Abstellplätze in Leonberg Neben dem Parkhaus gibt es jetzt ein Radhaus

Von
Im Schatten des großen Parkhauses steht am Bahnhof jetzt das Radhaus. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Das Fahrrad sicher am Leonberger Bahnhof abzustellen, kostet 70 Euro im Jahr. Das haben die Gemeinderäte im sogenannten Umlaufverfahren beschlossen. In Betrieb gehen soll das „Rad-Haus“ beim Parkhaus am Bahnhof voraussichtlich Anfang Mai.

Trotz der Corona-Krise ist das kommunalpolitische Geschehen nicht völlig lahmgelegt. Zwar entfallen sämtliche Sitzungen der städtischen Gremien, doch um dringliche Beschlüsse fassen zu können, wurde für die Sitzungen Ende März auf das sogenannte Umlaufverfahren zurückgegriffen. Grundlage dafür ist die Gemeindeordnung, wonach über Gegenstände einfacher Art im schriftlichen Verfahren beschlossen werden kann. Ein gestellter Antrag gilt hierbei als angenommen, wenn kein Ratsmitglied widerspricht.

Ein solcher Beschluss ist auch, dass die Fahrrad-Sammelgarage „Rad-Haus“ mit dem Online-Buchungs- und Zugangssystem Bike and Ride Box (www.bikeandridebox.de) in Betrieb genommen wird. Dazu schließt die Stadt ein Betreibervertrag mit der Firma Kienzler Stadtmobiliar aus Hausach im Schwarzwald ab.

Das neue Fahrradparkhaus ist Teil der jahrelangen Bestrebungen, den Bahnhof und sein Umfeld attraktiver zu machen, um mehr Nutzer für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen. Damit ist das „Rad-Haus“ ein weiterer Baustein des Mobilitätspunktes „Bahnhof Leonberg“. Das begrüßt auch der Verband Region Stuttgart so und fördert das Vorhaben über das Programm „Regionale Mobilitätspunkte“.

Probleme bei der Ausschreibung

Der Gemeinderat hatte zwar schon im September 2018 den Bau genehmigt, doch bei der Ausschreibung dann eine unangenehme Überraschung erlebt. Die Kostenschätzungen wurden deutlich überschritten, die Ausschreibung wurde aufgehoben. Die Pläne wurden überarbeitet, die bauliche Ausführung in Teilen vereinfacht.

Die Innenausstattung sieht nun 20 Doppelstockparker und fünf beidseitig nutzbare Schrägparker vor, sodass insgesamt 50 Fahrräder untergebracht werden können. Außerdem gibt es einen Schließfachschrank mit 18 Fächern mit Ablage- und Lademöglichkeit für Netzteile von Pedelec-Akkus.

Das Buchungs- und Zugangssystem „Bike and Ride Box“ mit Lesegerät für die Polygo-Chipkarte ist fester Bestandteil der zugesagten Förderung. Zusätzlich zu den Abstellplätzen im „Rad-Haus“ stehen weitere 102 kostenlose Plätze an der zentralen Fläche direkt am Bahnhof neben Gleis 1 wettergeschützt zur Verfügung.

Die Firma Kienzler kümmert sich als Betreiber im Auftrag der Stadt um die Vermietung und technische Betreuung der Fahrradgarage. Bei technischen Fragen oder Problemen bei Buchung, Nutzung oder Bezahlung ist sie der Ansprechpartner. Wer einen Radparkplatz mietet, ist also Kunde des Unternehmens.

Die Anmeldung erfolgt über die Homepage www.bikreandridebox.de oder die städtische Website. Von zu Hause können über den Computer auf der Buchungsplattform ein freier Stellplatz und die gewünschte Mietdauer ausgewählt werden. Ebenso ist dies vor Ort per Smartphone möglich. Durch Eingabe der Kontaktdaten folgt die einmalige Registrierung. Die Buchung eines Stellplatzes kann auch mit der Polygo-Card erfolgen. Bei diesem Buchungsverfahren werden die Daten über eine PIN eingegeben. Es können die Zahlungsarten PayPal, Kreditkarte, SEPA-Lastschrift ausgewählt werden. Wer bezahlt hat, erhält einen PIN-Zugangscode per E-Mail. Nun kann das Rad am Bahnhof sicher abgestellt werden.

Kein Schlüssel nötig

Der Vorteil ist, dass kein Schlüssel nötig ist, und über die gesamte Mietdauer ein fester Abstellplatz garantiert ist. Auch Gelegenheitsnutzer können das System in Anspruch nehmen, indem sie vor Ort per Smartphone ihren PIN-Code anfordern.

Beim Preis orientiert sich die Stadt an anderen Kommunen. Eine volle Kostendeckung kann sie aber nicht erreichen. Trotzdem wurde den Stadträten empfohlen, die Gebühren niedrig zu halten, gehe es doch um mehr Anreize zum Umstieg auf Rad, Bus und Bahn. Zum Vergleich: Ein Platz fürs Auto in den Parkhäusern Bahnhof oder Altstadt kostet durchschnittlich 60 Euro im Monat.

Die Wartung und Instandhaltung des Gebäudes erfolgt durch das städtische Gebäudemanagement. Mit der Reinigung, der Beseitigung von eventuellen Graffiti und Beklebungen wird der Betreuungs-und Hilfeverein FISH in der Mollenbachstraße beauftragt, der sich schon um die Sauberkeit im Stadtpark kümmert.

Die Preise

Das Fahrrad im Leonberger „Rad-Haus“ abzustellen,
kostet pro Tag einen Euro. Für eine Woche werden vier Euro bezahlt. Der Preis für einen Monat liegt bei zehn Euro, und ein Jahr kostet 70 Euro.

Wer zusätzlich ein Schließfach mit Ladesteckdose in Anspruch nehmen will, dessen Gebühr erhöht sich pro Tag um einen Euro, in einer Woche müssen zusätzlich drei Euro überwiesen werden. Wer das Zusatzangebot einen Monat nutzt, ist mit sechs Euro dabei. Ein ganzes Jahr kostet 40 Euro.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen