AK Asyl in Renningen Im Integrationsgarten wächst die Vielfalt

Von Regine Brinkmann
Im Gemeinschaftsgarten des Arbeitskreises Asyl Renningen gibt es reichlich zu gießen, zu ernten und zu jäten. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Etliche Karren mit Pferdemist hat Integrationsmanager Jörg Hamm zum Auftakt der Gartensaison zusammen mit Neubürger Korban Rezai aus Afghanistan in die Renninger Krautgärten gebracht. Denn hier hat der Arbeitskreis Asyl Renningen (AKA) ein ganz besonderes Integrationsprojekt gestartet: die Bewirtschaftung zweier Parzellen durch Familien unterschiedlicher Herkunft.

Der wertvolle Dünger ist schon lange eingebracht, was daraus erwuchs, ist von großer Vielfalt. Nicht nur, was die Ernte betrifft. Acht Familien aus Deutschland, Eritrea, Afghanistan und der Türkei haben sich zu diesem Gartenprojekt zusammengefunden und bewirtschaften gemeinsam die beiden städtischen Äcker von rund 200 Quadratmetern, die dem Arbeitskreis Asyl kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

Ein Ort des Miteinanders

Mit der finanziellen Unterstützung des Landratsamts Böblingen konnten eine Gerätekiste gebaut und die dazugehörigen Gartengeräte angeschafft werden. Übers Jahr sind auf den Parzellen nun schon Bohnen, Zucchini, Spinat, Kartoffeln, Zwiebeln und vieles andere gewachsen, auch ein paar Sonnenblumen nicken noch im herbstlichen Wind. „Das Projekt auf die Beine zu stellen, war nicht einfach“, meint Janna Tröster vom AKA, „wegen der Coronabestimmungen im letzten Herbst war es sehr schwer, sich zusammenzufinden und kennenzulernen“, doch sie haben es geschafft. Schwierig sei es gewesen, Familien zu finden, die den Garten auch in der Gemeinschaft bearbeiten wollten. „Etliche Interessenten wollten ein Stück der Parzelle für sich alleine bewirtschaften. Doch nur den Acker zu bestellen, ist nicht unser Ziel“, erklärt Janna Tröster, „wir wollen die Parzellen gemeinschaftlich bewirtschaften.“ Denn der Gemeinschaftsgarten ist nicht nur Gemüselieferant für die Gärtner. Er ist vor allem ein Ort, sich kennenzulernen, sich auszutauschen und Zeit miteinander zu verbringen.

Experimente mit Sorten aus der Heimat

Auch Korban Rezai und Abrahe Ftsum aus Eritrea sind an einem der letzten warmen, sonnigen Frühherbsttage auf dem Acker. Sie schauen, was erntereif ist, gießen und jäten Unkraut. „Schon als Kind habe ich gerne im Garten gearbeitet. Zu sehen, wie die Pflanzen wachsen und gedeihen, macht mir große Freude“, erzählt Korban. Der Garten wird zwar größtenteils gemeinschaftlich bewirtschaftet, doch Korban hat ein kleines Feld für sich. Hier experimentiert er mit Gemüse aus seiner afghanischen Heimat. „Ist schwierig“, meint er und stützt sich auf die Hacke. „Boden und Klima sind ganz anders, ich muss einfach ausprobieren, was davon gut wächst.“ Dieses Jahr hat es wohl leider nur der Lauch geschafft.

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Währenddessen füllt Abrahe Gießkanne um Gießkanne und versorgt Grünkohl und Salat mit Wasser. Auch er hat schon als Kind im elterlichen Nutzgarten mitgeholfen und liebt die Arbeit im Grünen. „Ich will lernen, was hier wächst und wie es angebaut wird“, ist Abrahe wichtig – und Kobran nickt.

Ein internationales Schlemmerfest

Für beide ist so manches, was sie hier ernten, kulinarisches Neuland. Wie der Grünkohl, doch es wird alles probiert. Schließlich haben die Familien viel Zeit und Arbeit investiert. „Alle haben mitgeholfen. Wir haben zum Beispiel einen komplexen Gießplan erstellt, das war ein echter Kraftakt. Doch es hat wirklich super geklappt“, freut sich Janna Tröster. „Jeden zweiten Samstag haben wir uns getroffen, um zu besprechen, wer was machen kann. Und dann haben wir zusammen gepicknickt und geredet und erzählt.“ Das ist es, was der AKA erreichen will.

Kürzlich haben die acht Familien ihr Saisonabschlussfest mit Spezialitäten aus ihren Heimatländern gefeiert. Jeder hat etwas mitgebracht und aus den kleinen Picknickrunden letztlich ein internationales Schlemmerfest gemacht. Damit kehrt langsam Winterruhe im Garten ein, solange, bis Jörg Hamm wieder mit Fuhren von Pferdemist das neue Gärtnerjahr eröffnet.

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