Thilo Schreiber im Interview „Im Zweifelsfall bin ich eher emotionaler“

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„Ich wüsste schon, was ich mit ein bisschen mehr Geld gestalten würde.“ Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Kommunen mit vielen Ortsteilen begleiten ihn. In Loßburg war er Bürgermeister über sieben Teilorte, Weil der Stadt erstreckt sich über fünf Ortschaften. Zeit also, mit Thilo Schreiber über den Charme und die Tücken einer Flächenstadt zu reden.

Herr Schreiber, was ist der Charme einer ­Gemeinde mit vielen Ortsteilen?
Nach fünf Jahren kann ich schon sagen: diese Struktur hier in Weil der Stadt ist sehr bereichernd, schließlich unterscheiden sich alle Stadtteile voneinander. Insgesamt haben wir hier ein interessantes Mosaik, das sich aus fünf Stadtteilen zu einer interessanten Gesamtstadt zusammenfügt.
Sie sind aber auch viel unterwegs.
Ja, man ist nicht „ g’schwind“ in zwei Minuten überall. Und bei über 130 Vereinen und fünf Stadtteilen muss man dann schon ordentlich marschieren, wenn man Bürgernähe praktizieren will. Jeder schaut dann doch gerne nur auf seinen eigenen Stadtteil – wenn man da alle mitnehmen will, muss man eine hohe Präsenz zeigen.
Von Schafhausen bis Hausen sind es zwölf Kilometer.
Wenn man verschiedene Termine oder Feierlichkeiten wahrzunehmen hat, fährt man wirklich von Stadtteil zu Stadtteil, da bleibt auch eine gewisse Zeit auf der Strecke. Aber so geht es zum Beispiel dem Bauhof jeden Tag. Eine Flächenstadt mit über 43 Quadratkilometern zollt schon ihren Tribut und ist manchmal anstrengend.
Welche Rolle spielt da die Gerechtigkeit? Denken Sie oft: jetzt hat der eine Stadtteil was bekommen, jetzt muss ich mich um den anderen kümmern.
Wir versuchen, den Kuchen gleichmäßig zu verteilen. Viele Maßnahmen dienen ja der Gesamtstadt – wie wollen Sie eine Kläranlage aufteilen? Da müssen alle zusammenstehen. Ich versuche meine Präsenz bei Terminen mit den Vereinen und Jubi­läen einigermaßen gleichmäßig aufzuteilen.
Gibt’s denn Unterschiede zwischen den Ortsteilen?
Das ist natürlich zunächst die Einwohnerzahl. Hausen mit 1000 Einwohnern ist anders als die Kernstadt mit knapp 9000 Einwohnern. Die Einwohner sind auch ein bisschen verschieden, da hat doch jeder Ortsteil seine Eigenheiten und Besonderheiten – das merken Sie auch an den Gemeinderäten, dass sie aus verschiedenen Ortsteilen kommen (schmunzelt).
Fällt Ihnen ein Beispiel ein?
Na, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass die Merklinger anders sind als die Weil der Städter – und umgekehrt auch. Seit dem Zusammenschluss in den 70er Jahren gibt es immer noch die kleinen Rivalitäten, und die leben natürlich heute noch fort, sonst wäre es doch langweilig. Die Hausener fühlen sich vielleicht manchmal ein bisschen abgehängt, aber das lasse ich nicht gelten. Schauen Sie nur, was wir in den letzten Jahren aus dem Hausener Dorfplatz gemacht haben! Egal, aus welchem Stadtteil ein Bürger anruft – wir kümmern uns drum, da gibt’s keine Prioritäten.
Wie ist das Verhältnis der Ortsteile unter­einander?
Das ist ordentlich. Fünf Kinder an einem Tisch und eine Tafel Schokolade – da meint immer einer, der andere habe ein größeres Stück abbekommen. Aber im Gemeinderat ist die Stimmung gut, wenn es um die Sacharbeit geht, merken Sie nicht gleich, wer zum Beispiel aus Münklingen oder Merklingen kommt. Das Problem sind eben unsere Finanzen in Weil der Stadt. Wir haben zu wenig Geld, und da kommt ohnehin Pflicht vor Kür.
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