Abschied vom Koloss nordirischer Politik Derrys Friedensstifter

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Der letzte Applaus für den Mann, der Nordirland den nicht mehr erhofften Frieden brachte. Foto: AFP/PAUL FAITH

Derry - In der nordirischen Stadt Derry ist am Mittwoch ein Koloss der irischen Politik zu Grabe getragen worden. John Hume, der langjährige Führer der moderaten Katholiken der Provinz, war der einsame Vordenker, hellsichtige Architekt und unermüdliche Promoter eines Prozesses, der den Nordiren zur Jahrhundertwende erstmals in ihrer Geschichte Frieden bescherte – nach einer Ewigkeit blutiger Gewalt.

An der Begräbnisfeier nahmen Irlands Präsident Michael D Higgins, der irische Regierungschef Micheál Martin und Repräsentanten Londons und der nordirischen Selbstverwaltung teil – was die Bedeutung Humes für die Gesamtheit der Britischen und Irischen Inseln unterstrich. Präsident Higgins hatte den im Alter von 83 Jahren Verstorbenen bereits als einen Politiker gewürdigt, der vollbracht habe, „was nur wenige für möglich gehalten hätten“. Regierungschef Martin sprach von Hume als von einem „großen Helden und wahren Friedensbringer“, der „durch die dunkelsten Tage die Hoffnung am Leben hielt“.

Friede schien lange Zeit ein trotziger Traum

In der Tat schien Friede lange Jahre trotziger Traum für die meisten Menschen in Nordirland. Die Realität bestand aus haarsträubenden Bürgerrechts-Verletzungen, wütenden Protesten der Entrechteten, Armee-Einsätzen, Terror-Aktionen, Internierung, Bombenanschlägen, täglichen Angriffen überall.

Hume, aufgewachsen „an der Frontlinie“ des Konflikts, in Derrys Katholikenviertel Bogside, war ursprünglich Lehrer. Er wurde zu einer der prominentesten Stimmen der nordirischen Civil-Rights-Bewegung, die Ende der 1960er-Jahre gegen den unionistisch-protestantischen Alleinherrschafts-Anspruch in der Provinz aufbegehrte. Im Unterschied zu jenen Katholiken, die sich bei den darauf folgenden Unruhen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) anschlossen, vertrat Hume auf dem Weg zu einem wiedervereinigten Irland eine gewaltlose Politik.

John Hume setzte sich regelrecht störrisch für seine Sache ein

Er wurde Vorsitzender der neubegründeten Sozialdemokratischen und Arbeiter-Partei (SDLP), errang einen Sitz im Europa-Parlament und wenig später auch einen im britischen Parlament. Mit endloser Geduld, manchmal regelrecht störrisch, setzte er sich für seine Sache ein. Freilich sollte es viele mühsame Anläufe brauchen, bis sich sein Traum verwirklicht: Bis 1998 das Belfaster Karfreitags-Abkommen unterzeichnet wurde, das beide Seiten in Nordirland in einen neuartigen Friedensprozess einband.

Das Kunststück, das Hume fertig brachte, war die Beteiligung der Unionisten und der Republikaner ebenso wie Londons und Dublins. Lange Jahre zog sich John Hume mit seinen Friedensplänen abfällige Bemerkungen von beiden Seiten zu. Militante Unionisten wie Ian Paisley wollten von Verständigung nichts wissen. Und IRA-Hardliner hielten den SDLP-Chef für einen „Fantasten“ – bis es Hume gelang, den Republikaner-Boss Gerry Adams zu geheimen Verhandlungen zu überreden und nach und nach Widerstände auf allen Seiten abzubauen.

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