Arbeitsmarkt Jeder dritte Betrieb war in Kurzarbeit

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57 493 Mitarbeiter waren im Kreis Böblingen im April in Kurzarbeit. Foto: dpa/Jens Büttner

Arbeitsmarkt - Den Arbeitsagenturen liegen nun die Zahlen für die Kurzarbeit vor – rückblickend für den Beginn des Corona-Shutdowns. Laut den Aprilzahlen wurde im Kreis Böblingen von 2779 Betrieben Kurzarbeit für 57 493 Mitarbeiter umgesetzt, im März nahmen 1444 Firmen diese Möglichkeit für 9771 Mitarbeiter in Anspruch.

Im Bereich der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim befanden sich im Mai 53 395 Beschäftigte in 4149 Betrieben in Kurzarbeit. Damit haben fast ein Viertel aller Beschäftigten im Nordschwarzwald und etwa jeder dritte Betrieb im Mai kurzgearbeitet. „Das Instrument Kurzarbeit funktioniert. Ohne Kurzarbeit hätten wir deutlich mehr Arbeitslose“, sagt Martina Lehmann. Sie stellt fest, dass immer mehr Unternehmer interessiert sind, die Zeit der Kurzarbeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, sondern zur Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen, was Martina Lehmann ausdrücklich begrüßt. „Es ist wichtig und sinnvoll, Kenntnisse und Fähigkeiten permanent weiterzuentwickeln, auch wenn man im Berufsleben steht“, sagt sie. „Wir unterstützen unsere Betriebe bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent

Ansonsten hat sich auf den ersten Blick auf dem Arbeitsmarkt wenig verändert: Wie im August liegt auch im September die Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent. Im Vergleich mit den Zahlen von September 2019 sind momentan fast doppelt so viele Menschen ohne Arbeit wie vor einem Jahr. Aber Janine Stieler, die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Stuttgart, die auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, sieht dennoch eine positive Entwicklung.

Aktuell sind genau 9400 Kreisbewohner ohne Job. Davon betroffen sind 5103 Männer und 4297 Frauen. Die Zahl sank geringfügig um 32 Personen gegenüber August, das bedeutet einen Rückgang um 0,3 Prozentpunkte. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin bei 4,2 Prozent, unverändert zur Augustquote. Gegenüber dem Vorjahresmonat sind im Landkreis Böblingen 2945 mehr Menschen arbeitslos. Im September 2019 betrug die Arbeitslosenquote noch 2,9 Prozent, was nahezu einer Vollbeschäftigung gleichkommt.

Im Enzkreis geht die Quote leicht zurück. 3,9 Prozent der Menschen waren im September hier arbeitslos, das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im August. Vor einem Jahr lag die Quote im Enzkreis bei 2,4 Prozent. Insgesamt waren hier 4428 Menschen arbeitslos gemeldet.

„Die Zahl der Arbeitslosen nimmt erstmals seit März ab“

Obwohl die Quote im Kreis Böblingen gleich geblieben sei, ist Janine Stieler optimistisch: „Die Zahl der Arbeitslosen nahm erstmals seit März wieder ab“, berichtet die Agenturchefin, „mehr Menschen als im Vormonat konnten eine Arbeit aufnehmen“. Zuletzt verloren zwar 848 Personen ihren Arbeitsplatz, das sind aber 54 Männer und Frauen weniger als im Vormonat. Eine neue Arbeit fanden 659 Männer und Frauen, das sind 105 mehr als im August. Außerdem gibt es mehr freie Stellen: Die Arbeitsagentur meldet einen Zugang um 636 Positionen, das sind 65 Stellen mehr als im August. Der Bestand liegt bei 1975.

In Pforzheim hat man bei der Arbeitsagentur den Rückgang der Zahlen erwartet, schließlich ging mit dem Beginn von Schule, Ausbildung und Studium insbesondere die Zahl der jüngeren Arbeitslosen zurück – allerdings weniger stark als in früheren Jahren. „Jugendliche haben es aktuell schwerer als sonst, nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen zu wer-den“, sagt Martina Lehmann, die Chefin der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim.

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