Adrienne Braun beim Strohländle Launige Lesung im Zelt

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Hessisch, Schwäbisch, Hochdeutsch: Adrienne Braun nutzt ihr Sprachtalent ausgiebig bei ihren Auftritten. Foto: Jürgen Bach

Leonberg -

Es regnet seit Tagen, das ist echtes Pech für das Strohländle, das doch auf gutes Wetter angewiesen ist. Am Literarischen Montag ist es zwar selten besonders voll auf der Engelbergwiese im Vergleich zu den Band-Auftritten an den Samstagen, aber angesichts des Wetters haben nur etwa 50 Besucher den Weg zur Lesung von Adrienne Braun gefunden. Immerhin rund 150 waren es jeweils in den vergangenen Jahren. Doch das Zelt ist gemütlich eingerichtet, warme Decken liegen bereit und es gibt keine Warteschlangen an der Theke.

Bereits viermal hat die Autorin und Journalistin auf dem Strohländle gelesen. Diesmal stellt sie in einer Vorpremiere ihr neues Bühnenprogramm „Ding, Blabla und Tralala“ vor. Die Besucher erwartet kein Kabarett, keine Schenkelklopfer. Es ist ein durchaus anspruchsvolles, aber auch sehr unterhaltsames Programm. Viele sind Stammgäste ihrer Lesungen und Fans ihrer wöchentlichen Kolumne in der Stuttgarter Zeitung, die auch in der Leonberger Kreiszeitung erscheint. Renate Schach hat sie schon öfter live gesehen und verschenkt auch gerne ihre Bücher: „Adrienne Braun ist immer klasse, so unterhaltsam“, sagt Schach.

Agiles Mundwerk ist von Vorteil

Wie sind wir, was macht uns aus, wie spiegelt sich das in der Sprache, das sind ihre wiederkehrenden Themen. Geboren in Wiesbaden, kann sie nicht nur hochdeutsch schreiben, sondern auch schwäbisch und hessisch sprechen und nutzt dieses Sprachtalent ausgiebig. Das von ihr lieb gewonnene Schwäbische, so schildert sie, habe sie bereits in der Schule eingeübt. Ein agiles Mundwerk sei von Vorteil dabei gewesen. Und immerhin sei Schwäbisch ja eine sehr effiziente Sprache.

Während der Norddeutsche eine Bitte umständlich formuliere im Sinne von: „Würde es wohl möglich sein, dass du mir vielleicht bei Gelegenheit einen Gefallen tun könntest“, fasst der Schwabe eine solche Bitte kurzerhand zu einem schlichten aber eindeutigen „Dädsch m´r“ zusammen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Strohländle – Feiern und Tanzen mit Abstand

Mehr zur schwäbischen Kultur gibt es in ihrem Buch zu lesen: „Wer hoißt hier denn noch Häberle? Die ganze Wahrheit über Stuttgart. Einführung in die Vorlieben, Abneigungen und Besonderheiten eines ganz besonderen Völkchens.“ Als bekennende Stuttgart-Expertin und Wahl-Stuttgarterin ist es ihre erste Aufgabe, die wahre Seele der Stuttgarter aufzuspüren.

Alte Schlager

Von tierischem Nonsens über philosophische Ergüsse bis hin zu intimen Offenbarungen über Abtrocknungsmethoden nach dem Duschen bietet Adrienne Braun eher laute Zwischentöne der menschlichen Befindlichkeiten, die sie mithilfe imaginärer Freundinnen erzählt.

Und dann kommt doch noch ein Schenkelklopfer: Ihr kommen ständig alte Schlager in den Sinn. Beim Stichwort Strohländle singt sie leise „Am Tag als der Regen kam“ vor sich hin. Für den Regen ist Organisator Johannes Leichtle natürlich nicht verantwortlich, aber dass er ihr kein Mikrofon für den Abend stellen konnte, ist ein wenig schade, denn trotz starker Stimme sind nicht alle Feinheiten und Gags bis zu den hinteren Plätzen im Festzelt zu verstehen. Doch Adrienne Braun und die Besucher zeigen sich flexibel und rücken in der Pause einfach etwas enger zusammen, immerhin sind ja alle geimpft, getestet oder genesen.

Viele englische Begriffe

Vor allem die vielen englischen Begriffe, die mittlerweile Einzug in unseren Sprachalltag gefunden haben, nimmt sie auf die Schippe. Kontaktpflege heißt zum Beispiel jetzt Teambuilding. „Heute muss man so tun, als würde man auf Englisch denken“, sagt sie und denkt weiter: „Was, wenn ich auf der Post fragen würde, wann sie am Samstag closen oder dem Bäcker mitteilen würde, dass sein Brot den Peak überschritten habe.“

Wer Adrienne Brauns neues Programm kennenlernen möchte: Premiere ist am 29. Oktober im Stuttgarter Renitenz-Theater.

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