Abschieds-Interview Thomas Fritsch geht nach 24 Jahren

Von Brunhilde Arnold
Thomas Fritsch wollte ursprünglich nicht Bürgermeister werden – sein Vorgänger ermutigte ihn zur Kandidatur. Foto: /Simon Granville

Seit 1998 ist Thomas Fritsch aus Pforzheim Bürgermeister in Mönsheim. Zum ersten Mal in die Gemeinde kam er 1983 als Verwaltungspraktikant – und war dann ab 1990 Kämmerer.

Sie waren in Mönsheim zuerst Kämmerer, war Bürgermeister Ihr Traumjob?

„Nein, ich habe nicht daran gedacht, dass ich meinen Vorgänger Werner Dangel beerbe. Er hätte sich vom Alter her noch einmal bewerben können. Erst als er mir gesagt hat, dass ich mir Gedanken machen könnte, ob ich mich nicht als sein Nachfolger bewerben möchte, habe ich mir das richtig überlegt. Damals war ich 36 und Beamter auf Lebenszeit. Dann in ein Wahlamt zu wechseln, war schon eine wichtige Entscheidung.

Hatten Sie bei Ihrer ersten Wahl 1998 Gegenkandidaten?

Ja, die Kämmerin von Niefern-Öschelbronn, Erika Fischer, eine sehr kompetente Frau. Ich bin dann mit etwa 57 Prozent der Stimmen gewählt worden.

Wie war damals die Situation der Gemeinde?

Wir hatten zu der Zeit 2600 Einwohner. Der Bebauungsplan für das neue Wohngebiet Gödelmann war zwar schon beschlossen, die Bautätigkeiten begannen aber erst. Dieses Baugebiet hat etwa 350 neue Einwohner in die Gemeinde gebracht. Entsprechend musste die Infrastruktur angepasst werden, etwa durch den neuen Kindergarten Wichtelhaus. Wir haben die Wasserfassung Halden völlig neu gebaut und an die Bodenseewasserversorgung angeschlossen. Dann wurde aufgrund gesetzlicher Änderungen die Komplettsanierung der Kläranlage nötig.

War das Thema Verkehr auch schon so präsent wie heute?

Es gab die sogenannte Todeskreuzung, dort, wo heute der Kreisverkehr am Ortsausgang Richtung Wiernsheim und Wurmberg ist. Da sind in den 1990er Jahren tödliche Unfälle passiert. Um einen Kreisverkehr zu bauen, musste die Gemeinde selbst Grundstücke kaufen.

Wie stand es damals um die Gemeindekasse? Sie waren ja acht Jahre Kämmerer im Ort gewesen.

Um die Finanzen stand es sehr gut. Wir hatten auf einem Sonderkonto für die Erschließung Gödelmann zwar 16 Millionen DM Miese, weil wir viele Grundstücke gekauft hatten. Wir mussten dem Landratsamt sogar einen Tilgungsplan vorlegen. Aber der Run auf die Grundstücke war so groß, dass das Konto innerhalb von drei Jahren ausgeglichen war.

Die Finanzlage hat sich heute inzwischen verändert. Wie kam das?

Durch Investitionen wie etwa in den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens am Paulinensee und die Neugestaltung der Ortsmitte sind unsere Rücklagen zwar zurückgegangen, doch wir haben auch einen Mehrwert für die Bevölkerung geschaffen. Eigentlich steht Mönsheim vom Steueraufkommen pro Einwohner sehr gut da. Aber seit einiger Zeit muss man besonders vorsichtig und sorgsam planen. Nicht nur durch Corona sind Einnahmen weggebrochen, auch das neue Haushaltsrecht hat gezeigt, dass man jetzt nicht jedes Jahr 400 000 Euro auf die hohe Kante legen kann. Außerdem sind wir den schwankenden Belastungen durch Umlagezahlungen ausgesetzt. Der Gemeinderat hat 2021 auf Vorgabe vom Landratsamt Finanzmaßnahmen beschlossen, um die Einnahmesituation zu verbessern. So wurden viele Steuern und Gebühren angepasst.

Hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger einen Haushalt mit Handlungsspielraum?

