Leonberg
Hund im Auto verendet - Hundehalterin steht vor Gericht
Obwohl man es sich im Moment nicht so recht vorstellen kann, es gibt Zeiten, da klettert das Thermometer in den Plusbereich. Im April 2010 wurden 22 Grad in Leonberg gemessen. Für einen Hund im Auto schon zu viel. Denn wenn an solchen Tagen die Sonne ordentlich brennt, heizt sich ein Wagen ziemlich auf. Der Gordon Setter einer 38-jährigen Frau aus Leonberg ist am 28. April 2010 im Kofferraum ihres Wagens verendet – die Diagnose des Tierarzts: Hitzschlag.
Die Hundehalterin hatte ihr Tier mit Namen Destiny (zu deutsch Schicksal) rund drei Stunden in seiner Box im Kofferraum eingesperrt. In dieser Zeit half sie auf dem Kindergartenfest ihrer Tochter mit. Am Dienstag wurde das tragische Schicksal von Destiny vor dem Leonberger Amtsgericht verhandelt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
Vor knapp zwei Jahren hatte die Angeklagte ihren Wagen nach eigener Aussage gegen 15.30 Uhr samt Hund vor dem Kindergarten in der Sonne abgestellt. „Eigentlich wollte ich zwischendurch mal kurz raus und mit dem Hund Gassi gehen“, sagte die Beschuldigte vor Gericht, „doch das habe ich dann einfach vergessen.“ Als die 38-Jährige um 18.30 Uhr erneut die Kofferraumklappe ihres Wagens öffnete, war Destinys Schicksal bereits besiegelt.
„Der Hund war da schon starr“, gab eine Zeugin vor Gericht an und fügte hinzu: „,Oh Gott, sie ist tot’, hat sie gerufen.“ Als die Zeugin – ebenfalls eine Mutter, die bei dem Fest geholfen hatte – die Situation schilderte, brach die Beschuldigte in Tränen aus: „Ich habe meinen Hund doch geliebt.“
Warum es dem Tier im Kofferraum hundeelend ging, hatte nicht allein mit der Hitze im Fahrzeug zu tun. „Dem Tier fehlte es an Wasser“, stellte der Staatsanwalt fest. Hunde können ihre Körpertemperatur nur durch hecheln regulieren. Die fehlende Flüssigkeit in Kombination mit der Hitze haben schließlich zum Tod des Hundes geführt. Die Angeklagte behauptete, Destiny habe einen Trinknapf gehabt. Doch keiner der Zeugen will die Wasserschüssel im Kofferraum gesehen haben. „Da lag ja auch der tote Hund drauf“, versuchte sich die Beschuldigte zu rechtfertigen.
Diese vermeintliche Kleinigkeit könnte letztlich über den Ausgang des Verfahrens entscheiden. „Dass ich schuld am Tod meines Hundes bin, das weiß ich“, gab die Angeklagte zu, „aber es war ja keine Absicht.“ Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und wirft der 38-Jährigen vor, ihren Hund vorsätzlich getötet zu haben. „Ihr Kind hätten sie ja auch nicht ohne Wasser so lange im heißen Auto eingesperrt“, sagte der Staatsanwalt, „denn Sie wussten, dass das dem Tier nicht gut tut.“ Für die Höhe der Strafe ein wichtiger Unterschied.
Den entscheidenden Zeugen, der Aufschluss darüber geben könnte, ob es tatsächlich einen Wassernapf für Destiny gab oder nicht, hatte das Gericht am Dienstag nicht geladen. Der Tierpfleger, der den toten Hund aus dem Kofferraum gehoben hatte, stand nicht auf der Zeugenliste. Aus diesem Grund kam das Gericht zu keinem Urteil und ist nun auf der Suche nach einem zweiten Verhandlungstermin.
Dass Destiny vor ihrem Hitzetod kein Hundeleben führen musste, entlastet die Beschuldigte. Der Tierarzt, der die Hündin betreute und der auch deren Tod feststellte sagte über die Beschuldigte: „Eigentlich war sie eine gute Hundehalterin.“
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