20 Jahre Atrio Leonberg Leben und Wohnen mitten in Höfingen

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Soweit es die Corona-Regeln zulassen, wird auch jetzt viel gemeinsam in der Höfinger Atrio-Wohnanlage unternommen. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Es ist ein tolles Erfolgsprojekt, das eine neue Entwicklungsrichtung unserer Arbeit eingeleitet hat“, sagt Bernhard Siegle, der Vorsitzende von Atrio, und lobt das Vorhaben, das seine Vorgänger in guter Voraussicht auf den Weg gebracht haben. Die Wohnanlage von Atrio in Höfingen ist vor 20 Jahren eingeweiht worden. Der Spatenstich im Vorjahr war der erste öffentliche Akt des neuen Vorsitzenden Bernhard Siegle.

In dem Leonberger Teilort gab es damals bereits die Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Industriegebiet Pfad. Atrio Leonberg wollte ein Angebot schaffen, das Arbeiten und Wohnen am Ort ermöglicht. Und so kam die Idee einer Wohnanlage in Höfingen auf. Für Atrio Leonberg (damals noch Behindertenhilfe Leonberg) war das der Beginn der dezentralen Angebote. Im weiteren Verlauf wurden weitere Wohnmöglichkeiten in mehreren Gemeinden rund um Leonberg geschaffen – zuletzt in Weil der Stadt, wo im August die ersten Menschen mit Behinderung eingezogen sind.

Alles ist gut und schnell erreichbar

Damals zogen zwölf Menschen mit Behinderung in das neue Haus ein. Inzwischen hat es 26 Bewohnerinnen und Bewohner mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung sowie Menschen mit einer schweren mehrfachen Behinderung. Und die fühlen sich wohl, denn zehn von ihnen haben seit Anfang an hier ein Zuhause. Sie arbeiten tagsüber in der Werkstatt für behinderte Menschen oder besuchen den Förder- und Betreuungsbereich.

„Die Wohnanlage befindet sich im Zentrum von Höfingen. Bäcker, Metzger, Rathaus und Kirche sind zu Fuß erreichbar. Die Werkstätten, ein Förder- und Betreuungsbereich und das Kreativwerk sind nur ein Kilometer entfernt“, zählt Michael Gathmann auf. Er selbst ist so etwas wie ein Urgestein, denn er leitet die Wohnanlage seit der ersten Stunde.

„Geschäfte, Busse und S-Bahn und die Werkstatt sind fußläufig erreichbar. Menschen, die nicht selber laufen können, insbesondere Rollstuhlfahrer, erhalten einen Fahrdienst zur Werkstatt“, erläutert der Atrio-Vorsitzende Bernhard Siegle. Der Großteil der Bewohnerinnen und Bewohnern stammt aus Höfingen, Leonberg und Gerlingen.

Gute Nachbarschaft

Dem Hausleiter Michael Gathmann war von Anfang an eine gute Nachbarschaft wichtig. Die Höfinger wurden regelmäßig zum Sommercafé und zu den Hof-Festen eingeladen – bis wegen der Coronapandemie alle Veranstaltungen ausfallen mussten. Üblicherweise bereitet der Pfarrer zusammen mit Mitarbeitenden und Klienten der Wohnanlage dreimal im Jahr einen „Brückengottesdienst“ für die Gemeinde vor. Die Mitarbeitenden und Klienten seien in Höfingen gut vernetzt. „Dadurch können auch immer wieder Ehrenamtliche, Mitarbeitende und Auszubildende aus Höfingen gewonnen werden“, sagt Michael Gathmann.

An der Wohnanlage in Höfingen wird deutlich, wie sich das Wohnen in Atrio-Häusern in den vergangenen 20 Jahren verändert hat. „Die Veränderungen werden schon im Sprachgebrauch deutlich“, sagt Jutta Baten. Sie ist bei Atrio für die Leitung von Projekten und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Aus dem Wohnheim wurde die Wohnanlage, statt von Bewohnern sprechen wir jetzt von Klienten, und die Mitarbeitenden verstehen sich nicht mehr als Betreuer sondern als Assistenten“, erläutert sie.

Änderungen auch in der Sprache

Diese Begriffe zeigen, welche Prioritäten Atrio setze. „Unsere Wohnangebote haben keinen Heimcharakter, sondern ermöglichen individuelles und selbstbestimmtes Wohnen, während die Mitarbeitenden sich nicht mehr als Betreuer verstehen. Sie wissen, was für Menschen mit Behinderung gut ist.“

Dagegen stünden sie diesen vielmehr als Assistenten zur Seite, unterstützen und befähigen sie, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Die Menschen mit Behinderung sind unsere Auftraggeber“, sagt Jutta Baten. „Mit jedem Klienten werden seine individuellen Lebensvorstellungen, Wünsche und Ziele besprochen und die Assistenzleistungen gemeinsam vereinbart. Assistent und Klient begegnen sich auf Augenhöhe.“

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