Weil der Stadt Auf den Spuren von Hail Brodbegkin

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sind Foto: Arnold

Weil der Stadt -

Wer wissen will, wer Hail Brodbegkin ist, den führt Ingrid Müller, die Leiterin des Seniorenzentrums Bürgerheim, ins Erdgeschoss. Dort prangt an der Wand ein großformatiges ­Relief, in dessen Mitte eine Frau in mittelalterlichen Gewändern steht. „Das ist Helene Brodbeg, oder wie man früher gesagt hat, Hail Brodbegkin.“ Die Brodbegkin soll eine Begine gewesen sein, eine fromm und ehelos lebende Frau, die sich mit anderen Beginen um Kranke und Alte kümmerte.

1364 wird das erste Spital gegründet

Die geistliche Bürgerin von Weil der Stadt hat 1364 das erste Spital im Ort gegründet. In ihrem Sinne möchte Franziska Etzel mit ihrer Stiftung die Geschichte der Kranken- und Altenversorgung in Weil der Stadt fortschreiben sowie die Tätigkeit der Mitarbeitenden im Seniorenzentrum bewahren und unterstützen.

Das sagte die 84-Jährige bei der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde im Bürgerheim. Gleichzeitig möchte sie mit der Übertragung eines Teiles ihres Vermögens an die Caritas-Stiftung Lebenswerk Zukunft der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein ehrendes Andenken an ihre Eltern Jakob und Magdalena Klauser und ihren Ehemann Friedrich Etzel bewahren, wie sie betonte. Das Leben der Stifterin war von der Flucht 1944 aus der Heimat in der Nähe von Belgrad gekennzeichnet, wo sie als Kind deutscher Aussiedler geboren wurde. Sie absolvierte die Oberschule in Österreich und kam mit ihrer Familie 1952 nach Weil der Stadt, wo sie ihren Mann kennenlernte. Während sie unter anderem im Landratsamt Leonberg und im Bauamt von Weil der Stadt arbeitet, war ihr Mann als Mechaniker tätig und ­eröffnete später einen Getränkevertrieb.

Arbeit des Seniorenzentrums wird gesichert

Durch glückliche Umstände, wie es in der Kurz-Biografie von Franziska Etzel heißt, konnte die Familie, zu der auch zwei Kinder gehören, immer wieder Immobilien erwerben und auch verkaufen. 2005 starb Friedrich Etzel. Seine Frau lebt jetzt nach einem Klinikaufenthalt im Bürgerheim. Mit ihrer Stiftung, über deren Höhe nichts bekannt wurde, soll unter anderem „die ­gute Arbeit des Seniorenzentrums Bürgerheim gesichert bleiben.“

„Für uns kam das Anliegen wie aus heiterem Himmel“, sagte Ingrid Müller bei der Stiftungsfeier. „Wir haben noch keine Stiftungsgründung erlebt, umso mehr freuen wir uns.“ Der Bürgermeister Thilo Schreiber dankte der Stifterin und sagte, die Stiftung werde lange Bestand haben und viele Senioren und Mitarbeiter werden davon profitieren. „Wir hoffen, dass es da Nachahmer gibt“, sagte er. Das dürfte auch im Sinne der Stifterin sein, heißt es doch in der Präambel der Urkunde der Franziska Etzel-Stiftung: „Die Stiftung soll Anstoß für weitere Stiftungen und Stifterfonds geben.“ Denn Stifter wirkten dort, wo der Staat nichts oder wenig zu leisten vermag.

Angelika Hipp, die Geschäftsführerin der Caritas-Stiftung Lebenswerk Zukunft, bei der die gemeinnützige Franziska Etzel-Stiftung treuhänderisch verwaltet wird, sagte, es sei immer ein besonderer Moment, wenn Menschen über den Tag hinaus wirken und damit ein Zeichen setzen.

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