Abgebrannte Schützengilde in Rutesheim Hohe Auflagen machen den Wiederaufbau teuer

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Vereinsvorsitzender Willi Wendel (2.v.l.) und Kassierin Monika Fischer freuen sich auf die Zuschüsse der Stadt Rutesheim, vertreten durch den Ersten Beigeordneten Martin Killinger (links), und die Spende von Jens Gehrt von Netze BW. Foto: factum

Rutesheim - Mit schrillem Gekreisch frisst sich der Schlagbohrer in den Betonpfeiler, ein Kran hievt einen Stahlträger heran: Auf der Baustelle des Vereinsheims der Schützengilde Diana im Wald zwischen Rutesheim und Flacht herrscht gegenwärtig Hochbetrieb. Wenn das Wetter mitspielt, könnte vor dem Wintereinbruch die Halle für Luftgewehr, Luftpistole und die Laseranlage für die Jugend neu aufgebaut sein.

„Wir beschäftigen nur Handwerker aus dem Umland, wenn etwas nicht passt, lässt sich das schnell im Gespräch klären“, sagt der Oberschützenmeister Willi Wendel, der Vorsitzende des Vereins. Doch heute sind er und die Schatzmeisterin des Vereins, Monika Fischer, nicht vorbeigekommen auf der Baustelle, um mit anzupacken oder sich ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zu machen. Jens Gehrt von Netze BW und Harald Müller von der EnBW hatten sich mit einer Spende angekündigt – im Gepäck einen Scheck über 1068,30 Euro.

Spende durch Zählerstand-Ableser

Wieso ein solch ungerader Betrag? Netze BW ruft seit 2018 die Kundschaft über die Aktion „Zählerstand online erfassen“ dazu auf, ihr den Stand des Stromzählers nicht mehr per Post, sondern mittels elektronischer Medien mitzuteilen. Als Anreiz verspricht der Netzbetreiber, das dadurch eingesparte Porto einer Einrichtung vor Ort zu spenden. In Rutesheim wurde dafür die arg gebeutelte Schützengilde Diana ausgewählt.

Am 14. Juni 2018 wurde das Vereinsheim trotz des Großaufgebots der Feuerwehr ein Raub des Flammen. Erneut hatte wie bereits 1999 ein Siebenschläfer einen Kurzschluss in der Stromleitung ausgelöst und dadurch einen Brand verursacht. „Mit unendlich vielen Stunden Eigenleistungen durch unsere Mitglieder konnte die Gaststätte des Schützenhauses am 2. Juni wieder öffnen“, freut sich Willi Wendel.

Mitglieder haben viel geschafft

„Mehr als 3500 Arbeitsstunden haben die Mitglieder inzwischen geleistet“, rechnet die Schatzmeisterin vor. Ein harter Kern von etwa 30 der rund 160 Vereinsmitglieder habe es auf 30 Tageseinsätze pro Kopf geschafft, weiß Monika Fischer. Sie haben Kabel verlegt, die Elektroanlagen installiert, die Fenster eingebaut, die sanitären Einrichtungen instandgesetzt.

Das völlig zerstörte Dachgeschoss des Vereinsheims steht wieder. Die Fenster des Erdgeschosses mussten auf Verlangen der Versicherung mit Gitter ausgestattet werden. „Wegen der Siebenschläfer hat die Schützengilde nun ein industriell gefertigtes Blechdach montiert, durch das sie nicht mehr ins Gebäude gelangen können“, sagt der Rutesheimer Erste Beigeordnete Martin Killinger. Die Stadt hat dem Verein einen Zuschuss von einem Drittel der Wiederaufbaukosten gewährt – also 400 000 Euro.

350 000 Euro fehlen noch

„Die Million Euro überschreiten wir, weil immer härtere Auflagen in Sachen Brandschutz und energetische Vorgaben erfüllt werden müssen“, sagt der Vereinsvorsitzende. So müsse eine neue Meldeanlage für rund 30 000 Euro her. „Etwa 350 000 Euro fehlen uns noch“, ist Willi Wendel froh über jede Spende.

Trotzdem sind die Schützen zuversichtlich, dass die Anlage im März wieder in Betrieb geht. „Ende Mai wollen wir auch das traditionelle Schlepper- und Oldtimerfest feiern – die Einnahmen brauchen wir dringend“, sagt Willi Wendel.

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