Renningen
Die Krippe beleuchtet das Zeitgeschehen
Mehr als drei Wochen hat es gedauert, die katholische Malmsheimer Martinuskirche in eine große Krippe zu verwandeln. An nur einem Tag hat das Bauteam um Pfarrer Franz Pitzal all die Figuren, Bilder und Gebäude aus Pappmaché nun wieder abgebaut. Vor Gemeindehaus und Kirche stapelten sich gestern Wandgemälde, Nachbildungen von Strommasten und Atomreaktoren, von Kamelen, Nashörnern und andere Tieren.
Auch das Licht von Bethlehem brennt nicht mehr: Mit einem letzten großen Gottesdienst ist die Krippensaison 2011/12 am Sonntagabend zu Ende gegangen. „Als Kind kam er in unsere Welt“, lautete in den vergangenen zwei Monaten das Motto in der Martinuskirche. 17 Redner haben während dieser Zeit ihre Worte an das Publikum gerichtet – darunter politische und gesellschaftliche Größen wie der frühere baden-württembergische Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger, der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalz, der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt und der Fernseh-Pfarrer Michael Broch. Ein Vielfaches an Musikern und Sängern trat auf. Rund 200 Führungen leitete Franz Pitzal. 30 000 bis 40 000 Menschen besuchten in diesem Jahr die Krippe, so schätzt es der katholische Priester. „Genau wird man das ohnehin nicht sagen können, wir verkaufen ja keine Eintrittskarten“, ergänzt er.
In seiner Predigt am Sonntagabend reflektierte Pitzal darüber, was die Renninger Krippe den Menschen gab, gibt und geben wird. „Zehn Punkte habe ich zusammengetragen“, so der Pfarrer. Die Krippe vermittele Wissenswertes, sie lasse die Menschen auch Geschaffenes bestaunen. Sie fördere Begegnungen und die Ökumene, stärke Gemeinschaften und den Glauben, mache die Kirche erfahrbar. „Natürlich ist sie auch ein weihnachtliches Ereignis“, so Pitzal. „Aber dass sie auch über die Weihnachtszeit hinaus wirkt, zeigt sich schon daran, dass die Krippe bis in den Februar hinein steht.“
In diesem Jahr war ein weiterer Aspekt besonders in den Vordergrund gerückt. „Ich würde nicht direkt sagen, dass die Krippe politisiert, aber sie greift auf jeden Fall das Zeitgeschehen auf“, betonte Franz Pitzal. Die Krippenbauten bezogen sich beispielsweise auf die Atomkatastrophe von Fukushima und den Energiewandel, viele Redner sprachen diese Themen an. „Das hat die Menschen 2011 sehr bewegt“, sagte der Pfarrer. „Und was die Menschen bewegt, gehört auch in die Kirche.“
Bewegen will die katholische Kirchengemeinde Renningen auch mit den Spendengeldern viel, die in der laufenden Krippensaison zusammengekommen sind. Gezählt haben die Verantwortlichen das Geld noch nicht, aber Franz Pitzal schätzt, dass es auch diesmal „wieder mehrere zehntausend Euro“ sein werden. Den genauen Betrag wolle er bald bekanntgeben. Von dem Geld wollen die Katholiken Klassenräume in einer Schule in der Mongolei bauen und einrichten, außerdem Wasserleitungen in einer Schule in Kamerun verlegen lassen.
Während des Abschlussgottesdienstes blieb Franz Pitzal dann noch, zwei Mitglieder seines Bauteams zu ehren, die seit Jahren maßgeblich für den Erfolg der Renninger Krippe mitverantwortlich sind:Hans Gihmann und Hubert Klug erhielten neben einer Urkunde die sogenannte „Rose auf Stern“, eine Holzskulptur.
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