Abschiedsgespräch mit Thilo Schreiber „Ich gehe in Dankbarkeit“

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„Ich war hier öfters als bei meiner Familie in Nufringen“: Thilo Schreiber im Weil der Städter Rathaus. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Am Donnerstag war sein letzter Arbeitstag. Thilo Schreiber hatte noch wichtige Gespräche geführt, vor allem mit seinem Stellvertreter Jürgen Katz und mit seinem Nachfolger Christian Walter. Am 2. November übernimmt dann Walter. Bevor Christdemokrat Schreiber endgültig das Rathaus verlässt, hat er Zeit für ein letztes Gespräch.

Herr Schreiber, was ist das für ein Gefühl, hier zum letzten Mal im Rathaus?

Zugegeben, schon etwas komisch. Ich habe hier schließlich acht intensive Jahre meines Berufslebens verbracht, oftmals auch samstags und sonntags, war hier mehr als bei meiner Familie in Nufringen.

Wann haben Sie beschlossen, nicht noch einmal anzutreten? Erst im März, als Sie es bekannt gegeben haben?

Mussten Sie lange überlegen?

Ja, das war im vergangenen Jahr schon ein sehr intensiver Prozess. Aber am Ende habe ich gesagt: Nach 21 Jahren als Bürgermeister will ich endlich wieder ein freies Wochenende haben, mehr Privatleben. Dieses Amt ist sehr anspruchsvoll, das kann man entweder mit voller Kraft oder gar nicht machen. Das Potenzial der Keplerstadt habe ich aber immer gesehen.

Sie hatten in Ihrer Pressemitteilung geschrieben, dass gerade Weil der Stadt sehr viel Kraft gekostet hat. Warum?

Meine Amtszeit hier war überwiegend von Krisenmanagement geprägt, ich musste vieles korrigieren oder einführen, was eigentlich anderswo seit Jahren oder Jahrzehnten Standard ist. Die acht Jahre hier waren so intensiv, wie vorher die 13 Jahre in Loßburg. Und Schmalhans war auch immer Küchenmeister...

„Ich musste Stadt und Verwaltung auf Kurs bringen“

Mit was haben Sie hier in Ihrem Büro die meiste Zeit verbracht?

Mit viel Verwaltungs- und Organisationsarbeit. Ich musste die Stadt und die Stadtverwaltung wieder auf Kurs bringen und wichtige Zukunftsprojekte anstoßen. Auch der Gemeinderat war gespalten, als ich gekommen bin. Die Einigung im Gemeinderat ist mir gelungen, dazu haben aber auch die Gemeinderäte wesentlich beigetragen.

Der Gemeinderat hätte Sie bei der Wiederwahl einmütig unterstützt. Das muss ein Bürgermeister erst einmal schaffen.

Endgültig würde ich das erst wissen, wenn ich tatsächlich angetreten wäre. Aber ich sage ja: Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat war absolut in Ordnung. Wir haben einander respektiert, zugehört und ausreden lassen. Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber wir haben stets zum Wohle der Stadt entschieden. Ich konnte mich auf den Gemeinderat, wenn’s hart auf hart kam, immer verlassen. Dafür bin ich dankbar und auch ein wenig stolz.

Und wie zufrieden sind Sie mit dem Aufbau der Stadtverwaltung?

Es ist vieles besser, effizienter und bürgerfreundlicher geworden, aber ehrlich gesagt: Es gibt noch Luft nach oben. Der Bürgermeister in Weil der Stadt muss viel in der Verwaltung mitarbeiten, immer wieder mahnen und antreiben. Die personellen Rahmenbedingungen könnten besser sein, denn nur mit einer schlagkräftigen, serviceorientierten und bürgerfreundlichen Verwaltung kann ein Bürgermeister erfolgreich sein.

Schreiber begrüßt Raumfahrer von Weltrang

Was war Ihr Höhepunkt in der Stadt?

Neulich erst habe ich das Goldene Buch der Stadt durchgeblättert. In meiner Zeit durfte ich fünf Raumfahrer von Weltrang in Weil der Stadt begrüßen. Zusammen mit der Kepler-Gesellschaft und dem Unternehmer Florian Noller haben wir zum Beispiel die russische Kosmonauten-Legende Alexej Leonow empfangen, das war der erste Mensch, der ein Raumschiff verließ. Hier waren auch der Rekord-Kosmonaut Gennady Padalka, der 878 Tage im All war, Anatoly Solowjov, Nikolai Budarin und der US-amerikanische Astronaut Walt Cunningham vom ersten bemannten Raumflug der Apollo 7.

Repräsentieren gehört auch zum Job des Bürgermeisters. Hat Ihnen das Freude gemacht?

Ja, dafür habe ich mir auch immer viel Mühe gegeben und Zeit genommen. Denken Sie auch an den Neujahrsempfang, den wir aufgebaut haben.

Der wichtigste Termin ist die Fasnet. Sind Sie da immer gern hingegangen?

Natürlich, die Fasnet ist ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Die AHA mit Michael Borger und Daniel Kadasch haben es mir wirklich einfach gemacht, da reinzukommen. Unvergesslich bleiben für mich der Marsch mit den hübschen Zigeunerinnen und Zigeunern nach Leonberg zum Pferdemarkt mit Teilnahme am Umzug, der Umzug in Riquewihr an der Spitze als Siebenerrat, die legendären Ratssitzungen am Schmotzingen und diesjährige Teilnahme mit eigenem Wagen beim Weiler Umzug. Dafür möchte ich ein herzliches AHA-AHA-AHA-Dankeschön sagen.

Fallen Ihnen auch Niederlagen ein?

Richtige Niederlagen nicht, aber empfindsame Rückschläge und Enttäuschungen. Es ist sicher kein Geheimnis, dass ich mir mehr Fortschritte beim Baumarkt oder beim Hotel Krone-Post gewünscht hätte.

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