Weltladen in Gerlingen „Nicht alles gibt es in Gerlingen fair zu kaufen“

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Prominenter Besuch: Vor einem Jahr ist Gerlinde Kretschmann, die Frau des Ministerpräsidenten, im Gerlinger Weltladen Foto: factum/Granville

Gerlingen - Den Weltladen an der Endhaltestelle der Stadtbahn gibt es seit zweieinhalb Jahren. Getragen wird er von einem Verein. Dessen Vorsitzende Brigitte Meier erzählt im Interview, warum sich die Macher um die Auszeichnung bemühen und erklärt unter anderem, warum man dort kein Obst kaufen kann.

Ihr Name ist eng mit dem Weltladen verbunden. Können Sie es sich überhaupt noch erlauben, nicht Fairtrade zu kaufen?
Nicht alles gibt es in Gerlingen „fair“ zu kaufen. Ich kaufe aber generell bei örtlichen Metzgern, Bäckern oder Reformhäusern und gehe dann davon aus, dass es saisonal, regional, fair und lokal ist. Ich achte generell darauf, dass vor allem keine Kinderarbeit im Spiel ist.
Wenn Sie nicht Fairtrade kaufen: Kaufen Sie mit guten Gewissen?
Da es leider nicht jedes Produkt in einer fair gehandelten Variante gibt, ist es schwer, ausschließlich fair zu kaufen. Es lässt sich darum nicht vermeiden, auch Produkte zu kaufen, deren Produktionsweise nicht einsehbar ist. Daher sollte man sich gut informieren, wo und was man gerade kauft, woher es kommt und was dahinter steckt.
Dadurch kann man nicht konventionelle Ware zu fairer Ware machen.
Aber man kann für sich selbst entscheiden, wie gewichtig diese Ungewissheit oder auch Gewissheit über unfaire Bedingungen für einen persönlich ist. Wie schon zuvor erwähnt, gibt es nicht jedes Produkt in seiner nachhaltigen, sozialen und fairen Ausführung. Es ist also eine Sache der persönlichen Einstellung, aber natürlich kaufe ich unbeschwerter und lieber, wenn ich weiß dass etwas fair gehandelt ist.
Welchen Nutzen hat die Auszeichnung ?
Der Weltladen Gerlingen ist ein eingetragener Verein, den es erst seit zweieinhalb Jahren gibt. Wir müssen dafür sorgen, dass wir dauerhaft und sicher so viel Umsatz erzielen, dass wir die Miete des Ladens und die Nebenkosten finanzieren können. Personalkosten gibt es keine, weil sich alle ehrenamtlich engagieren. Wir sind also darauf angewiesen, dass unsere Werbung funktioniert. Die Teilnahme am Award ist eine besondere Marketingmaßnahme, mit der wir hoffen, dass unsere ehrenamtliche Arbeit honoriert wird. Zum anderen versuchen wir, damit andere Menschen, andere Zielgruppen, auch Jugendliche zu erreichen. Unter Umständen erhalten wir damit auch eine Strahlkraft in die Region und bekommen Kunden aus dem Umkreis. Wenn traditionelle Supermarktketten einen Fairtrade-Award bekommen, obwohl 99 Prozent des Sortiments konventionell sind, dann haben es sich Ehrenamtliche, die sich zu hundert Prozent in ihrem Weltladen engagieren, erst recht verdient.
Sie reden von Marketingmaßnahmen. Gibt es Gerlinger, die ihr Geschäft nicht kennen?
Ja, die gibt es leider immer noch, obwohl wir jede Woche im örtlichen Mitteilungsblatt vertreten sind. Wir machen zum Beispiel in regelmäßigen Abständen Verkostungen auf dem Wochenmarkt mit Produkten aus dem Weltladen, wie Honig, Schokolade oder Pesto. Da kommen immer noch Kunden, die nicht wissen, dass Gerlingen einen Weltladen hat und wo man ihn findet. Das gleiche passiert uns auch, wenn der Weltladen das Catering für Veranstaltungen übernimmt. Wir hoffen natürlich, dass diese Menschen dann auch tatsächlich den Weg in den Weltladen finden.
Wie wählen Sie das Sortiment im Laden aus – von allem ein bisschen - Obst, Schals, Schmuck - oder beschränken Sie sich?
Sortimentsauswahl ist tatsächlich keine einfache Angelegenheit. Zum einen ist der Weltladen nicht so groß, dass ein Vollsortiment angeboten werden könnte. Deshalb gibt es im Weltladen Gerlingen auch kein Obst zu kaufen. Inzwischen kennen wir natürlich unsere Kundschaft, wissen aber auch, dass es wichtig ist, immer wieder Neues anzubieten. Wir gehen auf Messen und lassen uns dort inspirieren. Die Homepages der Lieferanten und deren Newsletter sind wichtige Informationsquellen. Und selbstverständlich reagieren wir auch auf Vorschläge unserer Kunden.

Der Wettbewerb

Die Auszeichnung:
Vergeben wird der Fairtrade Award von Transfair Deutschland, also der deutschen Mitgliedsorganisation von Fairtrade International.

Das Publikum:
Es gibt Nominierte, aus denen die Jury die Sieger Ende März in Berlin in mehreren Kategorien küren wird. Zudem wird ein Publikumspreis vergeben.

Die Abstimmung:
Das Publikum wählt: Auf der Internetseite www.fairtrade-deutschland.de kann es in der Rubrik „Aktuelles. Award-Voting“ bis 15. Januar abstimmen.

 
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