Aktion Notnagel/Helfen mit Herz Unbürokratische Hilfe im Notfall

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Sind die Voraussetzungen für das Homeschooling nicht gegeben? Auch hier helfen die Vereine aus Renningen und Weissach. Foto: Pixabay

Renningen/Weissach - Was tun, wenn in der Kurzarbeit das Geld für die Miete knapp wird, wenn eine hohe Strom-Rechnung das Haushaltsbudget sprengt oder die Waschmaschine den Geist aufgibt, aber kein Geld für eine Neuanschaffung da ist? Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Coronapandemie schlagen immer öfter auch hierzulande auf. Oft ist dann schnelle, unbürokratische Hilfe gefragt. Hier setzen bürgerschaftliche Initiativen an wie die Aktion Notnagel in Renningen oder Helfen mit Herz in Weissach.

„Die Folgen der Pandemie machen sich auch bei uns bemerkbar“, bestätigt Gerhard Kicherer. Der frühere Rektor der Renninger Grund-, Haupt- und Werkrealschule ist Vorsitzender des seit 1995 bestehenden Vereins Gemeinschaftswerk Aktion Notnagel Renningen. „Viele Leute haben als Folge der Kurzarbeit ohnehin schon weniger Geld“, so Kicherer. „Wenn dann noch plötzliche, unerwartete Ausgaben hinzukommen, geraten Menschen, die schon vorher in prekären Situationen gelebt haben, ins Schlingern.“

Hier kann der gemeinnützige, Verein, der sich über Spenden finanziert, ansetzen. Denn die Aktion will helfen, konkrete Notsituationen in Einzelfällen abzuwenden. Das kann beispielsweise Hilfe bei einem Wohnungswechsel oder bei Mietrückständen sein. Oder wenn in Zeiten von Homeschooling mit Online-Unterricht die Schüler zwar auf die 280 von der Stadt Renningen zur Verfügung gestellten Tablets zugreifen könnten, doch es Familien gebe, die gar nicht online seien. Auch hier hat der Verein jetzt schon in 13 Fällen konkret geholfen, so Gerhard Kicherer.

Aber der Vereinsvorstand macht auch klar, dass es ohne Nachweis der Bedürftigkeit keine Hilfe gibt. „Wir wollen schon genauer wissen, wie die Bedürftigkeit zustande gekommen ist. Ein bisschen Rückversicherung müssen wir einholen, es handelt sich schließlich um Spendengelder“, erklärt Kicherer, der auch für die SPD im Gemeinderat sitzt.

Außerdem lege man ebenfalls Wert darauf, dass der offizielle Weg zur Hilfe ausgeschöpft sei, denn oft hätten die Menschen Anspruch auf staatliche Unterstützung wie etwa Wohngeld. Hierzu arbeite man eng mit den Sozialen Diensten bei der Stadt zusammen, erklärt der Vereinsvorsitzende. Diese seien wichtige Partner für die Arbeit des Vereins.

Zahl der Anträge auf Hilfe steigen

Susanne Schmidt-Redl, die Leiterin der Abteilung Soziales und Senioren bei der Stadt, bestätigt, dass es im Jahr 2020 überproportional viele Anträge im sozialen Bereich gegeben habe, etwa auf Grundsicherung, Wohngeld und Kinderzuschlag gegeben habe, letzteres sei sogar von 19 auf 72 Fälle gestiegen. Darüber hinaus seien durch Notnagel viele Familien und Alleinstehende finanziell unterstützt worden, die akut durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen waren, erklärt ihre Kollegin Ingrid Schmidt von der städtischen Sozialberatung.

Nicht immer geht es um große Beträge, mit denen der Verein akute Not lindert. Der Umfang der durchschnittlichen Hilfeleistung liege bei etwa 300 Euro, sagt Gerhard Kicherer. Wo es Sinn mache, würden auch Gutscheine für Lebensmittel oder Kleidung ausgegeben. Insgesamt verteilt der Verein pro Jahr in etwa 200 Fällen einen fünfstelligen Betrag im unteren Drittel.

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