Wöhr Autoparksysteme in Friolzheim Sie bringen den Ferrari in die 29. Etage

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Modernes Parken in Düsseldorf: Das vollautomatische Parksystem bietet 98 unterirdische Stellplätze. Foto: Wöhr

Friolzheim - Das arme Fahrrad! Im Sekundentakt muss es ein- und ausparken. Zum Glück ist aber kein Mensch notwendig, der ständig ein Zahlenschloss auf- und zufriemelt, denn das Rad parkt in einem automatischen Fahrradturm, der neuesten Entwicklung der Friolzheimer Firma Wöhr.

Während ein solcher Fahrradturm in Rutesheim schon im Einsatz ist, suchen die Ingenieure in der Entwicklungshalle auf dem Friolzheimer Firmengelände schon nach weiteren Funktionen für den Turm. Bisher hat das Fahrrad 1,8 Millionen Mal ein- und ausgeparkt. „Das entspricht einer Lebensdauer von etwa 20 Jahren“, erklärt Ferhan Cokgezen von Wöhr.

„Vollautomatische Parksysteme“

Was hier die Fahrräder erst seit etwa einem Jahr können, das machen die Autos in den Wöhr-Systemen schon lange. In einer Kabine gibt man sie ab, das Tor schließt sich, und wie von Zauberhand gesteuert verschwinden sie dann irgendwo im Nirgendwo.

„Vollautomatische Parksysteme“ nennen sie das hier bei Wöhr. An zwei Standorten im Friolzheimer Industriegebiet hat die Firma ihren Sitz, hunderte Autos fahren hier täglich vorbei, der Name ist bekannt. Doch nicht jeder weiß, was die 250 Mitarbeiter eigentlich genau tun.

Zeit also, das Türchen zu dem Familienunternehmen zu öffnen. „Wir verkaufen weltweit und gehören in unserer Nische zu den Marktführern“, erklärt Jens Niepelt, Geschäftsführer bei Wöhr. Der Markt – das ist das Parken und die Nische – das sind die Probleme. Denn einen Parkplatz asphaltieren, das kann jeder. Auf engstem Raum viele Autos unterbringen, da kommen die Wöhr-Ingenieure ins Spiel. „Wer Probleme hat, seine Autos auf traditionelle Weise zu parken, der kommt zu uns“, erklärt Jens Niepelt.

Beispiel Tel Aviv (Israel): Hier dürfen Hausbesitzer ein Stockwerk draufsatteln, wenn sie die nötigen Stellplätze vorweisen können, was in der dicht bebauten Metropole nicht so leicht geht. Also haben die Wöhr-Tüftler vor fünf Jahren den Slimparker entwickelt. Der braucht nur einen 2,6 Meter breiten Streifen. Sechs Ebenen reicht das Bauwerk in die Tiefe, 23 Fahrzeuge haben hier Platz. Wie immer beim automatischen Parken gibt man das Auto in einer Kabine ab, dann verschwindet es.

Die Innovation beginnt 1959

Beispiel Singapur: Der Besitzer eines Hochhaus-Appartements wollte seinen Ferrari unbedingt bei sich im Wohnzimmer in der 29. Etage parken. 2010 war das. Ein Speziallift war die Lösung, die Augen von Geschäftsführer Jens Niepelt glänzen da immer noch. „Klar, ich bin selber mit dem Lift mal gefahren“, sagt er, auch wenn das Menschen eigentlich nicht dürfen. „Das war wirklich beeindruckend.“

An Singapur hat Otto Wöhr Senior sicher noch nicht gedacht, an Lösungen dagegen schon. Der Schlosser baute Garagentore, die damals noch schräg kippten. Es muss doch möglich sein, die Fläche oberhalb einer Garage sinnvoll zu nutzen, habe er sich damals gedacht, berichtet Wöhr-Marketingleiterin Ferhan Cokgezen. Die Lösung war die „Doga 100“ von 1959. Doga stand für Doppelgarage. Zwei Autos hatten jetzt Platz, wo davor nur eines stand.

Seitdem tüfteln die 25 Ingenieure weiter. „Wir kümmern uns aber auch um die Systeme, wenn sie dann in Betrieb sind“, erklärt Geschäftsführer Niepelt. Darin unterscheide man sich von vielen Mitbewerbern, die in den 90er Jahren auf den Markt gedrängt sind, die aber aus der Hochregallager-Industrie kamen und es nicht gewohnt waren, an Endverbraucher zu liefern. „Da wurden viele Fehler gemacht“, sagt Jens Niepelt. „Das hat auch dem Ruf unserer Branche geschadet.“

Denn für ein gewisses Fingerkribbeln sorgt es bei den Verbrauchern schon, das Auto einer solchen Maschine zu überlassen. Das ist auch in Rutesheim festzustellen, wo die Auslastung des Fahrradturms noch besser sein könnte. Die Wöhr-Ingenieure forschen aber weiter, damit nichts schief geht. Seit dem Jahr 1964 machen sie das schon in Friolzheim, wohin die Firma damals von Korntal aus gezogen ist. „Die Infrastruktur, vor allem die Anbindung an die Autobahn, ist hervorragend“, sagt Niepelt, „die Busverbindungen könnten allerdings besser sein.“ Dem Erfolg von Wöhr tut das aber keinen Abbruch.

Beispiel Mexiko: Hier baut die Firma ihr System derzeit ins höchste Gebäude von Mexiko ein. Beispiel Australien: Auch hier bringt Wöhr 143 Autos unter, natürlich im höchsten Wohnturm des Kontinents.

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