Weil der Stadt Letzter Pinselstrich kurz vor dem Start

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Im Weiler Spittl werkeln, sägen und klopfen die Wagenbauer der AHA, was das Zeug hält. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Es ein bisschen so wie mit der Raupe und dem Schmetterling: Im Weiler Spittl in der Stuttgarter Straße findet gerade eine Metamorphose nach der anderen statt. Da wird seit einigen Wochen gesägt, gehämmert, gebohrt, gemalert, gefeilt und gestrichen, was das Zeug hält. Die Wagenbauer der Weiler Narrenzunft AHA haben nicht mehr viel Zeit bis zum großen Umzug am 11. Februar. Aber es gibt noch jede Menge zu tun.

In den beiden Werkstätten herrscht dicke Luft. Sägespäne und Feinstaubflusen wirbeln durch die Hallen, Ohrstöpsel schaden da auch nicht. An mehreren Wägen wird gleichzeitig gebaut; Holz, Gips, Styropor, Stahl, Maschendraht, Farbe – die ganze Palette des Heimwerkerangebots wird hier verarbeitet. Das Budget von ungefähr 20 000 Euro wird auch gebraucht.

„Der erste Schwung Wagen ist schon durch“, erklärt Martin Gairhos. Er ist gelernter Schreiner und fegt, wie fast jeden Abend in der heißen Zeit, geschäftig durch die Halle. Er hält zusammen mit Thomas Buhl die Wagenbau-Fäden in der Hand und organisiert das Zusammenspiel der rund 60 Wagenbauer, die nach und nach bis zum großen Umzug ihre Wagen fertigstellen. Das muss in Etappen gehen, in diesem Jahr sind 16 Stück zu bauen. Wenn die Wagen fertig sind, werden sie in den Scheunen und Lagern der helfenden Landwirte untergestellt. Doch was im Moment die Hallen füllt, ist noch etliche Arbeitsstunden von „fertig“ entfernt.

Der Wagen soll selbst fahren

So auch der Legowagen, an dem sich die Bastler vom Fanfarenzug versuchen. Ihr Ehrgeiz ist es, einen selbstfahrenden Wagen zu bauen. Üblicherweise werden die Aufbauten auf Anhänger der Weiler Landwirte gesetzt und dann gezogen. Nicht aber so bei den kreativen Schöpfern etlicher witziger Umzugswagen. In diesem Jahr ist ein Bulldog die Basis, auf der aufgebaut wird. Das Holzgerüst steht schon. Drei Männer klettern auf der Fläche hin und her und freuen sich: „Wir haben ja alle mal mit Lego gespielt“, grinst einer der Wagenbauer von oben herab und reicht eine Spanplatte runter. „Säg da mal die Ecke ab“, kommandiert er. Der Kollege tut, wie ihm geheißen, die Kreissäge heult auf. Das winzige Lego-Modell in Blauschwarzgelb mit einem rotgekleideten Playmobilfahrer steht hochmütig auf einem Balken und wird mit kritischen Blicken bedacht. Die Mannschaft kommt ins Grübeln. Wie war das noch mal mit dem Maßstab? Das Lego-Modell wird einer ernsthaften Berechnung unterzogen, man einigt sich großzügig auf 100:1.

„Ja, die Proportionen, dass das alles auch stimmt, das ist mit das Schwierigste“, erklärt Thomas Buhl. Er arbeitet am Turm für den Glöckner von Notre-Dame, vermisst Holzbalken und sägt sie auf die hoffentlich richtige Länge ab. Viereinhalb Meter hoch soll der Turm werden, es wird spannend, ihn aus der Halle ins Freie zu bekommen. Vorsichtshalber wird er im Liegen gebaut und verziert.

Wie wohl die gotisch anmutenden Verzierungen angebracht werden? „Manchmal muss man halt ein bisschen tricksen.“ Ein spitzbübisches Lächeln schleicht sich in die Mundwinkel, „mit Farbe kann man schon so einiges hinbekommen oder vertuschen, aber für den dreidimensionalen Eindruck muss schon hier und da ein Brett extra angebracht werden“, weiß Buhl.

Die Männer packen auch bei den Damen an

In der benachbarten Halle wird andächtig ein Balken des Wagens mit dem grünen Daumen grundiert. Der Wagen steht schon ziemlich gut da, die Vorbauten sind gemacht und der fertig vergipste Styropordaumen wartet nebenan im Lager auf den Einsatz. Ein schmiedeeisernes Tor am einen Ende des Wagens ist schon angebracht: „Bei den schweren Sachen helfen uns die Männer“, erklärt die Malerin, aber sonst macht die Damenmannschaft schon alles selbst. Ein knappes Dutzend Paletten sind schon auf dem Wagen festgemacht, die werden noch mit grünem Stoff bespannt und mit allerlei Dekoration aufgepeppt. Nicht zuletzt werden die begleitenden Damen mit ihren selbst gemachten Gießkannen auf dem Kopf für Furore sorgen – ein Nicken, und nicht nur die Pflanzen auf dem Wagen, sondern vielleicht auch die Besucher bekommen ihre Dosis an flüssiger Lebenskraft ab – vielleicht.

Ein kugeliger Zeitgenosse daneben zieht den Blick auf sich. Vor ihm steht ein Wagenbauer mit Zeitungen in den Händen, die er kritisch entzwei reißt und sorgfältig aufschichtet. Die Gestalt wird gedreht und offenbart weitere zwei Köpfe, und die kommen eifrigen Spaziergängern bekannt vor. Ja, die Skulptur steht am Spazierweg zwischen Weil der Stadt und Schafhausen. Wer also bis zum Faschingsdienstag den Abschnitt der Skulptoura zwischen Waldenbuch und Weil der Stadt nicht mehr schafft, kann diesen dank des Weiler Angelsportvereins im Zeitraffertempo erledigen. Einfach auf den Wagen mit der dreiköpfigen Figur achten, da gibt es noch mehr zu entdecken.

Martin Gairhos jedenfalls wird am Morgen des Umzugstages noch einmal tief durchatmen: „Der letzte Pinselstrich wird erfahrungsgemäß kurz vor dem Start gemacht“, sagt er. Und bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun.

Umzug
Das große Spektakel am Fasnetssonntag, 11. Februar, startet um 14 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro pro Person.

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