AKK zieht sich zurück CDU-Basis: Frust über „Königsmörder“

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Annegret Kramp-Karrenbauer (links) und Kanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa/Michael Kappeler

Leonberg - Die Zukunft der CDU müssen die Mitglieder auf Regionalkonferenzen diskutieren. Das fordert der Böblinger Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz in seiner Reaktion auf den angekündigten Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer. „Wir dürfen uns jetzt nicht spalten und im Streit auseinandergehen“, ist Biadacz überzeugt. „Daher sollten wir gemeinsam diskutieren, wie wir die CDU für die Zukunft ausrichten.“

Biadacz will es nicht bei Worten belassen: Am Samstag wird es ein Treffen geben, bei dem sich alle CDU-Mitglieder aus dem Kreis aussprechen. Das Bürgerhaus in Renningen ist für 16 Uhr angemietet.

„Das wird eine offene, politische Diskussion“, sagt die dortige CDU-Vorsitzende Kerstin Bangemann. „Denn das ist genau das, was wir in der CDU jetzt brauchen, um wieder stark zu werden.“

Sie selbst war erschrocken über den Rückzug von AKK. „Ich bedauere das sehr, aber ich denke, sie hatte keine andere Wahl“, sagt Bangemann. An der Basis in Renningen seien AKK-Anhänger und solche, die lieber Friedrich Merz als führenden CDU-Politiker sehen, zuletzt ausgewogen gewesen. Kerstin Bangemann zählt sich selbst eher zum Lager von Kramp-Karrenbauer. Dennoch sagt sie jetzt: „Ich würde mir wünschen, dass es Friedrich Merz macht, er ist ein guter Kandidat.“

„Sie sah müde und abgekämpft aus“

Joachim Oehler, der Vorsitzende der CDU Weil der Stadt, war ebenfalls überrascht vom Rückzug der Bundesvorsitzenden: „Sie sah zwar zuletzt müde und abgekämpft aus, aber damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.“ Oehler findet es respektabel, dass Annegret Kramp-Karrenbauer so viel Verantwortung und Größe zeige. „Wir hier in Weil der Stadt haben sie immer unterstützt“, berichtet er von der Stimmung an der Basis. Zuletzt habe man ihr noch in Leonberg beim dortigen CDU-Neujahrsempfang applaudiert. „Ihre Rede dort fand ich gut, zum Teil sehr gut“, sagt Joachim Oehler. „Ich kann alles unterschreiben, was sie dort gesagt hat.“

Auch Elke Staubach macht keinen Hehl aus ihren Sympathien für die scheidendende Parteichefin. „Wir hatten nach dem Neujahrsempfang in der Stadthalle viele positive Rückmeldungen“, sagt die Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion in Leonberg. „AKK kam offen und bürgernah herüber.“

Wie es jetzt weitergeht, weiß Staubach selber nicht genau: „Dass unsere Partei sehr viele Strömungen hat, ist bekannt. Aber jetzt driftet sie regelrecht auseinander.“ Ein Stück weit fühlt sich die Kommunalpolitikerin an den Sturz von Andrea Nahles bei der SPD erinnert: „Man muss fast meinen, AKK wurde wegkatapultiert, damit sich andere in Stellung bringen können.“ Diese seien aber für den Vorsitz nicht geeignet: „Ich habe keine Lust, die Königinnenmörder vorne zu sehen.“

Zander fordert Sonderparteitag

Für Oliver Zander ist nun wichtig, dass es sehr schnell einen Sonderparteitag gibt. „Wir müssen sehr zeitnah die Dinge klären“, sagt der Chef des CDU-Stadtverbandes in Leonberg und Landesvorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung. Ob die Partei nun einen konservativeren Kurs fahren soll, ist für Zander offen: „Die Frage ist doch: Was ist konservativ? Sind das die Inhalte des Merz-Lagers? All diese Themen müssen wir zügig klären und nicht nur über Personal sprechen.“

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