Leonberg
Von der Feuerwehr auf Händen getragen
Die Feuerwehr hat einem behinderten Jungen geholfen, in sein Zuhause zu kommen. Ohne die Hilfe wäre er dank eines defekten Aufzugs buchstäblich vor der Tür gestanden.
Jeder Junge will irgendwann einmal Feuerwehrmann werden. Doch wenn Thomas Artes zu Fasching mit Helm und roter Uniform erscheint, hat er einen ganz besonderen Grund dafür. Thomas wohnt mit seiner Mutter Indira in einem Hochhaus in der Ostertagstraße mitten in Leonberg. Seit fast zwei Wochen müssen die Bewohner die Treppen nehmen. Der Aufzug der Anlage ist defekt. Was für die meisten von ihnen einfach nur lästig ist, stellt Thomas und seine Mutter Indira vor ein echtes Problem. Denn der 14-Jährige sitzt im Rollstuhl.
Thomas ist Spastiker, seine Knochen wachsen schneller als seine Muskeln. „Im Kopf ist er total fit“, sagt seine Mutter, „er spricht mittlerweile fließend Deutsch und Russisch und auch schon recht gut Englisch.“ Doch Treppen laufen kann er nicht.
„Mein Sohn ist unter der Woche im Internat in Markgröningen“, erzählt seine Mutter, „am Freitag kommt er immer nach Hause.“ Vor zwei Wochen, als der Aufzug ausfiel, half ein Nachbar, Thomas samt Rollstuhl in den fünften Stock zu befördern. „Wir haben uns eine Dreiviertelstunde gequält und fast das Kreuz dabei gebrochen“, berichtet Indira Artes, „ein zweites Mal hätten wir das nicht geschafft.“
In der vergangenen Woche hatte Artes sich dann bis zum Abend die Finger wund telefoniert – Jugendamt, Sozialstation, Hausverwaltung und so weiter. Nirgends konnte man ihr helfen. „Ich hatte keine Ahnung, wie ich Thomas in die Wohnung bekommen sollte.“ Der entscheidende Hinweis kam unerwartet. „Ich habe dann zufällig Arnold Einholz, den Redakteur der Leonberger Kreiszeitung getroffen“, sagt sie. Der Spezialist für die LKZ-Weihnachtsaktion „Lichtblicke“ sorgte auch in der Ostertagstraße für einen solchen. Ganz einfach: „Er hat mir geraten, die Feuerwehr anzurufen.“ Nun, muss man wissen, dass die Leonberger Feuerwehr eine „Freiwillige“ ist. Und keine Feuerwehrbeamten.
Am kommenden Tag standen vier Feuerwehrmänner pünktlich bereit, als der Bus mit Thomas vor der Tür anhielt. Mit zwei Mann auf jeder Seite waren die fünf Stockwerke in 15 Minuten geschafft. „Für Thomas war das das Größte“, erzählt seine Mutter, „den ganzen Weg nach oben hat er vor Freude nur gelacht.“ Die Erleichterung über die Hilfe ist Indira Artes anzumerken. „Ich wusste nicht, was ich sonst gemacht hätte.“ Die Leonbergerin ist es nicht gewohnt, dass ihr geholfen wird. Normaler Weise ist sie es, die Menschen unter die Arme greift. Bei der Leonberger Tafel versorgt sie Bedürftige mit Lebensmitteln. Was sie am kommenden Freitag macht, wenn Thomas wieder aus Markgröningen kommt, weiß Artes noch nicht. „Ich habe keine Ahnung, ob ich nochmals bei der Feuerwehr anrufen kann.“ „Wir haben den neuen Motor für den Aufzug am Tag nach dem Defekt bestellt. Sobald wir ihn haben, wird er sofort eingebaut“, sagt Peter Putschögel vom Siedlungswerk Stuttgart, welches das Haus in Leonberg verwaltet. „Das sollte in den kommenden Tagen der Fall sein.“ Ob der Aufzug allerdings an diesem Freitag wieder funktioniert, ist nicht sicher.
„Falls Thomas und seine Mutter noch einmal Hilfe brauchen, sind wir natürlich da“, sagt Günter Widmaier, der Leonberger Stadtbrandmeister, der lieber zupackt, statt lange zu reden. Einen Fan hat die Feuerwehr in jedem Fall: Thomas will an Fasching Feuerwehrmann sein. Unbedingt
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