A-Capella-Konzert Ein Schuss Renninger Erotik

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In der Stegwiesenhalle singen die „Füenf“ eine Hymne auf die Schwiegermutter, gehen mit dem Publikum in die „Streit-Bar“ und studieren eine Choreografie ein. Foto: factum/Bach

Renningen - Fünf gestandene Männer in Schwarz mit knallroten Sneakers: Die „Füenf“ brauchen keine Instrumente, sie posaunen, zupfen, trommeln mit ihren Stimmen in Tenor, Bariton und sonorem Bass. Dazu bieten sie witzige Texte, exaltierte Gestik, schräge Grimassen, rhythmikbetonten Tanz und Interaktion mit dem Publikum – eben alles, was zu einem spritzigen, unterhaltsamen Abend gehört.

Das A-cappella-Quintett aus dem Stuttgarter Raum hat am Samstagabend in der Stegwiesenhalle Texte aus Schlager und Pop bis zur grotesken Unkenntlichkeit geschüttelt, nicht gerührt – denn James Bond liefert das Motto: „005 – Im Dienste Ihrer Mayonnaise“. Sie schmachten „Zu zweit ist man nie einsam und hat ein Tête-à-Tête ­gemeinsam“ – aber dazu kommt es dann einfach nicht, weil ein Bild schief hängt oder der Hund raus muss...

Eine Ode auf die erste Reihe

In einem Medley werden die Originaltexte von „Jenseits von Eden“ über „Dschingis Khan“ bis zum „Blauen Enzian“ gerührt wie ein Spätzlesteig: „Ein bisschen Gras muss sein“ und „Trink mit mir ein kleines Bier!“ Dazu singen sie Lieder mit eigenen Texten, wie die „Ode auf die erste Reihe“, behaupten keck „Wir sind die ­Guten“ – bambambadada – oder feiern überschwänglich die Schwiegermutter: „Als Hausfrau schlägt sie dich um Längen, sie ist die Oberhammersuperfrau!“

Den Klaus-Lage-Ohrwurm „1000 und 1 Nacht“ verwandeln sie in „Tausendmal püriert, tausendmal ist nix passiert – und dann Tiramisu gemacht!“ Witzig ist auch ihr verzweifelter Appell: „Bildet meine ­Rettungsgasse an der Supermarktkasse“ mit pantomimischer Kampfgestik oder die Ballade vom „Hardcore-Jobber Manfred“, dem der cholerische Chef noch am Freitagabend einbläut: „Wo Sie sind, ist vorne!“

Sommerhit und spanisches Temperament

Da die Gruppe viel unterwegs ist, kennt sie natürlich sämtliche Bars und listet eine skurrile Typologie auf: Die Juristen treffen sich in der „Streit-Bar“, enden in der „Vergleich-Bar“, es gibt die „Unfass-Bar“ und auch die „Ungenieß-Bar“ – bis die komödiantischen Sänger das „Ba-Ba-Ba“ der Beach Boys schmettern. Ein Höhepunkt des Abends ist eine spontan mit dem Publikum inszenierte spanische Fiesta mit dem unschlagbaren Sommerhit „Aeroporte securidad“. Das Publikum singt gut gelaunt gerne mit und erhält Anweisungen zu ausgefeilter Gesangstechnik und leidenschaftlicher Gestik: „Ihr müsst mehr in den Text rein­gehen!“ Dazu wird eine passende Choreografie einstudiert: „Ein Schuss Renninger Erotik – oder habt ihr an Fasching alles verbraucht?“ Und un, dos, tres singt und tanzt das Publikum mit spanischem Temperament alles, was einem Schwaben sprachlich und rhythmisch halt so irgendwie spanisch vorkommt: „Aeroporte securidad! Ole, Sombrero, Fiesta!“

Sprachwitz und Lebenslust

Die Sänger „mit der Lizenz zum Blödeln“, die inzwischen seit 23 Jahren auf der Bühne agieren – „angefangen hat alles an einer Imbiss­bude“, erzählt einer nach dem Konzert –, beweisen viel Sprachwitz, Power und ansteckende Lebenslust – und als sie dann die Schwabenhymne „Mir im Süden“ anstimmen, liegt ihnen das Publikum endgültig zu Füßen:

„Wir haben nicht soviel Humor wie die Bayern, und wir haben auch ganz bestimmt nicht Amerika entdeckt – aber mir im ­Süden stellen die hochwertigeren Kraftfahrzeuge her, mir im Süden brauen das bessere Bier – es gibt ein kleines Völkchen im Süden, das hat es ein kleines bisschen besser drauf!“

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