Waldwirtschaft Weil der Stadt Wald gibt’s nicht zum Nulltarif

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Der Merklinger Wald wird von vielen Menschen als Naherholungsgebiet geschätzt. Foto: factum/Granville

Weil der Stadt - Der Wald ist nicht nur Naherholungsgebiet, sondern auch ein Wirtschaftsgut für die Eigentümer. Forstrevierleiter Markus Scholl, der für den Stadtwald und die Privatwälder in Weil der Stadt zuständig ist, bewirtschaftet eine Fläche von gut eintausend Hektar. Dem Gemeinderat präsentierte er jetzt den Betriebsplan für das Jahr 2018. Der Förster bedankte sich zuerst für den neuen Schlepper, den der Gemeinderat im Sommer bewilligt hatte. Dieser soll im Frühjahr geliefert werden.

Das Wetter sei in diesem Jahr überwiegend gut gewesen, sodass er mit den Waldarbeitern fast durchgängig Holz machen konnte, sagte Markus Scholl. 4 600 Festmeter waren es bis Anfang Oktober, weitere 900 sollen bis zum Jahresende noch dazu kommen. Dies entspräche dann dem Plansansatz für das laufende Jahr. Der Schwerpunkt des Holzeinschlags lag bei Fichten und Tannen. Für das Gesamtjahr sollen dann 330 100 Euro an Verkaufserlösen in den kommunalen Haushalt fließen. Auf der anderen Seite kostet die Waldbewirtschaftung aber auch viel Geld, und zwar mehr, als eingenommen wird. Bei Ausgaben von rund 400 500 Euro muss die Stadt ein Defizit von gut 70 000 Euro verbuchen. Fast die Hälfte der Ausgaben entfallen dabei auf die Löhne der Waldarbeiter.

Hormel: Schwarze Null erst mal nicht realistisch

Für das kommende Jahr werden sich Einnahmen und Ausgaben laut Planansatz in einer ähnlichen Größenordnung bewegen.

Nicht allen Gemeinderäten gefiel dies. Martin Buhl, CDU, meinte, dass man bei einem Wald dieser Größenordnung realistisch ins Plus kommen müsse. Inge Hormel, die Leiterin des Revierbezirks Nord, zu dem auch Weil der Stadt gehört, sagte, die Verkaufserlöse hingen vom Holz und der Holzartenzusammenstellung ab. „Sie haben in Weil der Stadt einen bunten Strauß an Bäumen“, so ihre Einschätzung. Es sei nicht realistisch, mittelfristig eine schwarze Null zu schreiben, denn die Kosten stiegen schneller als die Holzpreise.

Grüne mit dem Wald zufrieden

Alfred Kappler, Grüne, erinnerte daran, dass man in früheren Jahren ein höheres Minus gehabt habe. „Bei der Waldbegehung haben wir gesehen, dass die Verjüngung funktioniert. Ich bin mit dem Wald sehr zufrieden“, sagte er. Der Bürgermeister Thilo Schreiber ergänzte, dass in seinem ersten Jahr als Bürgermeister 2013 das Defizit 213000 Euro betrage habe. „So viel, wie Sie in den vergangenen zwei, drei Jahren über den Wald diskutieren, haben Sie die letzten 20 Jahre nicht diskutiert“, sagte er an die Adresse der Gemeinderäte. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, fügte er hinzu, „und wir schlagen nicht den Wald kaputt“, betonte er.

Im Wald wurde nicht nur Holz geschlagen, sondern es wurden auch neue Bäume gepflanzt und zwar überwiegend Eichen und Roterlen. Insgesamt kamen in diesem Jahr 5100 junge Laubholzgewächse in den Boden.

Der Bürgermeister bat darum, Vertrauen in die Fachleute zu haben. Auch sei der neue Revierförster Scholl erst seit einem Jahr da. Eine schwarze Null wäre ihm auch recht, aber man sei schon deutlich unter 100 000 Euro Defizit gekommen. Die Erste Beigeordnete Susanne Widmaier fügte mit Blick auf die Forstleute Inge Hormel und Markus Scholl hinzu: „Die beiden leben für den Forst und haben das Ziel, das Beste für unseren Wald herauszuholen.“

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