Windkraftausbau nun versagt haben oder nicht. Einzig die beiden Frauen in der Runde hielten sich aus den Zickereien heraus, auch wenn das am Ende etwas weniger Redeanteil bedeutete.

Fragen über Fragen

Zusätzlich zu den vorbereiteten Fragen der beiden Moderatoren fühlten auch die Schüler im Publikum den Politikern auf den Zahn. Warum man als Jugendlicher die AfD wählen sollte? Wieso Deutschland so viele Waffen ins Ausland verkauft? Wie kann man mit China Handel treiben, wenn dort die Uiguren verfolgt werden? Wofür steht die SPD noch? Trotz der auf drei begrenzten Themenbereiche ist das Interesse vielfältig. Einige haben sich gut vorbereitet, das wurde schon beim Frühstück klar. Besonders das Thema Umwelt- und Klimaschutz treibt die Jugendlichen um. Am Ende der zweieinhalbstündigen Podiumsdiskussion müssen trotzdem Fragen ungestellt bleiben. Am Ende dürfen die sechs Politiker den jungen Zuhörern noch etwas mit auf den Weg geben. Es reicht von „Informiert und beteiligt euch, es ist eure Zukunft“ (Gastel), über „Bleiben Sie optimistisch und lassen Sie uns unsere Demokratie feiern“ (Biadacz), „Fragen Sie sich, ob das richtig ist oder ob man das nicht anders machen könnte. Und bleiben Sie standhaft“ (Münz) bis hin zu „Sie müssen ihre Zukunft gestalten. Wenn Sie es nicht tun, entscheiden andere“ (Vogt). Die Jugend sei wichtig, weil die Alten irgendwann weg   sind. Doch sie mache sich nach den ­vergangenen zwei Jahren keine Sorgen, sagte Judith Skudelny auch mit Blick auf die durch „Fridays for Future“ politischer ­gewordene Jugend.

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