44. Leonberger Autoschau Schwindende Zurückhaltung beim Dieselkauf

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Die 44. Leonberger Autoschau in der Steinstraße lockt am Wochenende viele interessierte Kunden an. Foto:  

Leonberg - Geräumig muss er sein, sparsam und eine große Reichweite soll er auch haben – Ingo Jatzek schlendert mit der Familie am Samstagnach­mittag bei schönem Wetter über das weitläufige Gelände der 44. Leonberger Autoschau an der Steinstraße. Mit zwei Kindern braucht man vor allem Platz. Was soll’s also sein? „Wir fahren jetzt einen Touran. Diese Größe muss auch unser nächstes Auto haben“, sagt der Vater von zwei Kindern. Für ihn kommt nur ein ­Diesel in Frage. „Auf längeren Strecken ist der immer noch das effizienteste Auto.“ Und ein Elektro-Fahrzeug? „Allenfalls als Zweitwagen“, sagt der Heimsheimer.

Hört man sich auf der Autoschau um, bei der Modelle von rund 28 Marken präsentiert werden, könnte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass der tot­geglaubte Diesel putzmunter ist. Michael Wolf, Geschäftsführer des Leonberger Autohaus Wolf, bestätigt: „Der Diesel ist immer noch ein Thema – ab Fahrzeugen der Mittelklasse und höher.“ Das Zauberwort heißt Euro 6d-Temp – die höchste Emissionsklasse. Auch Markus Reichert vom VW-Autohaus Weeber spürt eine schwindende Zurückhaltung der Kunden beim Dieselkauf. „Die meisten Kunden sind nicht mehr verunsichert“, sagt Markus Reichert.

Große Zeit des Diesels ist vorbei

Wer dennoch glaubt, dass auch die ­derzeit modernste Abgastechnologie nicht davor gefeit ist, früher oder später wieder durch noch höhere Normen kassiert zu werden, dem raten die Autohändler verstärkt zum Privatleasing. Der Vorteil: ­Leasing-Fahrzeuge werden nach zwei bis drei Jahren wieder an den Händler zurückgegeben. Ist das Auto wegen einer neuerlichen gesetzlichen Anhebung der Grenzwerte, wie derzeit bei Fahrzeugen der Euro-5-Norm exemplarisch vorgeführt, plötzlich nichts mehr wert, hat nicht der Kunde den Schaden.

Dass trotz dieser dann doch überraschend optimistischen Stimmen zumindest die große Zeit des Diesels der Vergangenheit angehört, räumen die Autoverkäufer freilich ein: „Früher waren 70 Prozent unserer verkauften Autos Diesel“, sagt Michael Wolf. Heute seien es gerade noch 30 Prozent. Mit Spannung erwartet der Händler die Entwicklungen am Automarkt im laufenden Jahr. Weil von 2020 an in der EU ein durchschnittlicher Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer für alle neu zugelassenen Fahrzeuge gelte, prophezeit Wolf eine Zulassungsschwemme bei den Händlern für Fahrzeuge, die diese Norm nicht erreichen. Der Grund: „Alles, was bis Ende des Jahres ­zugelassen ist, kann auch noch verkauft und gefahren werden.“ Gute Zeiten für Schnäppchenjäger? Abwarten.

Cohn: Stadt baut Ladeinfrastruktur aus

Laut Experten könnte der neue CO2-Grenzwert freilich dazu führen, dass vom kommenden Jahr an der Absatz von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen mächtig ansteigt. Und tatsächlich bauen in den nächsten Monaten praktisch alle Her­steller ihre Modellpalette im Elektro- und   Hybridbereich enorm aus. „Bei uns kommt der Durchbruch, wenn die ­Elektro-Fahrzeuge vor Ort erlebbar sind“, kündigt Markus Reichert an.

Kunden wie Sonja Müller wird das freuen. Für die kritische Autokäuferin muss sich die angeblich positive Umweltbilanz der Elektrofahrzeuge zwar erst noch endgültig beweisen. „Dass man mit einem Elektroauto inzwischen aber fast überall umsonst parken kann, ist ein echter Pluspunkt“, sagt die Leonbergerin.

Und auch für Oberbürgermeister Martin Georg Cohn ist die E-Mobilität am Samstag bei seinem Rundgang über die Autoschau eines der zentralen Themen. „Wir sind dabei die Ladeinfrastruktur ­auszubauen“, sagt der OB, den in diesem Zusammenhang aber noch andere Fragen umtreiben: Weil Elektrofahrzeuge deutlich wartungsärmer sind als Autos mit Verbrennungsmotor, drohen Arbeitsplatzverluste in der Branche.

Eine Entwicklung, die dann auch an Leonberg nicht vorbeigehen dürfte. ­Weshalb Cohn auch die Frage stellt: „Wie reagieren darauf die lokalen Autohäuser?“

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