Verkehrsüberwachung Drei neue Blitzer für den Altkreis

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Die bekannten Messsäulen können meist in beide Fahrtrichtungen blitzen. Foto: dpa

Altkreis - Wer im Landkreis Böblingen den Fuß zu fest auf dem Gaspedal hat, muss zukünftig öfter damit rechnen, dass es plötzlich blitzt. Die B 295 bei Renningen wird bekanntlich zwei fest installierte Messsäulen bekommen (wir berichteten). Jetzt hat der Landkreis auch die Freigabe für je zwei dauerhafte Blitzer in Rutesheim und Weil der Stadt erteilt. Wo genau sie hinkommen, das hat das Landratsamt jüngst im Verkehrsausschuss des Kreistags mitgeteilt.

Was die Verkehrsüberwachung angeht, hat im Verkehrsdezernat des Landratsamtes ein Umdenken stattgefunden. Nachdem im Kreis Böblingen bisher nur mit mobilen Anlagen kontrolliert worden ist, ist die stationäre Verkehrsüberwachung erstmals vor zwei Jahren ins Gespräch gekommen – im verkehrsgeplagten Renningen. Im vergangenen Februar wurde dann ein erster Blitzer angekündigt, nun werden gleich drei auf einen Streich aufgestellt.

Die Städte sind zufrieden

In Renningen auf der Bundesstraße 295, auf Höhe des Wohngebiets Kindelberg, sollen zwei Messsäulen Autofahrer und vor allem Motorradfahrer dazu bewegen, vom Gas zu gehen. In Rutesheim auf der Pforzheimer Straße und der Renninger Straße, je auf Höhe des Pflegeheims Widdumhof, werden Raser künftig geblitzt. Und in der Paul-Reusch-Straße in Weil der Stadt ist eine kombinierte Anlage für Tempo- und Rotlichtüberwachung vorgesehen.

In Rutesheim herrscht Zufriedenheit über das Ergebnis. „Wir freuen uns, dass der Landkreis hier tätig wird“, sagt Rutesheims Erster Beigeordneter Martin Killinger. Denn die Ortsdurchfahrt sei ein großes Problem. Nachweislich sei ein Fahrer in der Kernstadt (Tempo 30) sogar mal mit 105 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen. Die Folge war ein schwerer Unfall. „Und in der Nacht haben wir massive Lärmprobleme, besonders durch Motorräder.“ Dauerhaft lasse sich das nur mit stationären Blitzern lösen, glaubt er. Einen davon hat die Stadt schon vor einer Weile vor dem Rathaus installiert. „Der hat bewirkt, dass das Durchrasen von Autos und Motorrädern in der Nacht beendet ist“, berichtet Killinger.

Die Keplerstadt hat zwar drei Anlagen beantragt und nur eine bekommen, der Bürgermeister ist trotzdem zufrieden: „Damit können wir leben“, sagte Thilo Schreiber im Ausschuss. Ihm ist wichtig, dass die Geräte „schnell auf die Spur“ gebracht werden. Immerhin befindet sich die große Kreuzung der Paul-Reusch-Straße am Schulzentrum. Auch in Hausen könnte sich etwas tun: Hierfür hat Thilo Schreiber ein Überwachungssystem gefordert, das das Durchfahrtsverbot für Lastwagen ins Visier nimmt, die die Staus auf den Autobahnen umfahren. „Es ist ein Dilemma“, berichtete er, die langen Fahrzeuge würden ständig an der Brücke über die Würm hängen bleiben.

Für Merklingen am Ortsausgang Richtung Hausen und für die Ortsdurchfahrt von Schafhausen hatte Weil der Stadt ebenfalls einen Antrag auf eine Messsäule gestellt. Doch die nötigen Kriterien waren hier nicht erfüllt. Im ersten Fall liegt es an der übersichtlichen Straßenlage, wodurch laut Landratsamt keine extremen Gefahrenstellen entstehen. In Schafhausen fahren schlicht zu wenige Autos, als dass ein Blitzer gerechtfertigt wäre.

Strategiewechsel im Landratsamt

Das Landratsamt übernimmt seit den 90er Jahren im Kreis die mobilen Geschwindigkeitsmessungen für die überörtlichen und örtlichen Straßen – mit Ausnahme der Kreisstädte Leonberg, Herrenberg, Sindelfingen und Böblingen sowie der Autobahnen. Vom Strategiewechsel von der mobilen, eher versteckten auf die stationäre und damit sichtbare Kontrolle erhofft sich das Landratsamt einen Lerneffekt: Nach wie vor sei zu schnelles Fahren die Hauptursache für tödliche Unfälle, steht in der Vorlage für den Kreistag. Erfahrungen anderer Kreise hätten gezeigt, dass sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine große Wirkung erzielen lasse.

Eine graue Stele für die Geschwindigkeitskontrolle kostet 80 000 Euro, fürs Rotlicht 120 000 Euro. An Kreis-, Landes- und Bundesstraßen ist der Landkreis für die Technik und die Bearbeitung der Verstöße zuständig, für die Installation der Säulen die jeweiligen Kommunen. Christian Teich von der Stadtverwaltung Renningen schätzt die Kosten pro Säule auf durchschnittlich 20 000 Euro für die Stadt: 15 000 bis 18 000 für die Säule selbst, etwa 3000 für Fundament und Anschluss. Die Einnahmen aus den Verstößen gehen nach derzeitigem Stand ausschließlich an den Landkreis als zuständige Behörde.

Wann genau die Geräte aufgestellt werden, steht noch nicht fest. Derzeit läuft erst noch die Ausschreibung. Das Landratsamt geht aber davon aus, dass die ersten Blitzer – für die B 295 – um den Jahreswechsel kommen, danach geht es weiter mit Rutesheim und Weil der Stadt.

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