100 Jahre OGVW Eltingen-Leonberg Ein runder Geburtstag, der wegen Corona nicht gefeiert wird

Von Thomas K. Slotwinski
Den Wein dort genießen, wo er wächst, das macht den besonderen Charme des Wengerterfestes aus. Diesmal bleiben die Lauben leer. Foto: factum/Granville

Leonberg - Zu tun hat Albert Kaspari genug. Fast jeden Tag ist er in seinem Weinberg am Leonberger Nordhang. Oder er hilft bei Freunden im Garten mit. Aber eigentlich wäre der Vorsitzende des Obst-, Garten und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg mit anderen, wichtigeren, Dingen beschäftigt. Der Verein wird 100 Jahre alt. Ein großes Programm ist schon ausgearbeitet, das Kirchplatzfest und das Wengerterfest hätten ganz im Zeichen des runden Geburtstages gestanden.

Hätten... Ausgerechnet im Jubiläumsjahr fallen sämtliche Veranstaltungen dem Corona-Virus zum Opfer. Bis zuletzt hatte Kaspari versucht, wenigstens das Wengerterfest, nach dem Pferdemarkt die wohl populärste Veranstaltung in ganz Leonberg, zu retten.

Viel zu viele Unsicherheiten

Vergeblich. „Es gibt einfach zu viel Unsicherheiten“, sagt der Vorsitzende mit betrübtem Unterton. „Großveranstaltungen sind bis Ende August verboten. Doch was ist eine Großveranstaltung: eine mit 1000 oder schon eine mit 500 Besuchern?“ Doch selbst wenn es mit der Menge gegangen wäre: „Die Auflagen hätten wir gar nicht erfüllen können“, sagt Albert Kaspari. „Wir können bei einem Fest, das von der Geselligkeit lebt, von den Menschen nicht verlangen, in zwei Meter Abstand zu sitzen.“

Auch der Buspendelverkehr vom Leobad hoch in die Feinau-Höhen wäre problematisch geworden. Normalerweise können acht Fahrgäste mit. „Jetzt wären höchstens vier machbar gewesen“, meint der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der in einem Weinbaubetrieb in Zell an der Mosel groß geworden ist.

Auch das Sommerfest ist gestrichen

Nicht nur das Wengerterfest Ende Juli ist gestrichen. Auch das Sommerfest findet nicht statt. Die beliebte Hocketse auf dem Eltinger Kirchplatz, die normalerweise begleitend zum diesmal ebenfalls abgesagten Citylauf stattfindet, war eigentlich als Geburtstagsfeier für ein breites Publikum geplant. „Wir hatten von der Stadt schon die Genehmigung, um Mitternacht den Kirchplatz mit bengalischem Feuer zu beleuchten“, berichtet Kaspari. „Viele unsere Mitglieder hatten ihren Urlaub verschoben, um am Ausschank, am Grill oder an der Kasse mitzuhelfen.“ Ein besonderer Gottesdienst war geplant, den der „jazzende Pfarrer“ Dennis Müller und der „singende Stadtrat“ Jörg Langer musikalisch gestaltet hätten. Und jetzt? Alles aus und vorbei!

Besonders schmerzvoll ist für den Vereinsvorsitzenden und für viele Mitglieder, dass auch die mit viel Liebe und Akribie erarbeitete Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum flach fallen muss.

Mit Hilfe zahlreicher Bürger hatten die Aktiven Dokumente, Werkzeuge und andere stumme Zeugen aus der Zeit von 1920 bis 2020 zusammengestellt. „Es ist Wahnsinn, was da alles zusammenkommt“, sagt Albert Kaspari. „Landkarten, Rezepte, Gerätschaften von der Arbeit in den Feldern und in den Weinbergen.“

Drei Monate, von Juli bis Oktober wäre die Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum zu sehen gewesen. Nun hofft der Vorstand der Gärtner und Weinbauern, dass diese lokalhistorisch gewiss einzigartige Kollektion im kommenden Jahr gezeigt werden kann.

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Den offiziellen Festakt, er ist am 17. Oktober geplant, hat Albert Kaspari noch nicht abgesagt. Aber er schaut sich sicherheitshalber schon einmal nach einem Alternativtermin im nächsten Frühjahr um. „Obwohl unserer ganzes Jubiläumsjahr ins Wasser fällt, zeigen unsere Mitglieder großes Verständnis“, umschreibt Kaspari die Stimmungslage im Verein.

Zuspruch erhalten die Aktiven zudem von einem alten Bekannten und bekennenden Freund des Wengerterfestes: Bernhard Schuler bedauert zwar die Absage, hält sie gleichwohl für richtig. „Machen Sie eben 2021 zum herausragenden Jahr für den Obst-, Garten und Weinbauverein“, schreibt der Alt-Oberbürgermeister in einem aufmunternden Brief.

Das haben die rührigen Naturfreunde fest vor. Und der Wein, der in diesem Sommer nicht getrunken wird, könnte ja während des Wochenmarktes an einem Stand ausgeschenkt werden. Dazu ein Weckle mit Käse oder Schinken: Schon wäre das Leo-Marktfrühstück perfekt!

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