Wahl 2017: Peter Schimke aus Vaihingen/Enz Ein Engagement gegen das Vergessen

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Ungewöhnlicher Treffpunkt: Peter Schimke, der Bundestagskandidat der Linken im Wahlkreis, verabredete sich an der KZ-Gedenkstätte in Vaihingen/Enz. Foto: factum/Weise

Vaihingen/Enz - Schon bei der Wahl des Treffpunkts fällt Peter Schimke aus der Reihe: Während viele Kandidaten gerne den Marktplatz in Ludwigsburg vorschlagen, möchte sich der Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Ludwigsburg bei der KZ-Gedenkstätte in Vaihingen/Enz treffen. „Verbrechen wie in der Nazi-Zeit sollte es nie wieder geben“, sagt Schimke, der beim Verein der Gedenkstätte ein Mitglied der ersten Stunde sowie Kassenprüfer ist.

Und doch gebe es heutzutage Parteien, die die Nazi-Zeit schönredeten oder sich die Strukturen von damals wünschten, sagt er mit Bezug auf die Alternative für Deutschland. Den Zustand einer Demokratie könne man auch daran erkennen, wie sie mit Minderheiten umgeht. In der Auseinandersetzung mit der AfD sieht er die größte Herausforderung des Wahlkampfs. „Bei den Protestwählern gibt es viele, die den Falschen hinterherlaufen.“

Den Einzelkämpfer-Modus gewöhnt

Schimke möchte sich im Wahlkampf für die demokratischen Grundrechte einsetzen. So war er auch dabei, als 76 000 Menschen beim G20-Gipfel in Hamburg demonstrierten. Die Krawalle verurteilt er wie es Politiker anderer Parteien tun: „Das hat mit Linkssein überhaupt nichts zu tun, das waren Randalierer.“ Die friedliche Gegendemonstration fand er dennoch wichtig: „Wenn man demokratische Rechte nicht mehr wahrnimmt, sind sie irgendwann einfach weg.“

Schimke ist den Einzelkämpfer-Modus gewohnt. Seit 2009 sitzt er im Kreistag, seit 2014 als einziger Linker im Gemeinderat von Vaihingen/Enz. Der Weg in die Politik wurde Schimke nicht in die Wiege gelegt. Sein Elternhaus war unpolitisch. „Politik war tabu.“ Sein Vater hatte sich in der Nazi-Zeit freiwillig zur Hitler-Jugend gemeldet . „Später hat er nur wenig darüber gesprochen – und dann auch nicht kritisch gegenüber dem Regime“, sagt Schimke.

Kampf um ein Jugendhaus politisiert den jungen Schimke

Seine Politisierung erlebte Schimke im Alter von 14 Jahren. Damals kämpfte der gebürtige Stuttgarter für das Jugendhaus in Feuerbach. Bis 1998 war der heute 62-Jährige Mitglied der Grünen. Der Kosovo-Krieg, der mit deutscher Beteiligung unter Zustimmung der damals regierenden Grünen stattfand, war für den Pazifisten der Anlass, mit der Partei zu brechen. „Wer mit Waffen Frieden schaffen will, der ist zum Scheitern verurteilt.“ So kritisiert er auch die Waffenexporte der Bundesregierung und plädiert für die Abschaffung der Nato und für ein neues Friedensbündnis mit Russland. „Wer Waffen exportiert, muss Flüchtlinge importieren“, sagt Schimke.

In die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG), der Vorläuferin der Linken, trat Schimke 2005 ein, der gelernte Nachrichtentechniker war Gründungsmitglied des Ortsverbands in Vaihingen/Enz.

„Fünf Prozent plus x“ als Ziel

Bei einigen Themen kann der pensionierte Betriebsrat sich in Rage reden. Beispielsweise, wenn es um die Debatte geht, dass der Etat der Bundeswehr auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgestockt werden soll. „Das geht in die ganz falsche Richtung.“ Lieber solle man das Geld dazu verwenden, Fluchtursachen zu bekämpfen und in den betroffenen Ländern Frieden zu schaffen. Auch die Diskussion, die Bundeswehr für Einsätze im Landesinneren einzusetzen „kann nicht sein“, wie er findet. Ebenso skeptisch ist er, was die Ausweitung der Überwachung angeht.

In Berlin möchte Schimke sich für soziale Gerechtigkeit und bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Lokal liegt ihm die Umgehung von Enzweihingen am Herzen. Zwei seiner vier volljährigen Kinder leben in Berlin, „insofern wäre das mit dem Mandat praktisch“, scherzt er. Doch er weiß, dass seine Chancen hier im Ländle gering sind. „Fünf Prozent plus x in Baden-Württemberg“ wären für ihn schon gut. Bei der Landtagswahl, bei der Schimke auch antrat, holten die Linken im Wahlkreis drei Prozent. „Damals hat mir ein Mann im Wahlkampf gesagt: ‚Herr Schimke, Sie haben ja gute Positionen, aber in Baden-Württemberg wählt man keine Linken.’“

Ex-Grüner und Betriebsrat im Ruhestand

Werdegang
Nach seiner Ausbildung als Elektromechaniker holte der in Stuttgart geborene Peter Schimke die mittlere Reife sowie die Fachhochschulreife nach. In der Abendschule machte er den Nachrichtentechniker. Von 1976 an war er bei Bosch als Ingenieur beschäftigt, ab 1998 als hauptamtlicher Betriebsrat. Im April 2017 ist Schimke in Rente gegangen.

Engagement
Schimke ist seit 1976 Mitglied der IG Metall. Bis 1998 war er Mitglied der Grünen, 2005 trat er in die WASG ein. Seit 2007 ist der Kreis- und Stadtrat Mitglied im Kreisvorstand der Linken. Er ist außerdem Delegierter für die Landes- und Bundesdelegiertenversammlung.

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