Ärger in Leonberg 2300 Falschparker in vier Monaten angezeigt

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Die Nachbarschaft ist nicht begeistert von den Falschparker-Meldern und tut dies auch hin und wieder kund. Foto: Otto/LKZ

Leonberg - Guck, die steht schon wieder am Fenster“, sagt eine Frau zu ihrer Freundin, mit der sie gerade den Marktplatz herunter schlendert. „Sie“, das ist Regina Arendt. Die Anwohnerin am Leonberger Marktplatz, die mit ihrem Mann Michael im zweiten Stock eines der historischen Häuser wohnt. In der vergangenen Woche haben die beiden eine steile mediale Karriere hingelegt. „Anwohner schreibt 2200 Falschparker auf“ titelte eine Boulevard-Zeitung. Anschließend wurde der Bericht hundertfach in den sozialen Netzwerken kommentiert. Das Fernsehen war da. Auf dem Markt, bei ansässigen Händlern und Gastronomen ist es derzeit das Thema schlechthin.

Es klingelt. Regina Arendt schaut erst aus dem Fenster, bevor sie den Summer betätigt. „Entschuldigen Sie, ich bezieh’ gerade mein Sofa neu“, sagt sie, bevor sie einen Platz anbietet. Vieles hat sie in dem Altbau selbst gestaltet. Und zwar so gründlich, dass es wie vom Profi gemacht aussieht.

Autos stehen „kreuz und quer“

Gründlich gehen sie und ihr Mann auch vor bei dem Thema, dass sie so sehr stört: die Falschparker vor ihrer Haustür am oberen Markt. Sie führen ein Liste und füllen entsprechend ein Formular aus, das sie selbst erstellt haben. Damit zeigen sie Falschparker dann bei der Stadt Leonberg an. „Die Parksituation hat sich in den letzten fünf Jahren drastisch verschlimmert“, sagt Regina Arendt, die seit fünf Jahren am Markt wohnt. Kreuz und quer würden Autos abgestellt. Vor dem Biomarkt oder dem Dönerladen, wo dann kaum ein anderes Auto vorbeikomme. Im absoluten Halteverbot. Auf dem Behindertenparkplatz ohne entsprechenden Ausweis. „Wenn man dann nachfragt, heißt es: Ich muss nun mal schnell...“, sagt Arendt. „Ich kann es nicht mehr hören. Ich lasse mein Auto ja auch nicht mitten in der Königstraße in Stuttgart stehen.“

Foto: LKZ/Otto
Regina Arendt redet sich in Rage. Zeigt Fotos. Auf einem ist zu sehen, wie ein Feuerwehrauto nicht vom Markt wegfahren kann, weil ein Auto in der Graf-Ulrich-Straße parkt. Ein anderes Auto käme vermutlich vorbei, die Feuerwehr nicht. „Das war nach einem Gasalarm im vergangenen Jahr.“ In einem anderen Fall stehen zwei Wagen quer auf dem Behindertenparkplatz, bis fast an die Hauswand. Da komme niemand mit Kinderwagen oder Rollator vorbei. Auch viele der ansässigen Gewerbetreibenden würden ihre Autos dort abstellen, wo es nicht erlaubt ist, und das nicht nur zum Be- und Entladen.

Pampige Antworten vom Ordnungsamt?

Als das Ehepaar immer öfter solche Vorfälle mitbekommt, wendet es sich ans Ordnungsamt. „Von da erhielten wir irgendwann nur noch pampige Antworten.“ Dann wendeten sie sich an die Stadtspitze. „Es gab ein Gespräch mit dem früheren Oberbürgermeister Bernhard Schuler und dem Ersten Bürgermeister Ulrich Vonderheid. Aber man hatte das Gefühl, was wir sagen geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“, berichtet Regina Arendt. Der jetzige OB Martin Cohn habe bei Amtsantritt versprochen, sich mit allen Beteiligten in der Altstadt zusammenzusetzen. Das sei bis heute nicht erfolgt.

„Es soll doch nur das gemacht werden, wofür das Ordnungsamt auch zuständig ist“, fordert Arendt. Und das sei eben, Falschparker zur Rechenschaft zu ziehen. Irgendwann reichte es dem Paar und es fing an, diese selbst anzuzeigen. Und das nicht nur ein paar Mal. In viereinhalb Monaten haben sie mittlerweile 2300 Privatanzeigen abgegeben. „Wir wissen aber nicht, ob und inwiefern diese verfolgt werden. Von der Stadt erhalten wir keinerlei Rückmeldung.“ Und man zeige auch nur Falschparker an, und nicht die ohne Parkschein. Am schlimmsten sei es am Wochenende, vor allem sonntags. „An einem Sonntag haben wir innerhalb von dreieinhalb Stunden 112 Falschparker aufgeschrieben. Da muss man sich doch fragen, warum das Ordnungsamt da nicht vorbeischaut“, kritisiert Regina Arendt. Der Vollzugsdienst komme stattdessen mal ganz früh morgens oder nach Geschäftsschluss. Dabei ist das Alte Rathaus, wo auch das Ordnungsamt sitzt, gerade mal drei Häuser weiter.

Sie sorgen für Zündstoff

Die Aktivitäten der Familie sorgen immer wieder für Zündstoff. Sie würden von Nachbarn beschimpft und bedroht. Eine Anwohnerin befestigte erst vor zwei Tagen in der Klosterstraße ein Schild, wo sie darauf hinwies, dass um die Ecke gefilmt und fotografiert werde. Auch in den sozialen Netzwerken sind die Reaktionen teils heftig. Doch es gibt auch Zuspruch. Denn auch das ist Teil der Geschichte: Die Altstadt hat ein Parkproblem. „Im Biomarkt einkaufen, aber keine drei Schritte ins Parkhaus laufen wollen“, nennt es Regina Arendt, die selbst von daheim aus arbeitet.

Aus der Wohnung am Marktplatz will das Ehepaar aber nicht weg. „Warum denn? Wenn wir jetzt drei Schritte zurück machen, dann fängt der ganze Käse doch wieder von vorne an“, ist sie überzeugt.

Dabei wünsche man sich doch eine bessere Altstadt. „Mir wäre es lieber, wenn sich Anwohner, Händler und Stadt zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wie man das Problem löst“, sagt Arendt. „Von mir aus können noch zwei Lokale am Markt aufmachen, wenn dafür alles sauber und ordentlich hergerichtet ist.“ Veranstaltungen wie etwa der Altstadtgarten vor Kurzem zeigten doch, dass der Marktplatz attraktiv sein kann.

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