Altkreis Leonberg Parteichef: Frust bei den CDU-Frauen

Von Thomas K. Slotwinski
16 Jahre hat Angela Merkel in der CDU den Ton angegeben. Doch mit ihrem Abgang gibt es nur noch wenige Frauen in Spitzenämtern der Partei. Foto: dpa/Guido Bergmann

Altkreis Leonberg - Die Kommentare reichen von „nur schwer zu ertragen“, über „schwierig“ bis hin zu „unverantwortlich“: Bei den Frauen der CDU im Altkreis Leonberg ist der Frust groß, dass die Wahl des kommenden Bundesvorsitzenden der Partei eine reine Männersache zu werden scheint.

Kerstin Bangemann, Renningen

„Unsere Partei ist noch nicht reif für Frauen.“ Dieses Fazit zieht Kerstin Bangemann. Die Chefin der Renninger CDU macht dies am mangelnden weiblichen Nachwuchs fest: „Es gibt kaum Frauen, die für höhere Aufgaben aufgebaut wurden. Selbst die Namen jener, die Armin Laschet in sein Wahlkampf-Team geholt hatte, sind aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden.“

Fehlende Frauen in Führungspositionen sind trotz 16 Jahren Angela Merkel für Bangemann kein bundespolitisches Problem: „Das zieht sich bis in die unteren Ebenen durch. Fast überall streiten sich nur ältere Männer um Posten.“ Das sich abzeichnende Duell zwischen Friedrich Merz und Norbert Röttgen ist für die Chefin einer Agentur für Webdesign und Marketing „die Wahl zwischen Pest und Cholera“. Wenn aber zwischen den beiden entschieden werden müsse, ist sie für Röttgen: „Alles andere ist schwer zu ertragen.“

Elke Staubach, Leonberg

Röttgen wäre auch für Elke Staubach eine vertretbare Lösung. Gleichwohl wünscht sich die Chefin der Leonberger CDU-Fraktion und Vorsitzende der Frauen-Union im Kreis Böblingen eine Kandidatin für den Bundesvorsitz: „Die Frage ist nur, wer bereit ist anzutreten, auch auf die Gefahr hin, am Ende nicht gewählt zu werden?“ Bundesweite Bekanntheit, davon ist Staubach überzeugt, sei nötig, um gute Chancen zu haben. Für die Leonbergerin wäre die saarländische Bundestagsabgeordnete Nadine Schön eine überzeugende Bewerberin: „Aber auch hier stellt sich die Frage der nicht ausreichenden Prominenz.“

Irmgard Schopf, Gerlingen

Diese Frage treibt Irmgard Schopf ebenfalls um: „Ich sehe keine bundesweit prominente Frau für die Kandidatur. Warum ist das so?“ Eine Ursache nennt die langjährige Stadträtin aus Gerlingen: „Die Frauen haben es schon an der Basis schwerer. Wir haben einfach noch nicht die Gleichberechtigung, die sich die allermeisten wünschen.“

Nach wie vor, so sagt die Druckerei-Inhaberin, ist das Thema Familie weitgehend Frauen-Sache: „Vielen fehlt einfach die Zeit für politisches Engagement. Das ist nicht nur in der CDU so, sondern überall.“ Sollte es nun auf einen männlichen Parteichef zulaufen, so tendiert die Gerlingerin zu Norbert Röttgen: „Der polarisiert nicht so wie Merz.“

Christina Almert, Rutesheim

Aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl macht Christina Almert: „Wenn ich Zukunft möchte, muss die Partei jugendlicher und weiblicher werden“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende im Rutesheimer Gemeinderat. „Was gerade läuft, ist alles andere als ein Aufbruch.“ Dass es keine Doppelspitze in der CDU gibt, kann Almert nicht verstehen: „Bei den anderen geht das doch auch.“

Das Argument, eine Bundesvorsitzende brauche hohe Bekanntheit und Erfahrung, lässt die Chefin von Baumärkten in Rutesheim und Ditzingen nicht gelten: „Bei der SPD war Saskia Esken auch kaum bekannt und auf das Amt nicht vorbereitet. Und sie hat es trotzdem gemacht.“

Dem Kandidatenduo Merz/Röttgen kann Almert überhaupt nichts abgewinnen: „Beide sind schon gescheitert. Warum muss man das wieder aufkochen?“ Für die Rutesheimerin steht fest: „Unter den ernsthaften Kandidaten muss eine Frau sein.“

Elke Meller, Leonberg

Nicht ganz so hart ins Gericht mit ihrer Partei geht Elke Meller von der Senioren-Union. Eine Art Doppelspitze könnte ermöglicht werden, wenn sich auch die Kandidaten für die Position des Generalsekretärs zur Wahl stellen, sagt die Leonbergerin. In der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien sieht sie eine gute Aspirantin für den Chefsessel.

Die Parteiämter per Quote zu besetzen, davon hält Elke Meller aber nichts: „Frauen sollen gefördert, gestärkt werden, dass sie sich qualifizieren und dann nicht aufgrund des weiblichen Geschlechtes, sondern ihres Könnens wegen eingestellt werden.“

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