Am Anfang muss man noch vorsichtig sein, es wird wieder sicher besser werden. Die Finanzausstattung ist gut. Wir haben ein paar Kostenpunkte, etwa das Freibad mit 250 000 Euro im Jahr, das nicht zur Disposition steht, weil es auch ein Teil der Jugendarbeit ist. Aber dadurch haben wir weniger freie Mittel für Investitionen als vergleichbare Gemeinden. Ebenfalls zu Buche schlägt die große Appenbergsporthalle. Außerdem haben wir durch die lang gestreckte Ortslage von Mönsheim ein sehr großes Kanal- und Wasserleitungsnetz, was auch mehr kostet.

Welche größeren Projekte erwarten denn jetzt den neuen Bürgermeister?

Da ist die Neuorganisation der Wasserversorgung zusammen mit den Nachbargemeinden. Dann wird man wahrscheinlich das Hochwasserrückhaltebecken Lerchenhof angehen, wenn die Gemeinde einen Zuschuss bekommt. Schließlich kommt es darauf an, was mit der Gemeinschaftsschule passiert. Wenn die, wie in der Diskussion, nach Wiernsheim umzieht, soll in den seitherigen Räumen ein Kinderbildungszentrum eingerichtet werden – mit Kindergarten und Grundschule. Dort könnte man mehr Kitaplätze schaffen, die der Gemeinde auf lange Sicht ausreichen würden.

Auch städtebaulich steht einiges an?

Ja, die Ortskernsanierung läuft noch, unser größtes Projekt, die Sanierung des alten Rathauses, ist gerade fertig geworden. Dann ist der Umbau der Iptinger Straße im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs geplant, wo neuer Wohnraum entstehen soll. Und durch den mittelfristigen Wegzug der Firma Binder aus der Ortsmitte bietet sich auch dort die Chance, dass ein schönes Areal entsteht.

Sie werden kurz nach Ihrem Dienstende 60 Jahre alt. Eigentlich noch recht jung für einen Pensionär …

Mir ist die Entscheidung, jetzt aufzuhören, schwergefallen. Aber ich wollte mich nicht für nur zwei oder vier Jahre wählen lassen, doch weitere acht Jahre waren mir zu lang. Corona und die Flüchtlingskrise waren sehr belastend, weil man hier die Dinge nicht selbst beeinflussen konnte. Dazu kommt meine private Situation mit meinen Enkeln in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich möchte da vielleicht wieder etwas gut machen, was ich bei meiner eigenen Familie durch meinen Beruf nicht so leisten konnte. Doch ich werde von Neuhausen aus weiter beobachten, was in Mönsheim passiert. Auch möchte ich Vorsitzender des DRK-Ortsvereins bleiben. Ich werde auf jeden Fall nichts mehr machen, wofür ich Geld bekomme und mich binden muss.

Was werden Sie wohl am meisten vermissen im Ruhestand?

Die Kollegen hier im Rathaus, aber auch die Bürgermeister-Kollegen, mit denen mich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet, die ich mir nicht besser hätte vorstellen können. Nach der langen Zeit hier war das nicht nur ein Job, sondern mehr. Man muss erkennen, dass man als Bürgermeister nicht nur sein eigenes Süppchen kocht, sondern dass alles, was man tut, sich auf die Menschen auswirkt, die hier leben. Und dafür ist man vereidigt und verpflichtet.

Zur Person

Thomas Fritsch
  studierte an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Kehl und war nach seinem Examen 1987 zunächst Kämmerer in Mötzingen, Kreis Böblingen. 1990 wechselte er als Kämmerer nach Mönsheim, wo er bereits 1983 bis 1985 ein Verwaltungspraktikum absolviert hatte. 1998 wurde er zum ersten Mal als Bürgermeister gewählt, 2006 und 2014 im Amt bestätigt.

Neuer Bürgermeister
  Zum Nachfolger von Thomas Fritsch wurde unter drei Bewerbern der 26-jährige Verwaltungsfachangestellte Michael Maurer aus Stuttgart mit gut 57 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Er tritt sein Amt am 19. August an.

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